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    Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman
    Von Björn Becher
    Mr. Peabody ist ein hochintelligenter Hund, immer adrett gekleidet mit Fliege und einer Vorliebe für geschliffene Ironie! In den USA ist er längst ein fester Teil der Popkultur, seitdem er sich mit seinen pädagogisch wertvollen Ausflügen in die Geschichte („Peabody's Improbable History“) zu einem der beliebtesten Segmente der ab 1959 erstausgestrahlten Kult-Zeichentrickserie „Rocky und Bullwinkle“ mauserte. In Deutschland kennt das lehrreiche Unterhaltungsformat dagegen kein Kind, aktuell (Stand: 24.4.2014) gibt es noch nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Artikel zur „Rocky und Bullwinkle“-Serie bzw. zu Peabodys Geschichtsstunden. Das könnte sich aber nun ändern. Denn mit „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ kommt nun der erste 3D-Kinoausflug des superschlauen Hundes weltweit in die Kinos. Dahinter steckt die Erfolgsschmiede DreamWorks, die schon originäre Figuren wie den grünen Oger Shrek und den Kung Fu Panda Po erfolgreich in deutschen Kinderzimmern etabliert hat und dem dies auch bei Mr. Peabody gelingen dürfte, zumal dem neunmalschlauen Kläffer sein Alter absolut nicht anzumerken ist: Regisseur Rob Minkoff hat zwar den ironischen Biss im Vergleich zum Original ein wenig heruntergeschraubt, aber ein bunt-unterhaltsamer Abenteuertrip - gleichermaßen für Groß und Klein – ist dem „König der Löwen“-Regisseur dennoch gelungen.

    Schon als kleiner Waisenhund merkte Mr. Peabody (Stimme: Ty Burell), dass er anders ist als seine Artgenossen. In Rekordzeit meisterte er Schule und Universität, während er nebenbei nicht nur allerlei lebenserleichternde Maschinen, sondern auch noch den legendären Zumba-Tanz erfand. Mr. Peabody gelang einfach alles, bis er sich seiner schwersten Herausforderung stellte: der Erziehung eines Kindes! Er adoptierte das Baby Sherman (Max Charles) und erzog es auf seine ganz eigene Weise: Er baute eine Zeitmaschine, um seinen Sohn die Geschichte hautnah erleben zu lassen. Nun steht für Sherman die Einschulung an, aber bereits am ersten Tag gibt es Ärger: Die strebsame Penny (Ariel Winter) beginnt mit dem im Geschichtsunterricht als Besserwisser glänzenden Sherman einen Streit, der in einer Prügelei endet. Weil die strenge Jugendamt-Sachbearbeiterin Ms. Grunion (Allison Janney / deutsch: Hella von Sinnen) Mr. Peabody daraufhin seinen Sohn wegnehmen will, versucht dieser mit den Eltern von Penny eine Lösung zu finden. Doch Sherman und Penny, die währenddessen gezwungen sind, gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen, schnappen sich kurzerhand die Zeitmaschine und reisen ins Alte Ägypten - der Auftakt zu einer wahren Zeitreise-Odyssee...


    Wer zu den wenigen Deutschen gehört, der die Originalserie tatsächlich kennt, wird sich vor allem an eines erinnern: den Spott in der Stimme von Mr. Peabody! Aber während es in den ersten Szenen noch wirkt, als ob die Macher diesem Wesenszug treu geblieben wären, muss man dann doch recht schnell feststellen, dass die beißende Ironie für den Kinofilm merklich entschärft wurde. Das zeigt sich schon an einer Anekdote aus dem Besetzungskarussell: Der ursprünglich für die Rolle vorgesehene Robert Downey Jr. („Iron Man“) wurde deshalb von TV-Star Ty Burell („Modern Family“) ersetzt, weil dessen Stimme laut Regisseur Rob Minkoff mehr Wärme ausstrahlt. Und damit ist dann auch die Schlagrichtung der Neuauflage klar: Auf der Leinwand geht es deutlich warmherziger zu als auf dem TV-Schirm! Der sich selbst von seinem Sohn nur „Mr. Peabody“ nennen lassende Intellektuellen-Papa muss lernen, dass Erziehung nicht nur bedeutet, seinem Kind Wissen und Benehmen zu vermitteln, sondern ihm auch Liebe zu geben. Der Haken an der Sache ist dabei gar nicht die Nachjustierung selbst, aber trotz der neuen Ausrichtung wird es nur selten wirklich emotional. „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ ist unterhaltsam, sieht super aus, aber der Zuschauer fühlt nie wirklich mit. Wo in den „Kung Fu Panda“-Filmen die ungewöhnliche Eltern-Kind-Beziehung zwischen der Hauptfigur Po und seinem Gänse-Adoptiv-Vater selbst in den nur kurzen Szenen bezaubert, wirken die entsprechenden Sequenzen hier oft gewollt, aber nur selten natürlich und ehrlich.

    Rob Minkoff inszeniert das bunte Zeitreise-Treiben mit viel Einfallsreichtum und einer ganzen Reihe gelungener Zitate: Wenn Mr. Peabody etwas mögliche Ausgänge einer Situation in seinem Hirn durchrechnet, erinnert das etwa an die britische Erfolgsserie „Sherlock“, während eine wilde Jagd durch eine ägyptische Grabkammer in bester „Indiana Jones“-Manier daherkommt und eine Schlacht im antiken Troja bombastische Zeitlupenkämpfe à la „300“ auffährt. Dabei gibt es für jeden etwas, denn niedliche visuelle Gags für die Kleinen wechseln sich immer schön mit trockenem Wortwitz für ein erwachseneres Publikum ab. Ein frühes Highlight ist dabei ein als Collage inszenierter Rückblick auf Mr. Peabodys bisheriges Vater-Dasein, wobei eigentlich ganz gewöhnliche Stationen eines Kinderlebens dank Zeitmaschine an ganz außergewöhnlichen Orten stattfinden: So erlernt Sherman das Fahrradfahren nicht einfach im  Park, sondern bei den Flugpionieren Wilbur und Orville Wright – und auf den Malunterreicht bei Vincent Van Gogh folgt der erste gefangene Baseball bei Major-League-Legende Jackie „42“ Robinson. Für augenzwinkernde Momente sorgen außerdem einige Nebenfiguren, allen voran Krieger-Depp Agamemnon, der in der Originalfassung nicht zufällig von Patrick Warburton gesprochen wird. Der lieh schon Fanliebling Kronk in „Ein Königreich für ein Lama“ seine Stimme und auch der ähnlich genial-debil angelegte König von Mykene birgt nun erneut ein vergleichbares Kultpotential.

    Fazit: Schlägt als kurzweilig-rasanter Zeitreise-Trip jede angestaubte Geschichts-Schulstunde, aber an die DreamWorks-Highlights „Shrek“, „Drachenzähmen leicht gemacht“ und „Kung Fu Panda“ reicht „Die Abenteuer Mr. Peabody und Sherman“ dennoch nicht heran.

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