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    Hui Buh - Das Schlossgespenst
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Hui Buh - Das Schlossgespenst
    Von Carsten Baumgardt
    Ein gerüttelt Maß an teutonischer Starpower und ein mediales Sperrfeuer sollen und werden Constantin Film sowie dem deutschen Kino nach dem erwartet desaströsen WM-Intermezzo mit der Kinder-Komödie „Hui Buh - Das Schlossgespenst“ den ersehnten Zuschauerhit bringen. Dem steht wenig entgegen. Dass Sebastian Niemanns teilanimierter Fantasyfilm für erwachsene Augen äußerst bieder ausfällt, ist jedenfalls kein Hinderungsgrund. Immerhin können sich 4- bis 12-Jährige auf solidem Niveau amüsieren. Als große Abendunterhaltung für jung und alt ist „Hui Buh“ jedoch gescheitert.

    Ein stürmischer Gewittertag des Jahres 1399 sollte das Leben des listigen Ritters Balduin (Michael „Bully” Herbig) nachhaltig verändern. Beim Kartenspiel mit dem finsteren Ritter Adolar (solide: Nick Brimble) betrügt Balduin und gerät in die Bredouille. Doch bevor er von Adolar filettiert werden kann, wird Balduin vom Blitz getroffen. Fortan muss er als Geist Hui Buh durch Schloss Burgeck spuken – aber immerhin ist er das einzig behördlich zugelassene Gespenst in dem Gemäuer. 500 Jahre später hat sich Hui Buh bestens eingelebt und verbringt mit dem alten Kastellan (Hans Clarin) ein beschauliches, ruhiges Leben im Schloss. Erst als König Julius, der 111. (Christoph Maria Herbst) mit seinem Gefolge auf Burgeck auftaucht, ist es mit der Idylle vorbei. Er will das Herz von Leonora Gräfin zu Etepetete (Heike Makatsch) gewinnen und strebt eine Vermählung an. Doch Hui Buh will nur seine Ruhe haben und die unliebsamen Gäste wieder verscheuchen. Er wirft seine ganze Spukkunst in die Waagschale, um sein Ziel zu erreichen. Doch leider ist es mit seinen Fähigkeiten nicht allzu weit her. Derweil hat Leonoras Zofe Konstanzia (nett: Ellenie Salvo González), die ihren Sohn Tommy (tranig: Martin Kurz) an der Seite hat, ein Auge auf den neuen Schlossherrn Julius geworfen. Aber der interessiert sich zunächst nur für die zickige und eitle Gräfin...

    Nach jahrelangem Einsatz im Radio erschien 1969 die erste Langspielplatte zu Eberhard Alexander-Burghs „Hui Buh - Das Schlossgespenst“ mit Hans Clarin als Hui Buhs Stimme („Aushilfe“ Helmut Kolar wurde später wieder durch Clarin ersetzt). Insgesamt entstanden 23 Hörspiele und sieben Bücher, die den Einzug in die Kinderzimmer hielten. Die Basis für einen abendfüllenden Kinofilm ist also gelegt, das Interesse des Publikums vorhanden – schließlich kennt nahezu jeder „Hui Buh“ bei 20 Millionen verkauften Einheiten. Und wenn dann noch eine erstklassige Besetzung mit Starqualitäten hinzu kommt, was soll da schief gehen? Leider einiges. Die für deutsche Verhältnisse stattlichen Produktionskosten von zehn Millionen Euro, die Produzent Christian Becker (Der Wixxer, Neues vom Wixxer, Goldene Zeiten, „Das Jesus-Video“) und sein Team auftrieben, müssen schließlich erstmal verdient werden. Doch bei den Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner sind „Hui Buh“ die Ecken und Kanten abhanden gekommen - die Mutter aller Probleme des Mainstreamkinos.

    Die Inszenierung von Sebastian Niemann, der bisher durch den TV-Trash „Das Jesus-Video“ und den mittelprächtigen Horror-Thriller „Seven Days To Live“ auffiel, ist über die Dauer viel zu bieder und konturlos. Die meiste Zeit sollen müde, altbackene Slapstick-Nummern für Heiterkeit sorgen. Sämtliche Charaktere sind komplett überzeichnet, dem dezenten, aber bestimmten Chargieren ist Tür und Tor geöffnet, die Dramaturgie schleppt sich überraschungsfrei zum Happy End mit Dame. Das ist weder schön noch elegant, aber bei einem Kinderfilm zu verschmerzen, weil die allgemeine Meinung vorherrscht, Kleinwüchsige dürften nicht intelligent unterhalten werden. Was „Hui Buh - Das Schlossgespenst“ schwer zu schaffen macht, ist sein ernsthaftes Zielgruppenproblem. Für die Altersstufe bis zwölf Jahre ist der Film in Maßen geeignet, den einen oder anderen harmlosen Lacher abzusahnen. Für die ganz jungen Zuschauer dürfte der Film an manchen Stellen trotz allgemeiner Harmlosigkeit zu gruselig sein und wer dem Kindesalter entwachsen ist, wird bei der Begleitung des Nachwuchses das Gähnen nicht immer unterdrücken können.

    Die Crux: Durch die strategische Besetzung mit dem deutschen Box-Office-Goldesel Michael „Bully“ Herbig (Der Schuh des Manitu, Traumschiff Surprise - Periode 1, Lissi und der wilde Kaiser), dem großartigen Komödianten Christoph Maria Herbst (Der Wixxer, Neues vom Wixxer, „Stromberg“) und der Allzweckwaffe Heike Makatsch (Nackt, Tatsächlich Liebe, Resident Evil, Keine Lieder über Liebe) wird beim Publikum eine Erwartung geweckt, auch jenseits der einstelligen Lebensalterzahlen unterhalten zu werden. Leider ist dies zu selten der Fall.

    Michael „Bully“ Herbig, der nur im Prolog in Fleisch und Blut zu sehen ist, ist alles andere als eine Fehlbesetzung, aber er kann seine großen Stärken nur bedingt ausspielen. Auf seinem Weg zum blitzeblank polierten Mainstream ist der Regisseur, Autor, Schauspieler und Produzent nun angekommen. Während zu Beginn von der kleinen skurrilen, völlig schrägen „Bullyparade“ kaum jemand Notiz nahm, wurde sie durch die Erfolge der beiden „Bully“-Kinohits doch noch von einer breiten Masse in Beschlag genommen, obwohl diese Show gar nicht dafür bestimmt war. Von dieser ursprünglichen Identität Herbigs, sozusagen dem Ur-Herbig mit sympathisch-absurder Prinz-Eisenherz-Frisur in Langversion und Monsterkoteletten, ist nichts mehr übrig geblieben. Nachdem der bombastische Erfolg von „Der Schuh des Manitu“ sehr überraschend kam, war „(T)Raumschiff Surprise - Periode 1“ bereits eine generalstabsmäßig geplante Box-Office-Bombe, die - obwohl nicht überall geliebt - wie gewünscht zündete. Mit „Hui Buh“ hat Herbig jetzt Schärfe und Hintersinnigkeit eingebüßt und ist lediglich noch ein Starprodukt – ein großer Name, der die Leute ins Kino lockt. Die Entscheidung, Herbig als nahezu einzigen Geist zu animieren, ist kontrovers diskutierbar. Sicherlich bekommen die Aktionen Hui Buhs (der Herbig nachempfunden wurde) so einen unendlichen Bewegungsspielraum. Auf der anderen Seite wirkt der animierte Charakter auch wie ein Fremdkörper zwischen all den realen Menschen und Gespenstern – und mit dem Hui Buh der Hörspiel-Cover und Bücher hat der Herbig-Buh äußerlich eh nichts gemein. Starkult schlägt Vorlagentreue.

    Christoph Maria Herbst, ein Gesamtkunstwerk aus hintersinnigem Witz, radikalem Humor, Zynik und Ironie, darf seine überragenden Qualitäten in „Hui Buh - Das Schlossgespenst“ nur auf kleiner Flamme zelebrieren und muss gar nebenbei (mit Perücke ausstaffiert) noch den romantischen Helden geben. Das macht Herbst ohne Fehl und Tadel, aber zu Begeisterungsstürmen reißt der Ritter des gebremsten Schaums nicht hin. Heike Makatsch erfüllt das Rollenklischee der bösen Stiefmutter als deutsches Pendant zu Glenn Closes Darstellung der Cruella De Vil in „101 Dalmatiner“. Das was verlangt wird, kann Makatsch natürlich im Schongang spielen. Eine nette Geste ist die Besetzung der Ur-Hui-Buh-Stimme Hans Clarin als treuer Kastellan. Es macht den Betrachter allerdings traurig, einen dem Tode nahen Clarin, der kurze Zeit nach den Dreharbeiten im Alter von 75 Jahren an Herzversagen verstarb, zu sehen. Dennoch ist eine Rolle in „Hui Buh“ eine würdige Verabschiedung.
    Frischen Wind bekommt der Film durch kleine Gastauftritte. Herbigs partner in crime Rick Kavanian (Der Schuh des Manitu, TRaumschiff Surprise - Periode 1, Lissi und der wilde Kaiser) amüsiert mit einer völlig überdrehten Performance zu Beginn und Ende. Eine Idee davon, wie „Hui Buh“ hätte groß werden können, gibt der lediglich wenige Sekunden lange, freche Auftritt von Oliver Pocher, der als Fahrstuhlgespenst unvermittelt auftaucht, einen Spruch klopft und wieder verschwunden ist.

    Allein schon durch das großmediale Towabohu, „Hui Buh“ ist in den Medienkampagnen omnipräsent, wird dieser Aufmerksamkeitsoverkill nicht spurlos am Zuschauer vorüber ziehen und ein Kinoerfolg gilt als sicher. Dass mit ein bisschen mehr Mumm in den Knochen der Federführenden und weniger verstaubten Ideen auch noch ein guter Film für die ganze Familie möglich gewesen wäre anstatt nur ein exzellent ausgestatteter Formelfilm, steht auf einem anderen Blatt. Auch wenn der Rubel rollt, bleibt die Enttäuschung. Schade eigentlich, denn „Hui Buh“, Held vieler Kindheiten, hätte Besseres verdient...
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