Gutes Schauspiel gegen schwache Dialoge!
Sam Mendes schuf mit „American Beauty“ 1999 einen tollen Film-Klassiker des späten 20. Jahrhunderts. Es war sein großer Durchbruch in Hollywood und sein erster Kinofilm. Auch seine späteren Werke („Road to Perdition“ und „Jarhead“) hatten eine sehr gute Qualität. 2008 verfilmte Mendes dann den Roman „Zeiten des Aufruhrs“ von Richard Yates (im Englischen „Revolutionary Road“). Mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen als streitendes Ehepaar, wirkt der Film wie eine ironische Antwort auf den ikonisch, kitschigen „Titanic“ von 1997. Doch das Drama zeigt vor allem eine gescheiterte Ehe zwischen zwei Menschen, die verschiedene Ziele in ihrem Leben haben. Für den Film gab es viele Nominierungen bei Oscars (insgesamt drei) und Golden Globes (bei den letzteren gewann Kate Winslet eine Trophäe unter insgesamt vier) und bei Kritikern und Zuschauern konnte das Drama besonders in der schauspielerischen Kategorie punkten. Viele waren sicherlich glücklich DiCaprio und Winslet nochmal zusammen als Leinwandpaar zu sehen, dieses Mal ohne ein sinkendes Schiff. Und in dieser Hinsicht liefert „Zeiten des Aufruhrs“ auch ab. Doch ich muss schon sagen, dass ich ganz schön enttäuscht von Mendes´ Film bin, denn ohne die Schauspieler*innen, wäre das hier eine sehr schlechte Adaption des Stoffes.
Die Handlung spielt Ende der 40er: Frank und April lernen sich auf einer Party kennen und verlieben sich ineinander. Nach der Hochzeit folgen zwei Kinder und alles scheint perfekt. Die Familie zieht in ein wunderschönes Haus und Frank hat einen respektablen Job, mit dem er seine Familie ernähren kann. Doch weder Frank noch April sind wirklich glücklich. Frank hasst seinen Job und April möchte unbedingt nach Paris ziehen und dort ein neues Leben beginnen…
Wie gesagt sind die Darsteller*innen hier wohl das Beste an dem Streifen. DiCaprio und Winslet spielen wie immer toll, auch wenn sie hier leider nichts Neues zeigen in ihren Figuren. DiCaprio spielt den zerrissenen Ehemann, der seiner Frau fremd geht und Winslet spielt die zerrissene, abgebrühte Ehefrau, all das haben wir bereits mehrere Male gesehen. Aber sie sind sehr gut darin! Daneben haben wir Michael Shannon, eine junge Kathryn Hahn und einen ebenso jungen David Harbour. Und um das „Titanic“-Reunion perfekt zu machen, gibt sich auch Kathy Bates in einer kleinen Rolle die Ehre. Und alle spielen wirklich gut, trotz des Drehbuchs.
Und damit kommen wir auch schon zum großen Schwachpunkt des Films: Das Skript. Ich bin mir ziemlich sicher, dass „American Beauty“ vor allem durch das grandiose Drehbuch von Alan Ball so gut geworden ist. Hier jedoch schrieb Justin Haythe das Buch, der offenbar kein großes Talent darin besitzt. Seine Dialoge sind peinlich kitschig und ausgelutscht. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass die Darsteller*innen eher gegen das Drehbuch anspielen, anstatt mit den Texten wirklich zu arbeiten. Kein Wunder, dass mir die großen Streitszenen, die ganz klar als Höhepunkte dieses Dramas gedacht sind, deswegen auch nicht gefallen haben. Selten wirkte ein Streitgespräch zwischen Leo und Kate natürlich. Nicht vom Spielerischen her, aber aufgrund der Dialoge. Es sind überraschend typische 0815-Texte, die man schon tausende Male gehört hat. Beide Figuren hören sich nicht wirklich zu und reden stur einander vorbei. Und auch wenn es sicherlich solche Streits gibt, so würde ich behaupten, dass die Mehrheit solcher Meinungsverschiedenheiten sehr anders aussehen. Hier wirkt alles zu glatt poliert und zu gewollt dramatisch, so als ob man einfach die beiden Schauspielgrößen in bewegend, tragischen Momenten sehen wollte.
Die eigentlichen Figuren jedoch bleiben mir persönlich zu blass und der große Konflikt des Films, ist tatsächlich sehr schwarz-weiß inszeniert. Das wird vor allem durch die kuriose Figur von Michael Shannon klar, welche als Stimme der unterdrückten Moral fungiert. Nicht selten wirkt der Film und seine Geschichte dadurch sehr plump und fast schon unfreiwillig komisch, ganz zu schwiegen davon, dass ein Großteil des Films sehr vorhersehbar ist.
Dabei gibt es einige hübsche Momente und Ideen, die der Film und die Story jedoch nie wirklich verfolgen. Die Themen bleiben mir einfach zu schwammig oder zu undifferenziert.
Technisch kann „Zeiten des Aufruhrs“ mit einer schicken Kameraarbeit von Roger Deakins auftrumpfen, während Thomas Newman einen typisch, sentimentalen Score á la „american Beauty“ abliefert. Und „American Beauty“ ist ein gutes Stichwort, denn „Zeiten des Aufruhrs“ wirkt eine deutlich schwächere Version des Klassikers, da beide Filme eine ähnliche Thematik verfolgen. Nur dieses Mal spielt die Geschichte eben in den 40ern, statt in den 90ern. Leider fehlt es diesem Werk hier an Schärfe und rücksichtslosem Biss, die „American Beauty“ so beeindruckend umsetzen konnte (und das neun Jahre zuvor).
Fazit: „Zeiten des Aufruhrs“ ist bestenfalls ein nettes Drama mit guten Darsteller*innen, welches jedoch mit einem mutlosen und schwachen Drehbuch aufwartet. Sehr schade, dass das große Leinwandpaar-Comebck von DiCaprio und Winslet so enttäuschend ausgefallen ist. Da war mir die Liebesbeziehung der beiden in „Titanic“ tatsächlich spannender gestaltet als hier!