Das Remake eines absoluten Megahits!
Von Christoph PetersenMit „Der Rosenkrieg“ ist Regisseur Danny DeVito 1989 ein zeitloser Komödien-Klassiker gelungen – mehr als vier Millionen Kinobesucher*innen allein in Deutschland sorgten für Platz 5 der hiesigen Jahrescharts. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Warren Adler, lieferten sich Michael Douglas und Kathleen Turner einen erbitterten Scheidungskrieg, bei dem selbst das Urinieren auf ein piekfeines Fischgericht sowie ein Mordanschlag in der Sauna noch zu den harmloseren Attacken auf den jeweiligen Noch-Ehepartner zählen. Schließlich wird in der Erstverfilmung nicht mal vor den Haustieren Halt gemacht – selbst der Hund wird (vermeintlich) zur Feinkostpastete verarbeitet.
Das ist natürlich so gar nicht die feine Art – und deshalb stieß die Ankündigung, dass in der Neuauflage von „Meine Braut, ihr Vater und ich“-Regisseur Jay Roach ausgerechnet Benedict Cumberbatch („Doctor Strange“) und Olivia Colman („The Father“) die Hauptrolle spielen, zunächst auch auf einige Skepsis: Wirken der „Sherlock“-Star und die Oscar-Gewinnerin (für ihre Rolle als durchgeknallte Königin Anne in „The Favourite“) nicht eigentlich viel zu kultiviert, um sich – gemäß der Vorlage – glaubhaft an die Gurgel zu gehen?
Aber Pustekuchen! Ja, als britische Charakterköpfe kommen Benedict Cumberbatch und Olivia Colman im Gegensatz zu ihren amerikanischen Vorbildern ohne Monstertrucks aus, um ihrem heißblütigen Hass aufeinander Ausdruck zu verleihen.
Aber dafür beherrschen sie die hohe Kunst des passiv-aggressiven Seitenhiebs auf einem solch virtuosen Niveau, dass es eine pure Freude ist! Zudem gibt das Duo in der ersten Hälfte von „Die Rosenschlacht“ eines der glaub- und liebenswürdigsten Paare der RomCom-Geschichte ab – da wünscht man sich fast, sie würden sich einfach immer weiter vertragen. Aber eben auch nur fast – denn auf ihre Skalpell-scharfen Wortgefechte möchte man natürlich keinesfalls verzichten!
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Als sich der Architekt Theo (Benedict Cumberbatch) und die Köchin Ivy (Olivia Colman) in der Küche eines Londoner Restaurants zum ersten Mal begegnen, haben sie nicht nur nach wenigen Minuten in der Kühlkammer Sex. Theo entscheidet sich auch ganz spontan, mit Ivy gemeinsam in die USA umzusiedeln. In einer kleinen Küstenstadt führen die beiden einige Jahre später – mit inzwischen zwei Kindern – die perfekte Ehe: Er verwirklicht seine brillanten Visionen beim Bau eines lokalen Fischereimuseums; sie betreibt ein Hummer-Restaurant, das nur ein paar Abende pro Woche geöffnet hat und in das sich ohnehin nur wenige Gäste verirren.
Aber dann verändert ein schweres Unwetter alles: Theos architektonisches Meisterstück bricht in sich zusammen – und er wird durch ein Meme-Video auf YouTube zum Gespött seiner ganzen Zunft. Zeitgleich schreibt eine wegen des Sturms von der Autobahn umgeleitete Kritikerin einen Bericht über Ivys kleine Krabben-Bude, die daraufhin zu einem der angesagtesten Restaurants des Landes avanciert. Die Verhältnisse in der Beziehung sind buchstäblich über Nacht auf den Kopf gestellt – und das führt über die nächsten Jahre vor allem zu Verbitterung, die sich schließlich in der titelgebenden Scheidungsschlacht entlädt…
„Der Rosenkrieg“ ist einer dieser Filme, bei denen man sich schon fragt, ob sich Hollywood so etwas heutzutage überhaupt noch trauen würde. In dieser Hinsicht können wir jedoch – zumindest weitgehend – Entwarnung geben: Es wird zwar diesmal nicht auf den Fisch gepinkelt, aber dafür eine Warze vom Fuß in die Suppe gehobelt (persönlich finde ich das sogar fast noch unappetitlicher). Aber davon abgesehen ist „Die Rosenschlacht“ in der zweiten Hälfte kaum weniger bösartig, selbst wenn die Komödie insgesamt nicht ganz so physisch ausfällt (und keinerlei Haustiere verspeist werden). Was aber definitiv anders ist: Im Gegensatz zum zeitlosen „Der Rosenkrieg“ ist „Die Rosenschlacht“ ganz eindeutig ein Produkt unserer Zeit!
Im Buch und der ersten Verfilmung stellt Barbara Rose (Kathleen Turner) irgendwann plötzlich fest, dass sie ihren Mann nicht mehr liebt – und zwar durch die unerwarteten Glücksgefühle, die sie verspürt, als ihr Gatte mit einem vermeintlichen Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wird. In der Neuverfilmung wird der Bruch hingegen mit den verschobenen wirtschaftlichen Machtverhältnissen in der Beziehung ausführlich hergeleitet: Obwohl sich beide offensichtlich bis zum Schluss lieben, Theo sich sogar selbst immer wieder im Stillen sagt, „jetzt bloß kein Arsch zu sein“, können beide irgendwann nicht länger über ihren Schatten springen.
Disney und seine verbundenenen Unternehmen
So erhält „Die Rosenschlacht“ noch eine zusätzliche tragische Note, die es in „Der Rosenkrieg“ in dieser ausgeprägten Form noch nicht gab – gerade auch, weil die Chemie zwischen Olivia Colman und Benedict Cumberbatch in der ersten Hälfte dermaßen grandios ist: Wenn er direkt beim ersten spontanen Treffen fragt, ob er mit in die USA auswandern soll, hält sie ihm entgegen, dass sie ja noch nicht mal Sex gehabt hätten. „Aber das wäre ja in ein paar Minuten anders“, ergänzt er, woraufhin ihr nicht mehr bleibt, als zuzustimmen – und ab geht’s zum Schnackseln in die Kühlkammer.
Das absolute Selbstverständnis und das perfekt abgestimmte Timing der beiden Stars als Paar ist schlichtweg unerreicht – und das ändert sich auch nicht, wenn die ständigen (passiv-)aggressiven Kommentare zunehmend wie eine ätzende Säure in die Beziehung hineinträufeln. Die geschliffenen Oneliner treffen im Minutentakt ins Schwarze – und so wandelt sich „Die Rosenschlacht“ von voll romantisch über voll explosiv bis volle Kanne bösartig, ohne dabei je an Zielgenauigkeit einzubüßen.
Fazit: Benedict Cumberbatch und Olivia Colman sind schlichtweg grandios – sowohl als liebendes (Ehe-)Paar als auch als erbitterte Kontrahent*innen, die bei ihrem ganz persönlichen Rosenkrieg nach und nach jede britische Zurückhaltung über Bord werfen. Gnadenlos lustig und dabei auch noch überraschend berührend.