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Der unverhoffte Charme des Geldes
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Der unverhoffte Charme des Geldes

Geldwäsche für Anfänger

Von Oliver Kube
Es gibt zahllose Fälle, in denen ausländische Filme in Deutschland mit grandios schlechten, oft völlig sinnentleerten deutschen Titeln in die hiesigen Kinos kamen. Denys ArcandsDer unverhoffte Charme des Geldes“ ist ein erfreuliches Gegenbeispiel, denn hier ist die drastische Umbenennung tatsächlich durchdacht. Schließlich umschreibt der Titel der Synchronfassung die verspielte Attitüde des Werks viel besser als der frankokanadische Originaltitel „La Chute De L'empire Américain“ (auf Deutsch: „Der Fall des amerikanischen Imperiums“), eine Anspielung auf Arcands oscarnominierten Klassiker „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ von 1986. Zumal beide Filme außer dem Regisseur ohnehin so gut wie nichts verbindet und der französische Titel etwas verspricht, das weder inhaltlich und schon gar nicht in Sachen Umsetzung und Stimmung gehalten werden kann oder soll. Die Handlung bringt zwar am Rande eine ernstgemeinte Gesellschafts- beziehungsweise Kapitalismuskritik mit an. Sie weist zudem durchaus berührend auf das stetig wachsende Problem der steigenden Obdachlosenzahlen - speziell unter den Nachkommen der nordamerikanischen Ureinwohner und der Inuit-Bevölkerung - in der frankokanadischen Provinz Quebec hin. Im Kern handelt es sich bei „Der unverhoffte Charme des Geldes“ allerdings um eine meist sympathisch lockere, clever geschriebene sowie mit spürbarem Engagement und Freude gespielte Indie-Krimikomödie.

Der in Montreal lebende Pierre-Paul (Alexandre Landry) ist jung und hochintelligent. Er hat Philosophie studiert, aber was das praktische Dasein angeht, ist er ein echter Verlierertyp und muss sich deshalb als Paketfahrer durchschlagen. Dabei wird er eines Tages zufällig Zeuge einer Auseinandersetzung rivalisierender Gangster. Plötzlich liegen nicht nur einige Leichen, sondern auch zwei riesige Säcke voller Banknoten zu seinen Füßen. Geistesgegenwärtig verstaut er diese in seinem Lieferwagen, bevor die Polizei anrücken und sie beschlagnahmen kann. Was soll er nun mit dem vielen Geld anfangen, ohne noch verdächtiger zu wirken, als er es für die Cops (Maxim Roy, Louis Morissette) und die Verbrecherbosse ohnehin schon ist? So versteckt er die Millionen vorerst und gibt davon nichts aus, bis auf ein paar Tausender für ein Escort-Mädchen. Natürlich verliebt sich der etwas weltfremde Pierre-Paul prompt unsterblich in die atemberaubend schöne Camille (Maripier Morin), die überraschenderweise ebenfalls nicht abgeneigt zu sein scheint. Durch sie erhält er Kontakt zu einem ihrer Klienten, einem Offshore-Banker der lokalen High Society (Pierre Curzi), der einen Weg aus der Zwickmühle eröffnen könnte ...

Camille verdreht Pierre-Paul den Kopf.


Nach dieser Inhaltsangabe scheint klar zu sein, wohin der Hase läuft, oder? Ist es aber nicht. Denn bis fast zum Ende bleibt das von Arcand („Die Invasion der Barbaren“) selbstverfasste Drehbuch unberechenbar und doch immer – zumindest im Rahmen einer solchen augenzwinkernden Räuberpistole – glaubwürdig. So beginnt alles mit einer herrlich simpel inszenierten Dialogszene zwischen dem von Alexandre Landry („Gabrielle - (K)eine ganz normale Liebe“) passend zurückgenommen und etwas neurotisch dargestellten Pierre-Paul und seiner innerhalb von Minuten zur Ex werdenden Freundin (Florence Longpré). Diese Sequenz hätte so oder so ähnlich auch von Woody Allen stammen können. Im weiteren Verlauf changiert das Ganze dann auf ungezwungene Weise zwischen einer leicht kitschigen Romanze à la „Pretty Woman“ und der Light-Version eines Ken-Loach-Sozialdramas, bevor es zu einem beinahe schon klassischen Heist-Movie mutiert.

Arcand lässt hier Charaktere aufeinandertreffen und kooperieren, bei denen es im regulären Leben ohne den Batzen Geld wohl kaum Berührungspunkte geben dürfte. Einerseits wäre da der ebenso gutmütige wie bis dato glücklose Protagonist: Der verbringt seinen Alltag mit ehrlicher Arbeit, und die paar sauer verdienten Dollars teilt er gern und selbstverständlich mit Bedürftigen wie dem finanziell unter die Räder gekommenen Jean Claude (Vincent Leclerc). Auf der anderen Seite stehen der Banker (Arcand-Dauerkollaborateur Pierre Curzi) und das von Newcomerin Maripier Morin tatsächlich zum Verlieben verkörperte Luxus-Callgirl, die beide eigentlich nur in höchsten Kreisen verkehren. Dazu kommen noch diverse Schwerverbrecher. Zu letzteren hat bis vor ein paar Jahren auch Sylvain gezählt, der ehemalige Boss einer kriminellen Biker-Gang. Das von Rémy Girard („Die Frau, die singt“) einfühlsam gespielte Raubein ist nun aber geläutert und hat im Knast Wirtschaft studiert. Über im Film witzig und flott illustrierte Umwege wird diese Nebenfigur nicht nur zu Pierre-Pauls Freund und Berater, sondern auch zu einer Art Gewissen und dem eigentlichen Helden der Story.

Pierre-Paul und sein Berater...


Wer kein Problem damit hat, dass „Der unverhoffte Charme des Geldes“ mit einem hin und wieder leider klar erkennbar kleinen Budget gedreht wurde, in Sachen Tempo arg wechselhaft sein kann und mehrfach wild bis fast schon harsch zwischen den Genres hin und her springt, wird hier prima unterhalten. Die Akteure wachsen dem Zuschauer überraschend schnell ans Herz. Dabei darf gern ein wenig nachgedacht und mitgefühlt, aufgrund der teils absurd anmutenden, aber niemals völlig unrealistischen Situationen zudem mehrfach ordentlich gelacht werden. Und als kleiner Bonus wird nebenher noch auf selbst für Laien gut und einfach verständliche Weise erklärt, wie man Schwarzgeld effizient waschen und an der Steuer vorbeischleusen kann. Leider muss dafür allerdings schon ein beträchtliches Sümmchen vorhanden sein, damit es funktioniert ...

Fazit: Eine sympathische, kleine Krimikomödie mit lockerem Charme und gelegentlichen Überraschungsausflügen in andere Genres.

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