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Rate Your Date
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Rate Your Date

#Vergeigt

Von Antje Wessels
Das Kino passt sich langsam dem Leben seiner Zuschauer an, die auch immer mehr Zeit damit verbringen, auf verschiedene Screens zu starren. Nachdem 2018 mit „Searching“ und „Unknown User 2: Dark Web“ gleich zwei Filme in den deutschen Kinos gestartet sind, die ausschließlich auf allen möglichen Handy- und Laptop-Bildschirmen spielen, wurden die verschiedenen Episoden der Ensemble-RomCom „Safari – Match Me If You Can“ durch eine Dating-App zusammengehalten. Eine solche App steht nun auch im Mittelpunkt der romantischen Komödie „Rate Your Date“. Aber auch wenn die Schauspieler bis in die letzte Szene hinein richtig Gas geben, bricht es dem Film das Genick, dass Regisseur David Dietl („Berlin Bouncer“) und seine Co-Autorin Kati Eyssen („Heute bin ich blond“) es eben nicht nur bei einer heiteren Liebesgeschichte belassen, sondern sich in der zweiten Hälfte auch noch an einer halbherzigen Technologiekritik versuchen.

Während Teresa (Alicia von Rittberg) jedes Wochenende einen anderen Typen kennenlernt, ist ihre beste Freundin Patricia (Nilam Farooq) als Single-Mama und Romantikerin nur noch an etwas Ernstem interessiert. Das bringt Teresa auf eine Idee: Sie will eine App entwickeln, mit der man sein Date nach einem Treffen mit Hashtags versehen und bewerten kann. Das soll die Nutzer des Programms vor gebrochenen Herzen und bösen Überraschungen bewahren. Bei dem neurotischen Informatiker Anton (Marc Benjamin) findet sie auch schnell die notwendigen technischen Fähigkeiten, sein aus reichem Hause stammender bester Freund Paul (Edin Hasanovic) steuert zudem das nötige Kleingeld bei. Nach nur wenigen Wochen geht die App bereits online. Fortan können die Nutzer von „Rate Your Date“ ihre Dates als #Crazybitch, #Heartbreaker, #Hinhalter, #Sextremist, #Pinguin oder #Missperfect kennzeichnen. Doch als den Kunden schließlich auch die Kreation eigener Bewertungskategorien ermöglicht wird, entwickelt sich die Dating-App immer mehr zu einer Mobbing-App...

Authentisches Start-up-Feeling auf dem Hausboot.


Die Komödie lässt sich qualitativ leicht in zwei Hälften teilen. Zu Beginn gefällt schon mal, dass die Figuren zur Abwechslung tatsächlich mal so sprechen, wie es moderne Erwachsene in ihrem Alter eben tun. Dabei profitiert „Rate Your Date“ massiv von seinem gut aufgelegten Ensemble: Alicia von Rittberg („Ballon“), Nilam Farrooq („Mein Blind Date mit dem Leben“), Edin Hasanovic („Nur Gott kann mich richten“) und Marc Benjamin („High Society“) spielen so engagiert auf, dass selbst die bisweilen klischeehafte Zeichnung ihrer Figuren, die einen Querschnitt durch die Generation der heute Zwanzig- bis Dreißigjährigen bilden, gar nicht groß negativ ins Gewicht fällt.

Es wird sich viel Zeit genommen, die vier Freunde beim Brainstorming und der Kreation der App zu zeigen, so versteht man dann auch, warum die Nutzer so sehr auf sie anspringen (wenn sonst in Filmen jemand plötzlich einen App-Erfolg feiert, fragt man sich ja meist, wer zum Teufel sich sowas eigentlich runtergeladen haben soll). Die sich während der Arbeit einstellenden Liebesverwicklungen verlaufen weitgehend genrekonform: Mann und Frau lernen sich kennen, sind eigentlich wie füreinander geschaffen, müssen aber erst noch ein großes Hindernis überwinden, ehe sie bis in alle Ewigkeit glücklich miteinander sein können. Der vorhersehbaren Dramaturgie zum Trotz ist zumindest das Funkensprühen zwischen den Darstellern glaubhaft. So bleibt man in der zweiten Hälfte zumindest an den romantischen Entwicklungen halbwegs interessiert, während alles, was mit der titelgebenden App zu tun hat, plötzlich in hanebüchene bis geradeheraus ärgerliche Bahnen abgleitet.

Alibi-Kritik, die sowieso keiner ernstnimmt


Es ist an sich ja lobenswert, dass die auf das „Menschen in Schubladen stecken“-Prinzip aufbauende App nicht bis zum Schluss als Universallösung für Liebe suchende Großstadtsingles verkauft wird. Doch der Versuch, dem Film auch eine gewisse gesellschafts- und technologiekritische Relevanz zu verleihen, wenn die schöne heile Online-Dating-Welt sukzessive aus dem Ruder läuft, geht leider schon deshalb nicht auf, weil sie einfach viel zu halbherzig und alibihaft vorgetragen wird. Denn „Rate Your Date“ bleibt auch in der zweiten Hälfte in den typischen Inszenierungsmustern einer Komödie verhaftet. Der heitere Ton bleibt ebenso bestehen wie die helle, von Sonnenuntergängen durchzogene Bildsprache und die konstante Verwendung gefälliger Popsongs. Auf der inszenatorischen Ebene erweckt absolut nichts den Eindruck, dass der Versuch, mithilfe einer App die Dating-Welt zu verändern, gerade volle Kanne schiefläuft.

Stattdessen soll es ausreichen, dass sich eine etwas beleibtere junge Frau, die zufällig auch noch eine gute Freundin von Teresa ist, aufgrund von Beleidigungen in der App vom Balkon stürzen will, woraufhin in den Medien von einer „Mobbing-App“ geschrieben wird. Ernsthafte Auswirkungen auf die Entwickler selbst haben diese Entwicklungen übrigens nicht. Stattdessen programmieren sie einfach eine zweite App, über die sich zwei Menschen wiederfinden können, die sich zufällig auf der Straße gesehen haben (so etwas wie „Spotted“ mit Livetracking). Dass es sich damit aber auch sehr gut stalken ließe, interessiert bei diesem zweifelhaften Happy End dann aber wiederum niemanden.

Fazit: „Rate Your Date“ beginnt zwar als charmante Großstadt-Dating-Komödie, enttäuscht dann aber mit einer halbgaren Technologiekritik, die nicht mal die Filmemacher selbst sonderlich ernst zu nehmen scheinen.

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