„Into The Wild“ lässt mich etwas ambivalent zurück. Das Interessanteste an dem Film ist vielleicht die Entstehungsgeschichte, immerhin handelt es sich um eine wahre Geschichte, die Sean Penn wohl schon länger umsetzen wollte, aber es hat eine Weile gedauert, bis die Familie des echten Christopher McCandless ihr Einverständnis gegeben hat. Und so ist dem Film wohl sehr an Authentizität gelegen, was offensichtlich zulasten der Spannung und des Unterhaltungswerts gegangen ist. Denn am Ende, man muss es leider sagen, ist der Film doch ziemlich zäh und durch die inkohärente Vermischung mehrerer Zeitebenen auch verwirrend und wenig intuitiv erfahrbar. Es dauert eine Weile, bis man die einzelnen Episoden in eine strukturierte Aufeinanderfolge gebracht hat und immer wieder wird durch diese künstliche Verschachtelung der Erzählfluss erheblich gestört. Dadurch wirkt der Film doch ziemlich holprig, vor allem, wenn man die Geschichte nicht kennt, erschließt sich das Ganze nicht unmittelbar. Es bleibt auch unklar, wie lange Christopher an den verschiedenen Stationen seiner Reise verbracht hat, immerhin war er fast 2 Jahre unterwegs.
Und einige der Episoden sind auch tatsächlich ziemlich langweilig und schlichtweg uninteressant, da hilft es auch nicht, wenn die Handlung mehrfach wieder dorthin zurückspringt. Hinzu kommt noch, dass uns Christopher McCandless als ziemlich unsympathischer Typ präsentiert wird. Mehrfach lehnt er Hilfsangebote (aus Arroganz?) ab, oftmals hängt er auch geradezu wahnhaft an seinem Plan fest, entgegen aller Meinungen anderer. Und am Ende ist es doch auch ziemlich naiv, ohne vernünftige Vorbereitung und Ausrüstung mal ebenso nach Alaska aufbrechen zu wollen. Und ja, er hat wohl kein gutes Verhältnis zu seinen Eltern gehabt, aber einfach mal so über Nacht von der Bildfläche zu verschwinden und keinerlei Lebenszeichen von sich zu geben, ist schon ziemlich krass. Und auch in Emile Hirschs Interpretation dieses Menschen zeigt sich eher ein wenig sympathisches Bild. Ich sehe da auch keinen Idealisten mit großem Freiheitsdrang, sondern einen selbstsüchtigen, fast schon wahnhaft Besessenen, der völlig blauäugig und naiv einfach mal loszieht, um Abenteuer zu erleben.
Naja, wie auch immer, was der Film aber abseits der durchaus streitbaren Story zu bieten hat, sind fantastische Bilder! Nicht nur die Naturaufnahmen sind grandios, es sind auch immer wieder die Blickwinkel und Einstellungen, die Sean Penn hier zusammen mit seinem Kameramann Eric Gautier aufruft, das ist schon richtig stark und vielleicht die wirkliche Stärke des Films. Entgegen der allgemeinen Kritikermeinung fand ich Emile Hirsch in dieser Rolle jetzt auch nicht so überragend, sondern bestenfalls Durchschnitt, vor allem emotional bleibt seine Figur ziemlich unnahbar und dann bietet der Film keine andere Identifikationsfigur mehr.
FAZIT: Teilweise ziemlich zähes Drama um einen durch und durch unsympathischen Typen, der mal eben so beschlossen hat, ohne Geld und ohne alles nach Alaska zu reisen. Fantastische Landschaftsaufnahmen entschädigen zumindest teilweise für eine lahme Inszenierung einer lahmen Story.