Amsterdamned II - Verfluchtes Amsterdam
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Amsterdamned II - Verfluchtes Amsterdam

Die (späte) Rückkehr eines absoluten Kult-Killers!

Von Christoph Petersen

Gladiator II“ nach 24 Jahren, „Der Prinz aus Zamunda 2“ nach 33 Jahren und „Top Gun: Maverick“ sogar erst nach 36 Jahren! Späte Sequels sind nicht nur in Hollywood schwer in Mode, seit einigen Jahren springt auch Europa zunehmend auf den Trend auf. Hierzulande avancierte etwa „Das Kanu des Manitu“ als erste deutsche IMAX-Produktion zum zweitmeistgesehenen Kinostart des Jahres – und im dänischen „Nightwatch 2“ wurde ein psychopathischer Schlitzer pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum des Originals wieder aufgetaut. Im Fall von „Amsterdamned II – Verfluchtes Amsterdam“ kommt nun beides zusammen – eine gewaltige Leinwand und eine mörderische Rückkehr: Im ersten niederländischen IMAX-Film taucht ein eigentlich ausgeschaltet geglaubter Serienkiller nach 37 Jahren wieder aus den blutgefüllten Grachten der titelgebenden Hauptstadt auf.

Verfluchtes Amsterdam“ (so die deutsche Titelübersetzung) aus dem Jahr 1988 zählt ohne Frage zu den uneingeschränkten Kultwerken des (europäischen) Genrekinos! Der Film von „Fahrstuhl des Grauens“-Mastermind Dick Maas ist schließlich kein Slasher von der Stange, sondern begeistert auch heute noch mit ganz individuellen Qualitäten: So ist „Verfluchtes Amsterdam“ längst nicht nur aufgrund des durch die Kanäle tauchenden Killers voll auf seinen Schauplatz zugeschnitten. Außerdem begeistert der staubtrocken-böse Humor, wenn etwa die erste, von einer Brücke baumelnde Leiche ausgerechnet in einem Ausflugsboot mit einer Pfadfinder-Truppe landet. Und dann gibt es noch die unvergesslich-spektakuläre Motorboot-Verfolgungsjagd durch die engen Grachten, die man genau so auch in jedem Bond-Film hätte verwenden können. „Amsterdamned II“ verlässt sich nun zwar etwas zu sehr auf die nostalgische Erinnerung an das Original – macht als augenzwinkernder Horror-Thriller aber dennoch Laune.

Huub Stapel nimmt es als Top-Ermittler Eric Visser auch in der Fortsetzung wieder mit einem tauchenden Serienkiller auf! Splendid Film
Huub Stapel nimmt es als Top-Ermittler Eric Visser auch in der Fortsetzung wieder mit einem tauchenden Serienkiller auf!

Nach seiner Pensionierung ist Eric Visser (Huub Stapel) aus der Hauptstadt ins beschaulichere Limburg umgezogen, wo er allerdings im Supermarkt an vegetarischen Schnitzeln und auf dem Parkplatz an aggressiven Halbstarken verzweifelt. Eine Rückkehr in die alte Heimat steht jedoch kurz bevor: Schon in einer Woche soll ihm eine Ehrenmedaille für seine langjährigen Verdienste als Polizist verliehen werden. Aber bevor es dazu kommt, gibt es gleich zwei schlechte Nachrichten:

Zum einen erschüttert eine neue Mordserie Amsterdam – und die zuständige Ermittlerin Tara Lee (Holly Mae Brood) kommt schnell zu dem Schluss, dass auch diesmal wieder ein tauchender Serienkiller für die Taten verantwortlich zu sein scheint. Aber fast noch schlimmer für Visser: Neue DNA-Proben haben ergeben, dass er vor 37 Jahren offenbar den falschen Täter (einen durch chemische Giftabfälle verunstalteten Berufstaucher, der sich mit einem Harpunenschuss durch den Kopf selbst richtete) an der Angel hatte...

Man sollte Teil 1 noch möglichst gut im Kopf haben

Die ersten zehn Minuten von „Verfluchtes Amsterdam“, in denen wir aus den Augen des Killers sehen, wie er auf der Suche nach seinem ersten Opfer an verschiedenen Stellen der Stadt auftaucht, zählen auf einem Level mit „Halloween“ und „Scream“ zu den großartigen Eröffnungsszenen des Slasher-Kinos. „Amsterdamned II“ hingegen beginnt mit einem Drohnenflug über die nächtliche Stadt, der verdächtig nach KI (oder schlechtem CGI) aussieht und so gar nichts von der rau-dreckigen Authentizität des Originals ausstrahlt. Da bekommt man kurz Angst – und zwar nicht vor dem Killer! (Regisseur Dick Maas war beim Lesen unserer Kritik an dieser Stelle übrigens besonders sauer, wie er uns im Interview verraten hat.) Doch dann kriegt „Amsterdamned II“ mit der Vorstellung der ersten Opfer zum Glück direkt die Kurve: Das amerikanische Touristenpaar will schon am nächsten Tag direkt weiter nach Dubai – auch weil die Häuser hier alle so krumm und schief sind.

Ein bissiger Seitenhieb auf das heutige Verhältnis der Stadt zum Tourismus – schließlich will die lokale Regierung inzwischen nicht mehr, sondern weniger Besucher nach Amsterdam locken! Natürlich ist es auch diesmal wieder ein Grachten-Dampfer, dessen Gäste die Leichen als Erstes erspähen – und die Art und Weise, wie dies geschieht, ist eine ebenso überraschende wie gelungene Variation der entsprechenden Szene im Original. Sowieso hilft es sehr, „Verfluchtes Amsterdam“ noch möglichst frisch im Gedächtnis zu haben, denn auch viele weitere Sequenzen aus „Amsterdamned II“ funktionieren vor allem im Dialog mit den entsprechenden Vorbild-Momenten aus dem ersten Teil.

Der Grachten-Killer meuchelt seine Opfer nicht nur, er macht auch gern eine spektakuläre Show daraus! Splendid Film
Der Grachten-Killer meuchelt seine Opfer nicht nur, er macht auch gern eine spektakuläre Show daraus!

Huub Stapel hat in den vergangenen 37 Jahren kaum an Charme eingebüßt – auch wenn die Alter-weißer-Mann-Pointen um vegetarische Steaks selbst nicht mehr ganz taufrisch wirken. An seiner Seite gibt Holly Mae Brood („Da waren's nur noch zwei“) eine überzeugende Badass-Ermittlerin, die allerdings vor allem über die Beziehung zu ihrer unter häuslicher Gewalt leidenden Schwester charakterisiert wird. Dummerweise hat der ganze Schwestern-Subplot so gar nichts mit der übrigen Handlung zu tun – und auch Eric Visser ist gerade im Mittelteil so sehr damit beschäftigt, alte Bekannte aus dem Original zu treffen, dass der neue Killer-Plot eine ganze Zeit lang eher nebenbei auf Sparflamme vor sich hin köchelt.

Aber keine Sorge, die erhofften (Slasher-)Schauwerte gibt es natürlich trotzdem. Da werden Opfer mit heraushängenden Gedärmen als Galionsfigur zweckentfremdet – und nachdem man zwischendurch schon befürchtet hat, dass sich die Motorboot-Sequenz aus „Amsterdamned“ allein schon deshalb nicht mehr neu auflegen lässt, weil die Stadtverantwortlichen heutzutage die entsprechenden Genehmigungen gar nicht mehr herausrücken würden, kommen im weiteren Verlauf auch Verfolgungsjagd-Fans auf ihre Kosten. Wenn im Finale sogar die Armee anrückt, geht es vielleicht sogar etwas sehr in Richtung Action-Spektakel, aber da musste „Amsterdamned II“ als erste IMAX-Produktion der niederländischen Filmgeschichte wohl auch einfach etwas mehr Gas geben – und weniger enttäuschend als in „Scream 7“ ist die Killer-Auflösung ohnehin allemal.

Fazit: Wieder ein bitterböser Slasher-Spaß, der sich allerdings etwas zu sehr auf die Verbindungen zum kultigen Original verlässt, statt einen eigenen spannenden Serienkiller-Fall zu entwickeln.

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