Der fremde Sohn
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Lamya
Lamya

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4,0
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
"Der Fremde Sohn" ist ein ziemlich guter Film. Tolle Besetzung, schöne Bilder. Eine sehr packende und gut erzählte Story. Eine sehr bedrückende Stimmung von Anfang bis zum Ende. Für mich der Film "Januar 2009". Sollte man sich mal anschauen!



8/10
Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Der frühere Reporter der L.A. Times J. Michael Straczynski konnte es kaum glauben, als ihm ein ehemaliger Informant aus dem Rathaus die niedergeschriebenen Berichte des ‚City Council Welfare hearings‘ im Fall Christine Collins vorlegte. Selbst dem Erfinder und Schreiber der SciFi-Serie „Babylon 5“, der außerdem an Zeichentrickserien wie „He-Man“ und „She-Ra“ und der Comicreihe „Amazing Spider-Man“ gearbeitet hatte, schien die Geschichte der Christine Collins fast schon zu unglaublich. Doch der erfahrene Straczynski erkannte natürlich auch das Potenzial für einen dramatischen Kinofilm, recherchierte ein Jahr lang die Hintergründe und machte aus über 6.000 Seiten an Dokumentation ein Drehbuch. In Produzent Brian Grazer fand er einen prominenten Abnehmer, der es gern von (seinem je nach Form Hofzauberer oder Hofnarren) Ron Howard verfilmt gehabt hätte, der den Regieposten aber aus terminlichen Gründen abtreten musste. Statt einer 50zu50 Chance verpflichtete man mit Clint Eastwood glücklicherweise eine 100%-Lösung, denn besonders ist es seine Regie, die aus „Der fremde Sohn“ einen ausgeprägt starken Film macht.

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Los Angeles, 1928: Die alleinerziehende Mutter Christine Collins kommt eines Abends von der Arbeit nach Hause und muss feststellen, dass ihr 9jähriger Sohn Max spurlos verschwunden ist. Öffentlich angeprangert von Reverend Briegleb nimmt der korrupte, inkompetente und Gesetze biegende Polizeiapparat der Stadt die Suche auf und präsentiert Christine nach fünf Monaten einen Jungen, von dem sie absolut sicher ist, dass dies nicht ihr Sohn ist. Captain Jones, mit allen noch so absurden Ausreden und Mitteln den Ruf der Polizei schützend, veranlasst kurz darauf die Einweisung der verzweifelten Mutter in eine psychatrische Heilanstalt. Währenddessen greift Detective Ybarra einen Jungen auf, der ihm ein grauenhaftes Geheimnis offenbart, in das auch Walter Collins verwickelt ist...

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Alles beginnt noch recht beschaulich, sowohl das Leben von Christine und Walter Collins, als auch der Film an sich. Kulissen, Ausstattung und Kostüme erzeugen ein schönes 20er Jahre Ambiente, Eastwoods eigenkomponierte Musik setzt immer wieder sehr sachte und stilgemäß ein. Kurz und präzise sind die einzelnen Szenen, ein bißchen Privatleben, ein bißchen Berufsleben und knappe Dialoge führen hin zu dem nach kurzer Zeit passierenden Moment, in dem die Mutter ihren Sohn verliert. Eastwood gibt seinen Film von da an erst einmal vollständig der Dominanz von Angelina Jolie hin, die sich, ohne dass ihre Christine einem bis dahin sonderlich nahe gekommen wäre, in eine mitreißende Verzweiflung hineinsteigert, die das Schicksal der Frau geradezu erfühlen lässt. Jolie lässt in einige Szenen eine verletztliche Hingabe einfließen, einen berührenden Kummer, was durch Eastwoods ungemein frontale straight forward-Inszenierung noch an Ausdruck gewinnt.

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Der große alte Mann auf dem Regiestuhl geht die Geschichte hart und präzise an, ohne Längen und Brüche zuzulassen, dafür in jeder Sekunde mit geschärftem Auge und Versunkenheit in die wichtigen Details. Wie in seinen größten Meisterwerken „Erbarmungslos“, „Mystic River“ und „Million Dollar Baby“ lässt Eastwood seine Heldin gnadenlos auf die Barrikaden des Antagonismusses prallen, in diesem Fall eine völlig von Recht und Moral losgelöste Polizei. Unfassbar, mit welcher Ignoranz, Herablassung und Dreistigkeit der Mutter begegnet wird, ihr ein fremder Sohn als der eigene verkauft werden soll. Da wird zum Beispiel ein Arzt zu Christine nach Hause geschickt, der ihr den offensichtlichen Größenunterschied der Jungen mit dem Schrumpfen der Wirbelsäule in Stresssituationen erklärt. Da unterstellt der Captain des Bezirks, J. J. Jones, die Mutter wolle sich um ihre Verantwortung stehlen, hätte die Zeit ohne den Jungen so sehr genossen, dass sie ihn nun nicht mehr haben wolle. Nachvollziehbar, warum Straczynski und auch Jolie die Geschichte kaum glauben konnten. Letztlich halten sich weder Straczynskis Buch, noch Eastwoods Regie mit Erklärungsversuchen oder Hinterfragungen auf, sondern schildern den Fall nüchtern, überlassen ihn seiner natürlichen Dramatik und liefern damit ein umso überzeugenderes und erschreckendes Bild eines aus den Fugen geratenen staatlichen Exekutivorgans, wie es das L.A.P.D. anno 1928 war.

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Mit der haltlosen Einweisung in eine psychiatrische Heilanstalt erreichen Jones‘ Mittel, Christine Collins zu diskreditieren, ihren absurden Höhepunkt, erst recht, als sich ein Großteil der Insassinnen als von der Polizei eingewiesen zeigt, einzig um dieser jedwede Unannehmlichkeit zu ersparen. Ein grauenhafter, menschenverachtender Vorgang weit jenseits irgendeiner Zulässigkeit. An diesem Punkt klinkt sich außerdem eine Parallelhandlung in „Der fremde Sohn“ ein. Der Detective Lester Ybarra soll einen vermeintlichen Ausreißer auf einer Ranch in Wineville in Gewahrsam nehmen und nach Kanada überführen. Während es der Psychiatrie-Part nicht ganz schafft, einige Klischeefallen zu umgehen (wie die Mitinsassin, die sich Christine anvertraut, ihr beisteht und später dafür büßen muss), bringt der zweite Handlungsstrang, dessen Bindung an den ersten sich nicht sofort erschließt, in seiner Aufschlüsselung einen packenden und schockierenden Twist mit sich. Der aufgegriffene Junge, Sanford Clark, berichtet Detective Ybarra von den Greueltaten seines Onkels, Gordon Stewart Northcott, der auf der Ranch an die zwanzig Jungen gefangen gehalten und brutal ermordet hat. Anhand eines Fotos identifiziert Clark auch Walter Collins als einen der Jungen. Die Szene, in der Clark sich dem fassungslosen Ybarra offenbart, gehört in ihrer puren Drastik und Intensität zu den stärksten und erschütternsten des Films, verdammt die Maßnahmen des L.A.P.D. in Bezug auf Christine Collins nochmals in aller Deutlichkeit angesichts der grausamen Wahrheit und gibt dem Film, lange bevor dieser zu Ende ist, eine aufwühlende Wendung.

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Die Genre-Elemente, aus denen Eastwood den Film entstehen lässt und die Unmittelbarkeit, mit der er von einem zum anderen, vom Mutter/Kind-Drama zum Psychiatriehorror zum Serienkiller-Thriller zum Justizkrimi wechselt, sind von ihm traumhaft sicher, durch die perfekte Ausstattung und die schauspielerischen Leistungen miteinander vereinheitlicht. „Der fremde Sohn“ verliert dadurch nie an Spannung, bleibt trotz der Schwere seiner Themen kurzweilig, ohne dass damit ein Mangel an Tiefe und Bedeutung einherginge. Angelina Jolies dominierendes Spiel tritt nach ihrer Entlassung aus der Psychiatrie etwas in den Hintergrund und überlässt der Handlung um Kindermörder Northcott den Vortritt, die dem Film mehr als nur eine ergänzende Randnotiz wert ist. Northcott wird hochinteressant und vielschichtig angelegt, mit einer klaren Tendenz zum Wahnsinn, und sieht zwischen sich und Christine eine Verbindung, da er sie beide als von der Polizei fehlbehandelt betrachtet. Wo die Trennung zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Gut und Böse bei Christine und der Polizei klar und teils schon undifferenziert erfolgt, bringt Northcott eine verstörend ambivalente Zwischenschicht in den Film, wozu zudem durch seine Aussagen nie sicher ist, dass er Walter Collins wirklich umgebracht hat und einzig ein Killer vor dem Abgrund zur Verrücktheit Christines Glauben aufrecht hält, ihren Sohn doch noch wiederzufinden. Mit seinem fabulös-verschlagenen Spiel voller Zuckungen, wirrer Blicke, aber auch einer fortwährend durchscheinenden emotionalen Gebrochenheit, skizziert Jason Butler Harner einen Mörder mit abstoßend-faszinierender Ausstrahlung.

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Neben Jolie und Butler Harner sind auch die weiteren Rollen glänzend besetzt und gespielt. John Malkovich gibt seinem Reverend Briegleb eine entschlossene Entschiedenheit im Kampf gegen Korruption und Gewalt, spielt aber mit genügend Zurückhaltung, um nicht zu weit in den Vordergrund zu drängen. Michael Kellys Detective Ybarra ist erstklassig vor allem im Zusammenspiel mit Eddie Alderson, der Sanford Clark spielt und sich neben den sehr guten Jungdarstellern des Films einreiht. Jeffrey Donovan und Colm Feore als Captain J.J. Jones bzw. Polizei Chief James E. Davis versacken zwar ein wenig in den Schatten ihrer schlichten Charakterisierung, geben dem L.A.P.D. aber sein verachtenswertes Gesicht, zu dem sich auch als Denis O’Hare als boshafter Psychiater Dr. Steele gesellt. Die Auftritte von Geoff Pierson als Staranwalt S.S. Hahn, Amy Ryan als inhaftierte Prostituierte Carol Dexter und Lily Knight als Leanne Clay, deren Sohn ebenfalls zu Northcotts Opfern gehört, sind verhältnismäßig kurz, aber dennoch wirkungsvoll und schön gespielt.

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Insgesamt ist „Der fremde Sohn“ eindringlich und mit Meisterhand gefilmt und von Eastwoods stimmungsschaffender und –unter-streichender Musik jederzeit süperb akzentuiert. Ein Film, der bei allem nostalgischen Flair durchaus auch Bezüge zu aktuellen politischen Machenschaften herstellt und die Macht des Staates und seiner Organe schonungslos an den Pranger stellt. Der Kampf einer kleinen Gruppe oder wie hier einer einzelnen Person gegen eine übermächtige Obrigkeit ist zwar ein oft verwendetes Motiv und tatsächlich gewinnt ihm Eastwood keine grundlegend neuen Facetten oder Erkenntnisse ab, doch er präsentiert es im Rahmen einer nahegehenden Geschichte in allen filmtechnischen, erzählerischen und darstellerischen Bereichen als formvollendet, wodurch jedes noch so oft verwendete Thema sehenswert geraten wäre.

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komplette Review siehe http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=418824324&blogId=508387511
crimson
crimson

14 Follower 80 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 31. August 2010
Clint Eastwood ist meines Erachtens ein besserer Regisseur als er Schauspieler ist. Auch wenn der Unterschied nur marginal ausfällt. Der Film ist wirklich sehr gut inszeniert, die dargestellte Epoche der 20/30er Jahre wurde hervorragend umgesetzt. Eastwoord nimmt sich viel Zeit, was dem Film nur zu Gute kommen kann. Die ruhigen Kamerafahrten und -einstellungen sind über jeden Zweifel erhaben und fangen die Geschehnisse optimal ein. Zudem ist die Geschichte natürlich auch sehr fesselnd, grade unter dem Gesichtspunkt das es tatsächlich genauso, oder doch zumindest fast so, abgelaufen ist. Die Schauspielerische Leistung ist bei jedem Schauspieler mehr als gut. Das gibt es selten...mir viel nicht ein Protagonist auf der negativ aus der Reihe getanzt hätte. Bei Angelina Jolie vergisst man gerne mal wie gut sie ihr Handwerk tatsächlich versteht. Die meisten ihrer bisherigen Filme stellen entweder ihre weiblichen Reize zur Schau, und/oder machen sie zur Superheldin und als solche gewinnt man weder einen Blumentopf, geschweige denn einen Preis für gutes Schauspiel. Sehr gut gefallen hat mir auch Jason Butler Harner, der den Mörder Northcott mimt. Er sieht dem Original sogar etwas ähnlich. Sein Spiel lässt erkennen was das für eine zerrüttete Persönlichkeit gewesen muss, und das obwohl er relativ wenig Raum bekommt. Diesen nutzt er allerdings optimal aus. "Der fremde Sohn" hat viel Vorzüge und trotzdem fehlt etwas zum Olymp der Filme. Ich kann allerdings nicht genau sagen was da fehlt. Eins steht jedoch fest. Clint Eastwood hat mal wieder bewiesen das er eine gute Nase hat...bei dem aussuchen der richtigen Schauspieler, der Story, der Kameraeinstellung, des Musikscores...na ja, beim Film-machen halt. Angucken!
nerii
nerii

7 Follower 33 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Der Film ist super. Kaum zu glauben, dass es eine "wahre Geschichte" ist. Der Film baut langsam Spannung auf, Angelina spielt super. Ich habe nichts auszusetzen eigentlich. Habe nur einen Punkt abgezogen, da ich gerne gesehen hätte, wie Walter dazugebracht wurde, sich in das Auto zu sitzen. Also wie es dazu kam, und warum er die Wohnung verließ usw. Eine Kurze Sequenz hätte gereicht. Sonst alles top.
KritischUnabhängig
KritischUnabhängig

110 Follower 216 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
"Der fremde Sohn" war ein von mir heiß erwarteter Film, nachdem ich Trailer und erste Pressekritiken gelesen hatte, die sehr vielversprechend waren. Jedoch bin ich ein wenig enttäuscht vom Film. Hatte mir mehr Dramatik und eine intensivere Story versprochen. Insgesamt ist zwar ein guter Film entstanden, der meiner Meiunung nach aber einige Schwächen in der Story aufweist.



Die Mode und Technik (Autos, Straßenbahnen etc.) sind sehr authentisch dargestellt und man fühlt sich wirklich in die 20er Jahre hineinkatapultiert. Die Bilder und Kameraeinstellungen passen alle sehr gut. In diesem Punkt ein Lob an die Regie.



Die schauspielerische Leistung ist durch die Bank gut, aber keiner, auch nicht Jolie, zeigt eine hervorragende Leistung. Dafür verantwortlich ist aber das Drehbuch, das nicht die Szenen oder Dialoge liefert, mit denen man emotional den Zuschauer erreichen kann. Das klappt nur bedingt, viel zu oft sind auch wenig nachvollziehbare Handlungen dabei. Jolie als Christine Collins handelt vor allem zu Beginn nicht entschlossen genug. Beinahe scheint sie ohnmächtig gegenüber der Polizei zu sein, so als ob sie sich mit der Situation abfinden will. Ich würde da wirklich austicken in so einer Situation. Erst der Pastor kann ihr da einen Weg aufzeigen...



Nun direkt zum Drehbuch. Dieses orientiert sich an dem wahren Fall. Wenn man jedoch im Internet recherchiert, stellt man einige Ungenauigkeiten fest. Das Drehbuch hat da einige Sachen ausgelassen. Zudem stellen sich dem Zuschauer einige Fragen auf: Warum nimmt Christine Collins am Bahnhof den ihr als ihren Sohn vorgeführten Jungen mit nach Hause? Wie es im Film dargestellt wird, ist es mir einfach ein Rätsel. Eine Mutter weiß sofort, ob es ihr Sohn ist oder nicht. Das hat sie auch direkt gesehen, dennoch lässt sie sich dann quasi dazu überreden, den Jungen als ihren Sohn zumindestens probeweise mit nach Hause zu nehmen. Die "2te Erleuchtung" kommt dann erst zu Hause nach dem Baden.

Insgesamt wirkte es unglaubwürdig, obwohl es sich tatsächlich so oder so ähnlich vorgetragen hat (eine plausiblere, wenn auch fiktivere Darstellung wäre besser gewesen). Eine andere Sache war das Verhalten des "falschen Walter": Hat er jetzt von sich aus gesagt, dass er Walter ist, oder hat ihn die Polizei dazu gezwungen. Im Film ist das nicht ganz klar. In der Wirklichkeit war das so, dass das von ihm aus kam, was ziemlich raffiniert und hinterhältig für einen 12 Jährigen ist.



Achtung Spoiler!!!

Nach dem Filmende fand ich merkwürdig, dass man nicht zweifelsfrei sagen konnte, ob Walter nun unter den Opfern war oder nicht. Er ist entkommen. Einige oder sogar alle Flüchtlinge bis auf David (so hieß der glaub ich) muss Gordon aber wohl wieder eingefangen und getötet haben. An den Knochenüberresten kann man (auch zur damaligen Zeit) feststellen, wie viel Opfer es gab und mit den Vermisstenfällen abgleichen. Dann weiß man zumindestens, wie viel Kinder umkamen und vll. sogar wer umkam und wer nicht. Außerdem gab es da noch den Cousin als "Mithelfer", der ja diesbezüglich auch noch mehr Klarheit schaffen kann.

In Wirklichkeit wars so, dass es da noch die Mutter von Gordon gab, die mitgeholfen hat und gestand, Walter getötet zu haben.

Spoiler Ende!!!



Fazit:

Ein insgesamt guter Film mit einigen Schwächen in der Story, der aber einen schockierenden wahren Fall mehr oder weniger genau präsentiert.
Flo E.
Flo E.

7 Follower 24 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
In der großen Drama-Konkurrenz, bestehend aus "Benjamin Button", "Zeiten des Aufruhrs" und Co ist die grandiose Inszenierung einer wahren Geschichte von Clint Eastwood, "Der fremde Sohn", leider ein wenig untergegangen. Das ist mehr als schade, denn dass Eastwoods neuester Regie-Streich ein wirkliches Highlight des Kino-Frühjahres ist, lässt sich keinesfalls bestreiten. Die Geschichte, die sich in mehrere Handlungsstränge einteilt und trotz ihrer Überlänge nicht eine Minute langweilt, gewinnt dadurch, dass sie auf wahren Begebenheiten beruht, noch mehr an Intensität. Neben der Haupthandlung um Christine Collins, die auf der Suche nach ihrem Sohn gegen die Polizei vorgeht, wird nämlich auch der Weg des Pfarrers, der versucht, die Polizeiaktivitäten zu durchschauen, sowie die Story eines verrückten Massenmörders verfolgt, die am Ende alle auf überraschende und überaus geniale Weise zusammengeführt werden. Dabei spielt auch der Look eine wichtige Rolle: Die Arbeit mit der Kamera ist hervorragend, jedes Bild und jede Szenerie ist perfekt aufeinander abgewogen und sehr gut ausgewählt. Auch die Kostüme, Sets und Make Up ermöglichen eine tolle Atmosphäre und einen sehr guten Einstieg in die Welt Amerikas der 20er Jahre. Einzig die musikalische hält sich vornehm zurück und fällt kaum auf. So ergibt sich ein letzten Endes tolles Gesamtbild, auch wenn die Handlung doch das wichtigste ist und den tollen Bildern einen Schritt voraus ist: Und ein größeres Lob, als dass in mächtigen 142 Minuten nicht einmal der Hauch von Langeweile auftritt, kann man einem heutigen Kinofilm oftmals kaum noch machen. Neben der packenden Geschichte ist jedoch die herausragende Besetzung der größte Pluspunkt des Filmes. Es tauchen sehr viele verschiedene Charaktere in der Handlung auf, doch bis in die kleinsten Nebenrollen sind sämtliche Figuren perfekt besetzt. An erster Stelle natürlich die großartige Angelina Jolie, die eine erneute Oscar-Nominierung für ihre Darstellung abstauben durfte. Ihre Leistung ist einfach grandios und entzieht sich jedem Vergleich, sie bringt sehr viel emotionale Tiefe und eine tolle Präsenz an den Tag, die ihre Figur nach anfänglicher Kälte schnell zur Sympathieträgerin machen wird. John Malkovich als gutherziger Pfarrer beweist erneut, dass er einer der ganz Großen in Hollywood ist und auch wenn seine Rolle nicht allzu groß auffällt kann er auch ohne große Mühen die Szenen, in denen er auftritt, fast im Alleingang beherrschen. Jeffrey Donovan als kalter und fieser Polizei-Captain Jones bringt ebenfalls eine hervorragende Performance. Der ansonsten eher auf Nebenrollen beschränkte Schauspieler kann sich hier vollends entfalten und es macht einfach einen großen Spaß, den Kerl zu hassen. Weitere Rollen fallen zwar ebenfalls stellenweise sehr klein aus, allerdings haben sie alle irgendwo ihren Reiz und kaum eine Figur gerät schnell in Vergessenheit. Der gutmütige Polizist, der starke Richter, der fiese Oberarzt der Psychatrie, der verrückte Massenmörder, der noch sehr wichtig für die Geschichte ist oder natürlich auch Christine Collins falscher Sohn: Trotz oftmals wenig Leinwandzeit stechen sie allesamt auf eigene Art hervor und machen so klar, wie eine perfekte Besetzung in Hollywood aussehen muss!

Fazit: "Der fremde Sohn" zählt bereits jetzt zu den Highlights des Kinojahres 2009. Die Geschichte reißt mit, schockiert durch ihre Offenheit und berührt stellenweise zutiefst, was auch der 1A-Besetzung zu danken ist, bei der auch jede kleinste Nebenrolle noch perfekt belegt ist. Zusammen mit dem wunderbar atmosphärischen Look ergibt sich eines der tollsten und packendsten Dramen der letzten Zeit, welches man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte!
Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
...mal wieder ein Film, der wirklich fesselt. Sehr gut erzählt, sehr vielschichtig und sehr einfühlsam.



MrFits
MrFits

13 Follower 49 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 26. Dezember 2010
schon lange im regal gehabt, trotzdem bin ich nie dazu gekomm den zu sehn.
und nun hab ich den mit meiner freundin am we gesehn. und wir beide sind der meinung: ein thema hart an der grenze zum grausamen - selbst zum verfilmen. aber gerade deswegen und der nicht zu verachtenen leistung angelina jolies ein hervorragender film.

kurz zur handlung:
L.A. 1928
christine collins springt für eine kollegin auf der arbeit ein und kommt dazu auch noch ein wenig später nach hause. ihren sohn musste sie allein zuhause lassen, da sie alleinerziehend ist und niemanden auftreiben konnte, der auf ihren sohn aufpasst. sie gibt sofort eine vermissten-anzeige auf. die polizei von l.a. findet gut 5 monate später einen jungen. mutter samt presse erwartet ihren sprössling am bahnhof. nur bekommt sie nicht ihren wirklichen sohn, sondern einen fremden jungen, der sich als ihr sohn ausgibt in die hand gedrückt. sie redet immer wieder auf die zuständigen agents ein, das ist nicht ihr sohn. doch sie zweifelt langsam an ihrer eigenen zurechnungsfähigkeit da der zuständige cop j.j. jones sie bewusst iritieren will um von dem fehler der polizei abzulenken. darauf wird sie aufgrund panischer sowie wütender ausbrüche per fingerschnipp in eine anstalt eingeliefert. ein kampf gegen die justiz beginnt. der kirchliche gustav briegleb (john malkovich) stet ihr seit beginn der suche nach ihrem jungen zur seite und kämpft seit geraumer zeit eh schon gegen das korrupte l.a.p.d.. das es sich eventuell um eine entführung handeln könnte verspielt die polizei, als sie versucht sich aus diesem selbst eingebrocktem fall der verwechslung heraus zu lotsen. nebenher beobachtet einer anderer agent einen anderen fall, der mit dem vermissten kind vielleicht zusammenhängt: die wineville farm gilt als verlassen, trotzdem geschieht dort grausames.

mitlerweile großer eastwood freund, bin ich aber zu der erkenntnis beim sehen des filmes gekomm, dass dieser irgendwie aus der reihe der spitzen eastwood filme raussticht. dieser film ist komplexer, weiträumiger und vielschichtiger als seine meisten anderen filme. man nehme gran torino oder million dollar baby aus der jüngesten schaffensphase des meisters, welche eher millieu-gebunden sind und still und ruhig vor sich hin erzählen und dabei eine ganz eigene spannung und erzählweise aufweisen. eastwood ist so ziemlich bei jedem seiner filme sozialkritisch oder spricht wenigstens ein thema aus der richtung an und hällt sich auch gern in der vergangenheit auf und lässt geschichtsträchtiges auferleben wie in etwa letters from iwo jima und flags of our fathers. so auch geschehen bei der fremde sohn. und das der magnetisch anziehende satz "based on a true story" gerne mal zur verwurstung und wichtigtuerei benutzt wird ist zwar bekannt aber bei diesem film drückte es mir noch einmal die heftigkeit des themas mitten ins gesicht und ich musste mehrere male extrem schlucken um überhaupt zu verarbeiten, dass dies wirklich so mal geschehen ist und das es solche zustände tatsächlich einmal gab. man nehme nur die korruption des LAPD, welches wehrlose frauen in die anstalt lieferte weil sie gerade nicht in ihrem rahmen funktionierten oder "austickten". oder eben das einreden von geisteskrankheiten der hauptperson (jolie). pures entsetzen und verständnislosigkeit enstand in mir - ja fast schon zorn und hass dem versaubeutelten machenschaften einer staatsgewalt gegenüber. und da ist clint eastwood einfach spitze. er schafft es im zuschauer gefühle hervorzurufen, die man nicht kontrollieren kann um so dem gesehenden die gewollte aufmerksam zu schenken. und wäre angelina jolie nicht so perfekt für diese rolle, wäre sie wahrscheinlich ein minuspunkt gewesen, da ich persönlich wenig mit der frau anfangen kann. doch ihr spiel machte erst diese emotionen in mir lebendig. und gott sei dank gibt es noch regiesseure, die auf blöde klischeés verzichten, genauso wie auf happy ends der marke "herzschmerz und schmalz". natürlich handelte es sich um eine wahre geschichte - trotzdem wäre es sicher für viele andere filmemacher ein einfaches gewesen, ein für den zuschauer zufrieden stellendes ende zu zimmern um am ende nicht allzu sehr auf der endless-drama schiene zu fahren. aber nicht so eastwood. er ließ mich zwar mit einem relativ positiven gedanken das ende sehen - doch nichts desto trotz zermalmt er kurz vor abspann alle positiven gedanken mit den obligatorischen texttafeln, welche die schicksale einzelner personen und hauptfiguren schildern. kein wirkliches happy end. dafür ein wunderbarer film, der auf die magengrube schlägt und gefühle hervorruft die selten ein film stämmen kann.
Kino:
Anonymer User
4,0
Veröffentlicht am 20. Dezember 2020
Es ist immer wieder erstaunlich, was für haarsträubende, schockierende und eigentlich vollkommen unverständliche Geschichten das wahre Leben schreibt! Zu diesen Stories gehört auch die Leidensgeschichte der alleinerziehenden Christine Collins die Ende der 1920er Jahre in Los Angeles, nachdem ihr Sohn für einige Monate spurlos verschwunden war, einen völlig fremden Jungen von der Polizei untergeschoben bekommt - und mit allen Mitteln versucht wird, die verzweifelnde Mutter Mundtot zu machen. Dass 'Der fremde Sohn', mehr als nur ein Psycho-Thriller oder Drama, sondern gleich auch noch ein waschechter Justiz-Krimi ist, zeigt bestens auf, wie vielschichtig der von der Leinwand-Legende Clint Eastwood mit sicherer Hand inszenierte Film ist. Unter dem Genre-Mix hat die an die Nieren gehende Aufarbeitung der wahren Ereignisse allerdings zu keinem Zeitpunkt zu leiden!
Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 6. Mai 2010
Ich muß ehrlich sagen alle Achtung Herr Eastwood. Dieser Film ist wirklich ausgezeichnet. Die Story ist hervorragend erzählt und fesselt einen bis zum Schluß. Diese wahre Begebenheit wird so hemmunslos und tiefgründig erzählt, dass ein normal denkender Mensch wirklich in Fassungslosigkeit gerät, wenn man sich überlegt, dass es so etwas wirklich gegeben haben sollte.

In eigener Sache:

Die Todestrafe ist nach wie vor verboten und das wird wahrschinlich auch immer so bleiben. Aber sehen sie sich den Film an und urteilen sie selbst, welche "Menschen" es auf unserer Erde gibt und versetzen sie sich in die Lage, dass es ihr eigenes Kind sein könnte.

Aufgrund der Schwere der Tat und auch der Grausamkeit wird in diesem Film laut dem Gericht die Todesstrafe vollstreckt, da diese zu der Zeit des Geschehens immer noch im Gesetz verankert gewesen ist.

Ich auf jeden Fall hatte keineswegs Mitleid mit dem Mörder. Das wollte ich nur einmal anmerken.
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