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    Geht mir weg mit "Vertigo", "Citizen Kane" oder den besten Filmen aller Zeiten: Darum müssen All-Time-Listen persönlich sein
    Stefan Geisler
    Stefan Geisler
    -Redakteur
    Stefan liebt Film. Er vermisst die wöchentlichen Besuche in der Videothek, denn das ziellose Umherirren in den Gängen hat ihm Seherfahrungen wie "Donnie Darko" oder "Fear and Loathing in Las Vegas" beschert.

    Filmlisten können so viel mehr über den Ersteller verraten, als man es auf den ersten Blick annehmen würde. Doch nur, wenn man statt technischer Perfektion einen persönlichen Anstrich erlaubt. Dementsprechend der Appell: Gebt euren Listen ein Profil.

    Universal Pictures

    Die Idee zu diesem Artikel geht zurück in meine Master-Studienzeit im Bereich der Filmwissenschaft. In einem Seminar bei der Gast-Dozentin und Film-Journalistin Verena Lueken wurde mir und meinen Mitstudent*innen die Frage nach unseren Lieblingsfilmen gestellt. Bis zur nächsten Sitzung sollten wir unsere Top 10 festhalten und vorstellen. Eigentlich eine spannende Aufgabe, denn die Wahl der liebsten Filme kann viel über den Filmgeschmack und auch die Persönlichkeit eines Menschen verraten. Es gibt einen Grund, warum ich beim ersten Besuch bei neuen Bekannten mir zuallererst einmal die in der Wohnung befindliche Sammlung von Filmen (und anderen Medien) anschaue.

    Leider offenbarte sich die Vorstellung der gewählten Top-Filme als überaus dröge Veranstaltung: Immer wieder „Vertigo“, mindestens ein Film von Regie-Virtuose Stanley Kubrick und dann natürlich „Citizen Kane“ en masse. Die Bestenlisten von angehenden Filmwissenschaftler*innen sind eine wahre Schnarch-Veranstaltung und lesen sich größtenteils alle ähnlich – und das ist durchaus verständlich, denn immerhin möchten ja alle Seminar-Teilnehmer*innen zeigen, dass sie die großen Klassiker der Kino-Geschichte kennen und diese auch zu schätzen wissen. Da würde ein „Fast & Furious“ doch ziemlich aus der Reihe tanzen und eine solche Wahl wahrscheinlich einige schräge Blicke auf sich ziehen.

    Auch Klassiker haben ihren Platz

    Versteht mich nicht falsch, Klassiker haben in solchen Listen definitiv ihren Platz. Auch in meiner Top 10 findet sich mit ziemlicher Sicherheit ein Kubrick. Bei mir ist es wohl „2001: Odyssee im Weltraum“, dessen erste Ausgabe ich in Teenagerjahren bei meinem damaligen Friseur (der auch eine kleine Trödelecke in seinem Laden eingerichtet hatte) erworben habe. Bis heute hallen die Worte meiner Mutter in meinen Ohren, die mir dazu sagte: „Sehr langweiliger Film, aber kann man einmal gucken“. Seit diesem Tag habe ich den Film sicherlich dutzendfach gesehen, bin in das Schauburg Filmtheater nach Karlsruhe gefahren, um dort auf einer Cinerama-Leinwand eine historischen 70mm-Premierenkopie von Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ aus dem Jahr 1968 zu genießen und habe ein Seminar über diesen wundervollen Sci-Fi-Klassiker besucht.

    Dennoch müssen solche Liste Platz für Einfältigkeiten, Persönlichkeit und Geschichten lassen. Aus den Aufzählungen meiner Mitstudent*innen konnte ich allenfalls herauslesen, dass sich diese zumindest im Kern mit der Filmgeschichte auseinandergesetzt hatten und handwerkliches Können erkannten. Spannend macht dies eine Bestenliste noch lange nicht.

    All-Time-Listen müssen persönlich sein!

    Dementsprechend mein Appell: Traut euch, packt auf eure Listen auch ein paar Streifen, die euch ganz persönlich geprägt und euer Interesse an dem Medium maßgeblich mitbeeinflusst haben. Vielleicht habt ihr ja eine emotionale, ganz persönliche Verbindung zu einem Werk, ohne dass ihr den Film als wirklich handwerklich perfekt anseht. Habt keine Angst, dass sich ein anderer an eurer Auswahl stoßen könnte. Das schönste ist es doch, wenn diese zum Diskutieren einlädt. Und wenn eine solche Liste nicht letztlich ein Gespräch anregen soll, welchen Sinn besitzen solche Aufzählungen dann?

    Ein Film, der beispielsweise immer einen Platz auf meiner Liste bekommen wird, ist „König der Löwen“. Denn der Zeichentrick-Klassiker ist nicht nur meine erste Kino-Erfahrung (irgendwo in einem provisorischen Kinozelt auf Rügen), sondern auch meine erste Begegnung mit der emotionalen Macht der Flimmerbilder. Mufasas Tod hat mich als kleiner Knirps dermaßen aufgewühlt, dass wir die Vorstellung leider vorzeitig verlassen mussten. Bis heute hat sich dieses Erlebnis tief in meine Persönlichkeit eingebrannt und meinen Lebensweg maßgeblich mitgestaltet. Indirekt ist also Scar dafür verantwortlich, dass ich hier bei FILMSTARTS gelandet bin – und allein deshalb hat er sich einen Eintrag in meiner Top 10 redlich verdient.

    Und weil Listen so schön sind und das Thema es einfach anbietet, habe ich mir im Rahmen dieses Textes natürlich auch mal wieder Gedanken über meine aktuelle Top 10 gemacht:

    1. „2001: Odyssee im Weltraum“
    2. Donnie Darko
    3. Die Ritter der Kokosnuss
    4. Lost In Translation
    5. Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
    6. Tanz der Teufel 2
    7. Under The Skin
    8. Shoah
    9. Nosferatu
    10. „König der Löwen“
    Ich weigere mich seit Jahren den Director's Cut von "Donnie Darko" zu sehen - und das hat einen guten Grund
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