All das Ungesagte zwischen uns - Regretting You
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
All das Ungesagte zwischen uns - Regretting You

Ein Schicksalsschlag nach dem anderen

Von Kamil Moll

Den allerbesten Einfall hat „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ bereits in den ersten Filmsekunden: Während Chris (Scott Eastwood), Jonah (Dave Franco) und Morgan (Allison Williams) mit ihrer kleine Schwester Jenny (Willa Fitzgerald) im Schlepptau auf dem Weg zu ihrer Highschool-Abschlussparty in einer Kleinstadt in North Carolina sind, kündigt die Stimme eines Radiomoderators „When You Were Young“ von The Killers als den Sommerhit des Jahres an. Griffiger als mit dem sentimentalen Pomp dieses Liedes ließe sich die Zeit der mittleren Nullerjahre wohl kaum evozieren – zunächst viele Jahre ein nervtötender Dauerbrenner in Radio-Playlists und heute, fast zwei Jahrzehnte später, nur noch die nostalgische Go-to-Karaokewahl für ältliche Millennials.

Um Rückschau und Bedauern dreht sich auch der Film in den folgenden zwei Stunden noch ausführlich, indem er nach der Auftaktsequenz einen zeitlichen Sprung von 17 Jahren in unsere Gegenwart macht. Zuvor werden jedoch noch die Grundsteine für das bevorstehende emotionale Unglück gelegt: Auch wenn sie mit Chris, dem beliebtesten Sportler der Schule, zusammen ist, ist Morgan eigentlich in Jonah verliebt. Zueinander finden die beiden gleichwohl selbst am Ende der Schulzeit nicht, denn Morgan wird schwanger und beschließt so, notgedrungen Chris zu heiraten. Jonah, der in einer Beziehung mit Jenny ist, verlässt daraufhin überstürzt die Stadt, um viele Jahre später reuevoll doch wieder zurückzukehren und auf der Trauerfeier seines Vaters Jenny zu schwängern.

Morgan (Alison Williams) und Jonah (Dave Franco) sind seit der Schulzeit heimlich ineinander verliebt – doch ihr Glück steht unter keinem guten Stern... Constantin Film Verleih / Paramount Pictures
Morgan (Alison Williams) und Jonah (Dave Franco) sind seit der Schulzeit heimlich ineinander verliebt – doch ihr Glück steht unter keinem guten Stern...

Zugegeben: Man gerät schnell etwas ins Schwimmen, will man auch nur die ersten 15 Minuten von „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ nacherzählen. Eigensinnig verwinkelt und nicht immer plausibel hyperdramatisch reihen sich Beziehungswirrwarr und Schicksalsschläge in schneller Folge aneinander. Spoiler lassen sich dabei kaum vermeiden, da in nahezu jedem Moment etwas passiert, das weitreichende Konsequenzen nach sich zieht und schnell wieder vom nächsten Ereignis überholt wird.

Zu verdanken ist diese erzählerische Methode Autorin Colleen Hoover, auf deren Bestseller-Vorlage der Film basiert. Seit dem letztjährigen Erfolg von „Nur noch ein einziges Mal – It Ends With Us“, einer Verfilmung ihres bislang populärsten Romans, sind die Bücher Hoovers nun gefragtes Rohmaterial für Filmadaptionen. „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ scheint dabei aber offensichtlich nicht zu ihren bestkonstruierten Werken zu gehören.

Erwachsene, die sich wie 12-Jährige benehmen

Schlichtweg zu verschraubt dreht sich dafür die Story immer weiter und weiter. Als Jonah und Morgan gleichzeitig die Nachricht von einem jähen Autounfall ihrer jeweiligen Partner bekommen, müssen sie erkennen, dass sie nicht die Einzigen waren, die geheime Gefühle füreinander hegten: Viele Jahre lang hatten Chris und Jenny eine Affäre miteinander. Und dann wäre da noch Morgans Tochter Claire (Mckenna Grace), mittlerweile im Teenageralter und alsbald verliebt in Miller (Mason Thames), der eigentlich noch in einer festen Beziehung steckt, aber auch sonst nicht sonderlich hoch in Morgans Gunst steht, weil sein Vater wegen Drogenhandels im Gefängnis einsitzt …

„Finde deine Leidenschaft“, rät in einer Szene die Tochter ihrer Mutter, als sie ein Moodboard mit zu erreichenden Lebenszielen bastelt. Ein Motto, das der Film in etwa so oft ausspricht und wiederholt, wie die Erkenntnis, dass jede der Figuren ein Anrecht auf Glück hat. Arg unentschieden bewegt sich die Geschichte dabei zwischen Teenager-Gefühlschaos und Midlife-Krisen von Erwachsenen, die sich in ihrer Entscheidungsfindung bestenfalls wie 12-Jährige benehmen …

Morgan hat Chris (Scott Eastwood) nur notgedrungen geheiratet, weil sie schwanger war – eigentlich schlägt ihr Herz noch immer für einen anderen... Constantin Film Verleih / Paramount Pictures
Morgan hat Chris (Scott Eastwood) nur notgedrungen geheiratet, weil sie schwanger war – eigentlich schlägt ihr Herz noch immer für einen anderen...

… was aber nicht heißt, dass der Film sich dessen nicht durchaus bewusst ist und dadurch letztlich doch recht viel Spaß bereiten kann. Dafür ist „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“-Regisseur Josh Boone schlichtweg zu geübt im leichtgängigen Inszenieren allzu schwerblütig verstiegener Dramenstoffe. Und auch die Schauspieler*innen scheinen sichtbar Freude an den Seifenoper-Schicksalen ihrer Figuren gehabt zu haben – insbesondere Dave Franco, der zu Beginn des Films selbst einen Teenager noch mit dem griesgrämigen Vibe eines geschiedenen Vaters spielt.

Darin erinnert der Film immer wieder nicht von ungefähr an die Filme der „After“-Reihe (deren Buchautorin Anna Todd hier eine der Produzent*innen ist), für die bereits galt, was man nun auch „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ bescheinigen kann: Solange ernstzunehmende Melodramen im gegenwärtigen Hollywoodkino auch weiterhin eine Seltenheit bleiben, ist eine solche beherzt kurzweilige Schmonzette immerhin die nächstbeste Alternative.

Fazit: „All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You“ ist überladen, überdramatisiert und emotional völlig überkonstruiert – und macht dabei dennoch reichlich viel Spaß. Zwar verliert sich die Adaption von Colleen Hoovers Romanvorlage in einem kaum überschaubaren Netz aus Liebesdreiecken, Schicksalsschlägen und moralischen Lebensweisheiten, doch Regisseur Josh Boone inszeniert das seifenoperhafte Chaos mit gewohnt viel Routine und Tempo.

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