You, Me & Italy
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
You, Me & Italy

Verfilmter Groschenroman mit viel Sonne und wenig Reiz.

Von Gaby Sikorski

Solche betont kitschigen, beabsichtigt seichten Filme wie „You, Me & Italy“ kommen (leider) kaum noch ins Kino, sondern landen in der Regel direkt im Streaming oder bei spezialisierten TV-Sendern wie Hallmark. Deshalb drückt man auch besonders die Daumen, wenn es doch mal einer auf die große Leinwand schafft – zumal, wenn er mit Halle Bailey („Arielle, die Meerjungfrau“) und Regé-Jean Page („Bridgerton“) so prominent (und attraktiv) besetzt ist wie dieser Italien-Trip von „Marry Me“-Regisseurin Kat Coiro. Aber das sonnendurchflutet-hochglänzende Romantik-Märchen wirkt einigermaßen lieblos heruntergedreht, in zwar knalligen Farben, aber mit einer platten Geschichte, die auch aus einem moralinsauren Gartenlaube-Roman aus dem beginnenden 20. Jahrhundert stammen könnte:

Die New Yorkerin Anna (Halle Bailey) hat aus familiären Gründen eine vielversprechende Ausbildung zur Köchin aufgegeben und schlägt sich seitdem mehr schlecht als recht als House-Sitterin durch. Dabei bedient sie sich immer wieder auch am Kühlschrank ihrer Kundschaft – und wird deshalb von den Superreichen schnell wieder vor die Tür gesetzt. Kurz vor der endgültigen Verzweiflung trifft Anna auf den gutaussehenden Matteo (Lorenzo de Moor), einen wohlhabenden, liebenswürdigen Italiener, der auf der Flucht vor seiner Familie in New York gelandet ist. Ihre Blicke treffen sich, aber bevor es zum Äußersten kommt, ist Matteo eingeschlafen. Anna entwickelt stattdessen einen eigenen Plan: Sie möchte den letzten Wunsch ihrer verstorbenen Mutter erfüllen und an ihrer Stelle nach Italien reisen …

Hätten sicher viel mehr drauf gehabt: Halle Bailey als Anna und Regé-Jean Page als Michael. Universal Pictures
Hätten sicher viel mehr drauf gehabt: Halle Bailey als Anna und Regé-Jean Page als Michael.

Eingebettet in die reizvolle Landschaft der Toskana mit ihren pittoresken Dörfern, sanften Hügeln und nur gelegentlich durchfahrenden Touristenbussen wird hier eine ebenso unglaubwürdige wie schlichte Story aufgebaut, in der vieles angedeutet, aber wenig ausgeführt wird. Alles steckt voller Klischees, dabei zugleich aber so brav und clean, wie es sich Eltern für ihre 12-jährigen Töchter wünschen, die vermutlich die Hauptzielgruppe darstellen. Natürlich schafft es Anna mit kleinem Gepäck, in das dafür aber erstaunlich viele hübsche Klamotten passen, nach Italien – und zwar direkt in das Städtchen, aus dem Matteo stammt. Sie findet auch sofort seine leerstehende Villa und zieht einfach ein. Als Matteos Mama und Großmutter auftauchen, gibt sich Anna als Verlobte des Verschollenen aus. Eine Notlüge, die auch deshalb zum Problem wird, weil sich Anna ganz schrecklich in Matteos aus England stammenden Stiefbruder Michael (Regé-Jean Page) verknallt.

Halle Bailey hätte wahrlich Besseres verdient als dieses Drehbuch, das von Fehlern und Zufällen nur so wimmelt, sich dabei ausschließlich auf bewährte Mittel verlässt und keine einzige Wendung bietet, die man genau so nicht schon Dutzende Male gesehen hat. Offenbar wollte man das Publikum vor allzu großen Überraschungen schützen, ebenso wie vor weiblicher Nacktheit. Aber nicht nur in Sachen Spießigkeit erinnert „You, Me & Italy“ an diverse 1950er-Jahre-Komödien wie „Es begann in Neapel“ mit Sophia Loren, in denen die Liebe in und zu Italien inklusive Dolce Vita, Musik und Spaghetti mit einem Maximum an Klischees zelebriert wurde. Diese finden sich hier ebenfalls reichlich: vom gutherzigen Taxifahrer über den Arien schmetternden Gärtner bis zur allzeit besorgten Mama und der bösen Ex – und natürlich wird nach Herzenslust gesungen, gegessen, getanzt und gefeiert.

„You, Me & Italy“ lässt wirklich kein Italien-Klischee aus. Universal Pictures
„You, Me & Italy“ lässt wirklich kein Italien-Klischee aus.

Dazu gibt es Bilder, die immer zuckrig wirken – so klebrig wie ein viel zu süßes Tiramisu. Und wenn das Skript mal wieder ins Stocken gerät, werden sinnfreie Drohnenaufnahmen der zugegeben herrlichen Landschaft eingestreut. Dabei spielt Halle Bailey mit souveräner Niedlichkeit eine junge, eigentlich ziemlich selbstbewusste Frau, die in Gegenwart ihres Angebeteten allerdings zur Tollpatschigkeit neigt. Ihr offenkundiges Empowerment als Schwarzes Mädchen ist einer von wenigen Pluspunkten in diesem Film.

Regé-Jean Page spielt als Michael aufmerksam den RomCom-Gegenpart und die beiden harmonieren tatsächlich recht gut, so dass man zumindest von einem Film träumen kann, in dem man ihnen viel mehr zugetraut hätte: ein paar windschnittige Dialoge zum Beispiel, oder hier und da mal ein paar trockene Screwball-Sprüche. Aber so bleibt außer plumpem Slapstick und ganz viel Spaghetti leider wenig übrig.

Fazit: Ziemlich brave und sterile Unterhaltung, bei der es vor allem darum geht, das attraktive Paar Regé-Jean Page und Halle Bailey in der bezaubernden toskanischen Hügellandschaft anzuhimmeln. Schöne Menschen, schöne Landschaft, schönes Wetter – aber leider kein schöner Film.

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