Oh la la 2 - Neue Tests, neues Chaos
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Oh la la 2 - Neue Tests, neues Chaos

Höheres Tempo, weniger Gags

Von Gaby Sikorski

Die beiden Stars Christian Clavier („Monsieur Claude und seine Töchter“) und Didier Bourdon („Die progressiven Nostalgiker“) kennen sich gut – und sie sind so etwas wie das französische Komik-Traumpaar, zumindest seit sie gemeinsam um das Jahr 2010 herum im Erfolgsmusical „Ein Käfig voller Narren“ als George und Zaza auf der Bühne standen. Die in Frankreich legendäre Aufführung (über 300 Vorstellungen!) wurde auch fürs Fernsehen adaptiert und erlangte auf diese Weise große Bekanntheit. Mit „Oh la la – Wer ahnt denn sowas?“ stand das Duo 2024 erstmals gemeinsam vor der Filmkamera – und nur zwei Jahre später kommt mit „Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos“ die (erwartete) Fortsetzung ins Kino:

Die beiden jeweils auf ihre Weise erzkonservativen und chauvinistischen Patriarchen, der adlige Snob Frédéric (Christian Clavier) und der prollige Autohändler Gérard (Didier Bourdon), haben sich inzwischen damit abgefunden, dass sie Cherokee-Vorfahren (Frédéric) bzw. einen deutschen Vater haben (Gérard). Zur Sicherheit schließen sie auf Anweisung ihrer beiden Ehefrauen und ihrer Kinder zwecks möglichst harmonischer Vorbereitung der bevorstehenden Hochzeit von Gérards Sohn François (Julien Pestel) und Frédérics Tochter Alice (Chloé Coulloud) eine Art Nichtangriffspakt. „Auf eine Hochzeit ohne Probleme oder Streit!“, so der optimistische Trinkspruch. Doch dieser Wunsch entpuppt sich schon bald als bloßes Wunschdenken...

Die Vorbereitungen für die Hochzeit ihrer Kinder laufen auf Hochtouren. Können sich die Streithähne Frédéric (Christian Clavier) und Gérard (Didier Bourdon) diesmal zusammenreißen? Weltkino Filmverleih
Die Vorbereitungen für die Hochzeit ihrer Kinder laufen auf Hochtouren. Können sich die Streithähne Frédéric (Christian Clavier) und Gérard (Didier Bourdon) diesmal zusammenreißen?

Die erste Herausforderung: Nicole (Sylvie Testud), Gérards Ehefrau, mag keinen Bordeaux. Ein Affront! Schließlich produziert Frédéric auf seinem Château zwar keinen Lafite, aber immerhin einen Grand Cru, auf den er sehr stolz ist. Die drohende Eskalation kann gerade noch rechtzeitig abgewendet werden. Doch dann bringt ein neuer DNA-Test alles durcheinander: Frédéric entdeckt einen türkischen Cousin und erfährt, dass er genetisch zu 85 Prozent Türke ist – von der Grande Nation bleibt kein einziges Prozentchen mehr übrig. Auch Gérards bisherige Gewissheiten geraten ins Wanken: Wie Frédéric ist er plötzlich zu 0,0 Prozent Franzose – stattdessen soll sein Vater Deutscher und seine Mutter Algerierin gewesen sein.

Während die Frauen in den Hochzeitsvorbereitungen aufgehen und sich von dem unerwartet aufgetauchten Mehmet charmieren lassen, der Frédéric nicht ganz zufällig zum Verwechseln ähnlich sieht, stürzen ihre Ehemänner in eine immer tiefere Identitätskrise. Die Gattinnen setzen sie kurzerhand vor die Tür – aus Frédéric und Gérard wird eine Männer-WG. Dass die beiden allein mit ihrem Weltschmerz keine gute Kombination sind, versteht sich von selbst.

Schneller, aber leider nicht lustiger

Nach dem Erfolg des ersten Teils hat Julien Hervé den zweiten Teil wieder selbst geschrieben und inszeniert. Das Geheimnis des Serienerfolgs bewährt sich auch hier: Am besten nimmt man das Erfolgsrezept und macht den gleichen Film noch einmal, mit ein, zwei Variationen und hier und da ein paar neuen Twists und Gags. Tatsächlich legt Hervé eine Schippe drauf, was das reine Komödienhandwerk betrifft: Teil 2 ist dank eines flotten Filmschnitts mit kurzen Szenen und vielen Schauplatzwechseln noch boulevardesker. Da heißt es aufpassen, um keinen Gag zu verpassen - sollte man zumindest denken. Aber leider ist die Gagdichte nicht allzu hoch, und tatsächlich werden vor allem unzählige lose Handlungsfäden ausgelegt, die später nicht mehr aufgenommen, geschweige denn verknüpft werden.

Das gilt für die Selbsthilfegruppe, in der sich Gérard anmeldet, für seine Auswanderungspläne sowie für die portugiesische Connection, die im Zusammenhang mit Frédérics Ehefrau Catherine (Marianne Denicourt) und ihrem DNA-Test aus Teil 1 steht. Leider bleibt Julien Hervé aber auch seinen Drehbuchfehlern treu: Das Brautpaar ist immer noch blass, wobei Julien Pestel – wie im ersten Teil – im Grunde überhaupt nichts zu tun hat. Frédérics Ehefrau Catherine wiederum muss sich in ihrer Präsenz auf ein Dauerlächeln beschränken. Die kleinen Rollen in den Nebenhandlungen sind wieder bestenfalls Karikaturen, von denen die Englischlehrerin besonders unangenehm hervorsticht. Immerhin kann Sylvie Testud, die eigentlich eine tolle Komödiantin ist, als anglophiles Dummerle ihren Spezialgag – „Fuck you“ statt „Thank you“ – ein paar Mal unterbringen, bleibt aber ansonsten ebenfalls unterbeschäftigt.

Gérards Ehefrau Nicole (Sylvie Testud) mag keinen Bordeaux – und sorgt damit für den ersten Eklat! Weltkino Filmverleih
Gérards Ehefrau Nicole (Sylvie Testud) mag keinen Bordeaux – und sorgt damit für den ersten Eklat!

Da diesmal das ganz große Gag-Feuerwerk in Gestalt von Konfrontationen zwischen Frédéric und Gérard ausbleibt, weil sich die beiden im Wesentlichen einig sind – viel zu einig für eine Komödie! –, gibt es deutlich weniger zu lachen, auch wenn die beiden Stars sich redlich bemühen. Offenbar hat sich Hervé diesmal um einen grundsätzlich versöhnlichen Ton bemüht und hält sich mit Stammtischwitzen eher zurück. Das Thema Nationalismus als übertriebene Liebe zum eigenen Land sowie die – freundlich gesagt – Skepsis gegenüber dem Rest der Welt werden insgesamt weniger gründlich durch den Kakao gezogen. Ob die Ironie dahinter jetzt noch von allen verstanden wird, ist dabei mehr als fraglich.

Fazit: Der liebevoll gemachte Vorspann und der Schluss als kleine Hommage an „Ein Käfig voller Narren“ sind beinahe das Beste an dieser Boulevardkomödie, die lediglich die Erfolgsmasche des ersten Teils wiederholt, allerdings ohne jeglichen Biss. Es wäre den beiden Vollblutkomikern Clavier und Bourdon zu gönnen, dass sie dann im erwarteten dritten Teil („Oh la la – Jetzt mit Schwangerschaftstest!“) wieder so richtig auf die Pauke hauen können.

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