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    Im Netz der Versuchung
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Im Netz der Versuchung

    Der Mega-Twist 2019

    Von Christoph Petersen
    Selten waren die Gründe für einen Kassenflop offensichtlicher als bei „Im Netz der Versuchung“ von „Peaky Blinders“-Schöpfer Steven Knight. Da können die Stars Matthew McConaughey und Anne Hathaway, für die der US-Release jeweils einen absoluten Box-Office-Karrieretiefpunkt bedeutet, noch so sehr auf den Verleih schimpfen: In Wahrheit hatte die Produktion nie auch nur den Hauch einer Chance! Und das hat zuallererst damit zu tun, dass es zum Grundkonzept des Films gehört, ihn als etwas zu verkaufen, was er nicht ist.

    Baker Dill ist auf seine Ex gar nicht gut zu sprechen.


    Erst nach einer guten Stunde wird klar, um was für eine Art von Film es sich bei „Im Netz der Versuchung“ überhaupt handelt. Aber zum Zeitpunkt dieses Mega-Twists sitzen natürlich schon die völlig „falschen“ Zuschauer im Saal, während das eigentliche Zielpublikum wohl eher nicht auf die Idee kommen würde, sich ausgerechnet diesen Film im Kino anzusehen. Dumm gelaufen! Aber über die eigentliche Qualität von „Im Netz der Versuchung“ ist mit dieser Feststellung natürlich noch gar nichts ausgesagt.

    Der Kriegsveteran Baker Dill (Matthew McConaughey) verdingt sich inzwischen als Bootskapitän auf der abgelegenen kleinen Insel Plymouth, wo er mit wohlhabenden Touristen zum Thunfischangeln rausfährt. Finanziell steckt Baker trotzdem arg in der Klemme, wobei es auch nicht hilft, dass er von einem bestimmten Thunfisch so sehr besessen ist, dass er die Angel nach dem Anbiss nicht an seine zahlenden Kunden weitergibt, sondern ihn selbst herauszuziehen versucht. Aber dann taucht plötzlich Bakers Ex-Frau Karen (Anne Hathaway) auf der Insel auf – und zwar mit einem unmoralischen Angebot in der Tasche: Baker soll mit ihrem sadistischen Neu-Ehemann Frank Zariakas (Jason Clarke) aufs Meer hinausfahren und ihn dort über Bord schmeißen. Als Belohnung will Karen ihm dafür zehn Millionen Dollar zahlen...

    Nichts ist, wie es scheint


    Das US-Poster zu „Im Netz der Versuchung“ ist derart gestaltet, dass es beim kurzen Draufschauen so aussieht, als sei es genau zwischen den Stars Matthew McConaughey („Beach Bum“) und Anne Hathaway („Glam Girls“) durchgerissen worden. Der rötliche Riss, dessen Farbgebung nicht von ungefähr an Blut erinnert, deutet auf ein gefährliches, womöglich sogar tödliches Geheimnis hin, das zwischen den Ex-Eheleuten verborgen liegt und nun unaufhaltsam an die Oberfläche quillt. Poster, Plot, Titel – alles an „Im Netz der Versuchung“ spricht dafür, dass wir es hier mit einem klassischen Psychothriller mit Erotik-Einsprengseln zu tun bekommen, wie sie gerade Ende der Achtziger bis Anfang der Neunziger mit „Basic Instinct“ als Hype-Höhepunkt schwer in Mode waren.

    Links: „Im Netz der Versuchung“, Rechts: „Eine verhängnisvolle Affäre“


    Aber Pustekuchen! Wenn „Im Netz der Versuchung“ mit dem Poster irgendwann mal auf Netflix landen sollte, dann wird es keine fünf Minuten dauern, bis meine Thriller verschlingende Mama es anklickt – nur um mich dann eine Stunde später aufgeregt bis angepisst anzurufen und zu fragen, was zum Teufel sie sich da eigentlich gerade ansieht. Denn das eigentlich Bedeutende an dem Motiv ist gar nicht das angedeutete Geheimnis – sondern das offensichtliche Zitat: Der rote Riss sieht nämlich fast genauso aus wie der auf dem Poster zu Adrian Lynes Erotik-Thriller „Eine verhängnisvolle Affäre“ mit Michael Douglas und Glenn Close aus dem Jahr 1987. „Im Netz der Versuchung“ ist mindestens mal ein Meta-Noir, quasi der „The Cabin In The Woods“ unter den Erotik-Thrillern.

    Denn dass man nicht alles für bare Münze nehmen sollte, was man da zu sehen bekommt, wird schon in den ersten Szenen klar. Aus dem nichts kommende, betont unnatürliche Kamerafahrten um den Kopf von Matthew McConaughey; ein Vertreter für Fischereizubehör (Jeremy Strong), der sich mehr als merkwürdig benimmt und davon faselt, dass alles 20 Sekunden off sei; die Outfits von Anne Hathaway, die so dermaßen laut „Femme Fatale“ schreien, dass sie die Grenze vom Klischee zur Parodie schon längst hinter sich gelassen haben – irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Wer Steven Knight nicht kennt, könnte da schnell auf die Idee kommen, dass das alles einfach an der Unfähigkeit des Regisseurs liegt.

    Mut zum Risiko (oder einfach nur bescheuert)


    Aber dem ist natürlich nicht so. Mit „No Turning Back“ hat Steven Knight vor einigen Jahren ein Charakterdrama inszeniert, in dem wir Tom Hardy einfach nur eineinhalb Stunden lang in Echtzeit in seinem Auto telefonieren sehen – und trotzdem ist „Im Netz der Versuchung“ der risikoreichere der beiden Filme. Denn wo etwa „The Cabin In The Woods“ vor und nach dem zentralen Twist zumindest im Ansatz noch dieselben Themen verhandelt und dieselben Interessen bedient (aus einem geradlinigen Horrorfilm wird einfach nur eine abgefahrene Meta-Horror-Satire), geht die Schere bei „Im Netz der Versuchung“ sehr viel weiter auseinander. Das ist erfrischend, das ist radikal – und das ist zugleich auch das Problem!

    Als Kinofan, der sich tierisch freut, wenn nicht immer nur im Low-Budget-Indie-Bereich, sondern auch mal in einer Mainstream-Produktion wie dieser etwas wirklich Neues versucht wird, drückt man ganz fest beide Daumen, sobald sich andeutet, wohin das alles wohl noch gehen könnte. Aber auch das hilft nur bedingt. Wenn man nach dem Rollen des Abspanns an das gerade Gesehene zurückdenkt, dann fallen einem zwar zunehmend immer mehr Zusammenhänge zwischen den beiden Ebenen des Films auf – aber wirklich stimmig kommen sie trotzdem nicht zusammen. Da kann die zwischenzeitige Begeisterung schnell in Frust umschlagen. Und auch die in der zweiten Hälfte plötzlich eröffnete existenzielle philosophische Fragestellung wird letztendlich viel zu oberflächlich abgehandelt, um wirklich zu berühren.

    Fazit: Autor und Regisseur Steven Knight gebührt aller Respekt der Welt für das, was er hier versucht – auch wenn er die Landung am Ende nicht steht.

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    Kommentare

    • HalJordan
      In jedem Fall werden wir es nie erfahren, ob das Geld rausgeschmissen gewesen wäre....
    • Christoph Petersen
      Sie haben sich nicht über die Art des Marketings beschwert, sondern über die Abwesenheit davon - weil der US-Verleih selbst nicht mehr an die Marktchancen geglaubt hat, hat er einfach die geplaneten Marketingmaßnahmen gestrichen, weil es wohl eh nur rausgeschmissenes Geld gewesen wäre.
    • HalJordan
      OK, das leuchtet ein. Dennoch kann ich die beiden Schauspieler verstehen. Schließlich sollte es doch die Aufgaben des Studios sein, den Film richtig zu bewerben.
    • Christoph Petersen
      Trotzdem ist es doch ein Unterschied, ob es das Konzept eines Films selbst ist, seine wahre Natur zu verheimlichen, oder ob das erst durch Trailer oder Poster oder sonstiges Marketing geschieht. Zweiteres ist eine Mogelpackung (wie bei deinen Beispielen), beim ersteren (wie in diesem Fall) empfinde ich die Bezeichnung irrführend und nicht angemessen.
    • HalJordan
      Vom Marketing habe ich hier in Deutschland ehrlich gesagt nicht viel mitbekommen. Wenn ihr bei FS nicht im Vorfeld darüber geschrieben hättet, wäre der Film wohl komplett an mir vorbeigangen.Selbstverständlich ist eine Mogelpackung negativ auszulegen. Das MUSS einen Film allerdings nicht automatisch schlechter machen. Beispiel: Wer das Cover von Trust mit Clive Owen gesehen hat, dürfte einen Action-Thriller ala Taken erwartet haben und nicht ein Drama erster Güte.Über die Qualität von Serenity kann ich natürlich (noch) nichts sagen. Schließlich muss ich den Film erst sehen. In jedem Fall finde ich es schade für Hathaway und McConaughey.
    • Gravur51
      Auch Locke war grossartig. Als ich den twist bei yms gehört habe konnte ich es auch erst nicht glauben.
    • Kein_Gast
      War doch meine Entscheidung. Ich beschwere mich ja nicht, bin sogar froh dass ich es gemacht habe. Ich hätte den Film angeschaut wenn er mal auf Netflix oder Amazon kommt. Im Kino schau ich so gut wie keine Filme mehr, DVDs und BlueRay kaufe ich genauso selten. Bis ich den Film also sehe, können Jahre vergehen
    • Namre Suchendo
      Beitrag gelöscht. @ Namre Suchendo: Deine zwei einzigen Beiträge auf FILMSTARTS bestanden daraus, allen Usern den Mega-Twist des Films zu verraten. Das ist nicht sehr nett. Wir bitten um konstruktive Diskussionen.
    • Christoph Petersen
      Da war das aber das Marketing. Und Mogelpackung hat ja auch eine negative Konnotation. Hier ist das ja Teil des Konzepts, weil es im Film selbst diesen Twist gibt. Das sind völlig verschiedene Dinge.
    • HalJordan
      Filme, die in gewisser Weise eine Mogelpackung darstellen, gab es schon zur Genüge. Ich weiß gar nicht, warum hier so einen Wind gemacht wird.Ein prominentes Beispiel ist Inside Man mit Clive Owen und Denzel Washington. Ich kann mich noch sehr gut an die Trailer zu diesem Streifen erinnern. Nicht wenige Leute erwarteten hier einen knallharten und kompromisslosen Thriller. Das Endprodukt war das genaue Gegenteil.Übrigens ist der deutsche Titel Im Netz der Versuchung wieder die reinste Lachnummer.Ich werde den Film sichten, sobald er auf Netflix zu sehen ist. Allein schon aufgrund des Casts werde ich das sicher nicht bereuen.
    • natchan
      weil er oben gelesen hat, dass der trailer mit dem eigentlich film einfach nichts zu tun hat?
    • John Morgan
      Aus einem 0815 Thriller den es so oder so ähnlich schon zig mal gab, wird ein völlig einzigartiger Film, das verdient absolut Respekt. Schade dass der Film selbst einige Probleme hat. Aber mir wäre es dennoch wesentlich lieber gewesen wenn der Film erfolgreich wäre, denn das würde den Mut zu Neuem bei Filmemachern vielleicht etwas erhöhen.
    • MaxPowers
      dieser Film ist eine einzige Beleidigung, durch den Twist hat rein gar nix mehr Sinn gemacht
    • greekfreak
      Ich konnte mich auch nicht halten und habe den Twist gegoogelt.Crom`s Balls,war Stephen Knight auf Mushrooms,als er das geschrieben hat?! Und dabei ist Peaky Blinders so eine grossartige Serie.*facepalm*
    • pil
      Sieht doch super aus.
    • jimbob
      Wenn dich das angesprochen hat, wieso zum Geier lässt du dich dann spoilern? So kann man einem Film natürlich auch jegliche Chancen nehmen.
    • Dennis Beck
      Ich habe mal aus Neugier recherchiert. Wow, der Twist ist Mist. Zu abgefahren, um da mitzugehen.
    • Kein_Gast
      Mir ging es genauso. Ich musste einfach wissen um was es geht. Nur bin ich nicht so euphorisch wie du... Das liest sich tatsächlich nach totalen Quatsch. Weiß nicht wie ich reagiert hätte.... Mich hat der Trailer und die Inhaltsangabe wirklich angesprochen. Das ist jetzt verflogen...
    • Christoph Petersen
      Ich habe beim Schreiben des Satzes ehrlich gesagt eher was in Richtung Turnen, Reck und so im Hinterkopf gehabt... tut mir leid, dich da enttäuschen zu müssen, aber natürlich darfst du aus meinen Texten eh herauslesen, was du magst.Liebe Grüße,Christoph
    • Phil
      Eine Skisprung-Analogie im Fazit? Respect!
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