Schnell-Bewerter
Mein FILMSTARTS
    SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung

    Wahnsinn wie eine warme Decke

    Von Christoph Petersen
    Hierzulande erscheint „SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung“, das dritte „Kino“-Abenteuer des burgerbratenden Bikini-Bottom-Bewohners nach „Der SpongeBob-Schwammkopf Film“ von 2004 und „SpongeBob Schwammkopf 3D“ von 2015, nun pandemiebedingt direkt bei Netflix. Aber nicht nur die geschlossenen Kinos haben in letzter Zeit für einigen Unmut hinter den Kulissen des Kult-Franchises gesorgt:

    Der US-Sender Nickelodeon arbeitet nämlich aktuell an gleich zwei Spin-off-Serien – und das, obwohl sich der SpongeBob-Erfinder Stephen Hillenburg bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2018 immer dagegen gewehrt hat. Bei vielen alten Weggefährten und treuen Fans stößt das wenig pietätvolle Vorgehen der Senderverantwortlichen deshalb auf Unverständnis.

    Das Spin-off-Dilemma


    Die Diskussion, ob die neuen Spin-offs das Vermächtnis des Serien-Schöpfers nun mit Füßen treten oder nicht, wird wohl erst in den nächsten Monaten so richtig hochkochen. Aber bevor es soweit ist, haben die Macher um Regisseur Tim Hill („Immer Ärger mit Grandpa“) ihren Film explizit mit einer Einblendung zu Beginn des Abspanns dem verstorbenen Serien-Schöpfer gewidmet …

    … und dagegen hätte Stephen Hillenburg garantiert nichts einzuwenden gehabt. „SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung“ trifft perfekt den turbulent-anarchischen Geist der Serie: Es gibt auch diesmal wieder etliche Einfälle und Ideen, über die man sich freuen darf, selbst wenn die großen Überraschungen – abseits der neu hinzugekommenen dritten Dimension – ausbleiben.

    SpongeBob und Patrick bekommen es in einer Westernstadt mit einem Haufen Cowboy-Piraten-Zombies zu tun.


    Mit Hilfe seiner Computer-Ehefrau Karen (Stimme im Original: Jill Talley) versteht Bikini-Bottom-Bösewicht Plankton (Mr. Lawrence) endlich, warum alle seine 3086 Pläne, das geheime Rezept für den Krabbenburger zu stehlen, fehlgeschlagen sind: Sein wahrer Widersacher ist gar nicht der Krosse-Krabbe-Besitzer Mr. Krabs (Clancy Brown), sondern dessen burgerbratender Angestellter SpongeBob Schwammkopf (Tom Kenny / deutsche Stimme: Santiago Ziesmer).

    Mit dieser neuen Erkenntnis entwickelt Plankton einen Plan, der diesmal tatsächlich aufgeht: SpongeBobs geliebte Hausschnecke Gary soll entführt und nach Atlantic City geschickt werden, wo der Despot Neptun (Matt Berry) händeringend nach neuen Schnecken sucht, deren Schleim er als Anti-Faltencreme verwendet. SpongeBob und sein bester Freund Patrick (ebenfalls Tom Kenny) machen sich auf, um Gary zurückzuholen…

    Spielereien in der dritten Dimension


    In „SpongeBob Schwammkopf 3D“ gab es schon vor fünf Jahren einen 3D-SpongeBob und einen 3D-Patrick – aber die Verwandlung der Zeichentrick-Helden in 3D-Figuren war damals noch ein Teil des Plots. „Eine schwammtastische Rettung“ ist nun der erste Film, in dem sich das Franchise komplett von seinen Zeichentrick-Wurzeln löst und stattdessen konsequent auf einen computergenierten Animations-Look setzt.

    Die 3D-Designs sind dabei fast alle ganz hervorragend gelungen – vielleicht mit Ausnahme des Eichhörnchen-Fells von Sandy Cheeks (Carolyn Lawrence), das als etwas zu „real“ heraussticht. Aber die Figuren sind ja ohnehin allesamt derart abstrakt gehalten, dass es nicht sonderlich schwer ist, sie in andere Formate zu übertragen. Erfreulich ist hingegen, dass „SpongeBob“-Urgestein Tim Hill die neuen Möglichkeiten, mit der Kamera im dreidimensionalen Raum herumzufahren, für allerlei verspielte visuelle Sperenzchen nutzt.

    Die Unterwasser-Spieler-Metropole Atlantic City erweist sich als Mix aus Las Vegas und Schloss Versailles.


    Darüber hinaus bleiben die ganz großen Überraschungen allerdings aus – wobei man sich bewusst sein muss, dass diese Kritik bei „SpongeBob“ aufgrund der Erwartungshaltung schon ein wenig unfair ist: In „Eine schwammtastische Rettung“ gibt es eine Sequenz in einer Westernstadt, in der innerhalb weniger Minuten Keanu Reeves („John Wick“) als weissagender Kopf in einer Steppenhexe*, Snoop Dogg („Starsky & Hutch“) als Saloon-Rapper mit Zombie-Flashmob und Danny Trejo („Machete“) als vom Teufel besessener Cowboy-Pirat auftreten…

    … und ironischerweise erwartet man 16 Jahre nach dem Gastauftritt von David „Baywatch“ Hasselhoff als menschliches Surfbrett im ersten Schwammkopf-Kinoabenteuer genau das von einem „SpongeBob“-Film.

    Mit einem Affenzahn nach Atlantic City


    „Eine schwammtastische Rettung“ legt mit hohem Tempo los und geht bis zum Abspann kaum vom Gas. Nur bei einer Gerichtsverhandlung, bei der verschiedene Zeugen aussagen, was für ein toller Typ SpongeBob ist, kommt der Film im letzten Drittel ein wenig ins Stocken: Die Rückblenden in die Kindertage der Bikini-Bottom-Bewohner, die sich in einem Feriencamp zum ersten Mal kennenlernen, sind einfach zu lang geraten – was wohl auch daran liegt, dass hier offensichtlich der Grundstein für die kommende Prequel-Spin-Off-Serie „Kamp Koral: SpongeBob’s Under Years“ gelegt werden soll.

    Abgesehen davon haben die Gags weiterhin eine erstaunlich hohe Trefferquote – selbst wenn sie zwar oft immer noch sehr trocken, aber kaum noch mal wirklich aneckend-anarchisch sind. Aber das ist wohl auch einfach der Gewöhnungseffekt: Früher (die ersten Folgen liefen tatsächlich schon im vergangenen Jahrtausend) hat man eingeschaltet, weil die Serie mit ihrer zur Kunstform erhobenen Hyperaktivität auf angenehm anarchische Weise die Sehgewohnheiten unterwandert hat. Heute schaut man „SpongeBob“, weil sich die „schwammtastischen“ Abenteuer anfühlen wie eine warme verlässliche Decke – und das passt doch gerade in diesen verrückten Tagen eigentlich ganz gut...

    Fazit: Nach mehr als 20 Jahren lässt die anarchische Wirkkraft von SpongeBob mehr und mehr nach. Aber das heißt nicht, dass die hyperaktiven Unterwasserabenteuer deshalb weniger Spaß machen – und das gilt natürlich erst recht, wenn zwischendrin immer wieder der Kopf von Keanu Reeves als hellsehende Steppenhexe* vorbeirollt.

    *Eine Steppenhexe ist übrigens keine Hexe in der Steppe, sondern die deutsche Bezeichnung für die im Englischen Tumbleweed genannte Pflanze, die keine Wurzeln in der Erde hat, sondern sich vom Wind durch die Steppe treiben lässt. Die Dinger sieht man zwar in jedem zweiten Western, wo sie Einsamkeit, Weite oder Geisterstädte symbolisieren, aber die deutsche Bezeichnung kannte ich ehrlich gesagt vorher auch nicht.

    Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
    • Die neuesten FILMSTARTS-Kritiken
    • Die besten Filme aller Zeiten: Usermeinung
    • Die besten Filme aller Zeiten: Pressemeinung
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top