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    Nacho Libre
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Nacho Libre
    Von Nicole Kühn
    Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Bud Spencer und Terence Hill (Zwei sind nicht zu bremsen) weitgehend sinnfrei und stattdessen mit einer guten Prise Ironie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ schwingen durften. Wer hätte gedacht, dass diese Art von Komödie wieder auferstehen würde? Mit ebenso viel derbem Witz und handfesten Auseinandersetzungen wie damals schickt Jared Hess (Napoleon Dynamite) das ungleiche Paar Jack Black und Héctor Jiménez auf eine göttlich inspirierte Mission. Schauplatz ist neben einem christlichen Kloster und Waisenhaus der Boxring, in dem sich die beiden herzlich tollpatschig als Kampfsportler beim Lucha libre versuchen, der ungestümen mexikanischen Variante des Wrestlings. Außer Albernheiten und Plattitüden kommt bei der Hau-Drauf-Orgie nicht allzu viel herum.

    Das Leben Ignacios (Jack Black) spielt sich seit jeher in den Mauern eines Klosters ab, das zugleich Zuflucht für Waisenkinder ist. Bereits als Kind ob seiner phantasievollen Selbstüberschätzung zum Prügelknaben avanciert, erfüllt er diese Rolle auch noch als Erwachsener. Ziemlich unfähig in jeder Hinsicht hat er den Kindern doch etwas zu bieten, was sonst keiner ihnen hier gibt: Authentizität und Verständnis. Die Ereignisse kommen in Gang, als die ergreifend unschuldige Schwester Encarnation (engelssanft: Ana de la Reguera) in die Gemeinschaft kommt. Beflügelt von seiner entfachten Leidenschaft für die unberührbare Schöne fühlt er sich plötzlich zu Höherem berufen. Um den Kindern endlich anständige Mahlzeiten bieten zu können, muss die Finanzlage des Klosters entschieden verbessert werden. Der kürzeste Weg dorthin führt über den Ring! Als Trainingspartner gewinnt er den spindeldürren Kleinganoven Esqueleto (Héctor Jiménez) und beginnt, immer auf der Hut vor Entdeckung durch die geistlichen Brüder, sich auf seinen großen Sieg vorzubereiten. Die Niederlage des ersten Kampfes wird ihm versüßt durch eine nette kleine Summe Bares – schließlich sorgt der Kauz für beste Unterhaltung in der Arena. In himmelblauen Strumpfhosen, knallrotem Höschen und ebensolchen Stiefeln tritt er fortan als „Nacho libre“ auf, wie alle Luchadores inkognito unter seiner Maske. Bald jedoch erfüllt es ihn nicht mehr, Geld fürs Verlieren zu bekommen und sich davon schicke Klamotten zu kaufen. Er strebt nach den ganz großen Zielen und möchte den Meister der Luchadores, den gewaltigen Ramses, besiegen. Bis dorthin ist es jedoch ein langer Weg, auf dem Ignacio lernen muss, zu seinen Wünschen zu stehen und Verantwortung zu übernehmen.

    Jared Hess, der neben der Regie auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnet, baut ganz auf den infantilen Witz einer verspäteten Analphase. Fast die Hälfte des Films beschäftigt sich mit lautstarken Schlägereien, die phantasielos abgespult werden. Der Rest der Story ist schlecht abgekupfert von Vorlagen, die ebenfalls den Kampf für das christliche Gute auf unkonventionelle Weise führen und sich dabei in eine Dame des Herrn vergucken. Das dann immerhin mit einem gewissen Lausbuben-Charme, der sich bei Nacho in kindlich-unbeholfener Schwärmerei erschöpft. Wo das Duo Spencer/Hill durch seine irrsinnigen Einfälle und witziges Teamwork eine gewisse Ironie pflegte, bleibt Jack und Jiménez lediglich ihre Äußerlichkeit, die an „Dick und Doof“ erinnert. Die Dynamik, die sich bei den berühmten Paten der Filmgeschichte durch eine höchst unterschiedliche Charakterisierung der Partner ergibt, kann hier nicht entstehen, da beide auf dem gleichen Level mit den gleichen Mitteln agieren. Statt der schreiend komischen internen Streitereien anderer ungleicher Paare werden hier pathetische Reden von Freundschaft und dem Guten in dieser Welt geschwungen. Dabei nimmt sich der Film natürlich selbst nicht ernst, und genau das ist letztlich das Problem. Im Auftrag des Herrn waren auch schon andere Gesellen mit höchst fragwürdigen Methoden unterwegs, und sie waren deshalb erfolgreich, weil sie ihren Finger tatsächlich in Wunden gelegt und dabei die Wahnwitzigkeit bestimmter gesellschaftlicher Systeme offen gelegt haben. Wozu auch hier Gelegenheit gewesen wäre. Die Korruption des mexikanischen Massenentertainment verschwindet jedoch heimlich, still und leise, sobald sich der Held entschlossen hat, diesem System zu entsagen. Just darf wieder fröhlich mit eingestimmt werden in dieses Spektakel.

    Löblich immerhin die Tatsache, dass in Mexiko mit einem weitgehend einheimischen Team gedreht wurde. Umso bedauerlicher, dass außer der wunderbaren Landschaft kaum Charakteristika des Landes mit einfließen. Da wäre viel mehr an Komik herauszuholen gewesen, als durch die immer wieder abgespulten Lucha-libre-Kämpfe, die keine Spannung entwickeln und sich auf den dramatischen Moment verlassen, in dem einem der Streithähne die Maske vom Kopf gezogen wird, was als größte Schmach empfunden wird. Während die beiden männlichen Hauptdarsteller in Grimassen erstarren, rettet die schöne Ana de la Reguera das Ganze durch die wenigen Zwischentöne, die ihr ihre Rolle erlauben. Die Waisen, um die es ja nicht zuletzt geht, bleiben letztlich völlig blasse Figuren, die nichts zum Geschehen beitragen außer Auslöser zu sein. Lassen muss man dem Streifen, das er mit seiner skurrilen Mischung in keine Kategorie passt und insofern interessant ist. Spaß macht, dass Jack DEN Mann in Strumpfhosen, Superman, in dieser lateinamerikanischen Variante höchst albern auf den Arm nimmt.
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