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    Love Happens
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Love Happens
    Von Christoph Petersen
    Um mit einem Irrtum gleich vorneweg aufzuräumen: Nur weil das Wort „Love“ im Titel vorkommt und Jennifer Aniston eine der Hauptrollen bekleidet, heißt das noch lange nicht, dass man es mit einer romantischen Komödie zu tun hat! Bei „Love Happens“ handelt es sich nämlich, auch wenn Aniston einige kleine Rom-Com-Elemente in den Film hineinschmuggelt, um ein waschechtes Drama. Regiedebütant Brandon Camp (Drehbuch zu Im Zeichen der Libelle) nimmt sich einen Guru à la Tom Cruises Frank T.J. Mackey aus Magnolia zur Brust, der anderen Menschen über eine Trauer hinweghilft, an der er selbst zunehmend zerbricht. Dieser Ansatz birgt gewiss eine Menge tragisches Potential, doch anstatt das Drama dieses Mannes sauber zu Ende zu erzählen, verliert sich der Film schließlich selbst in den hohlen Phrasen, mit denen die Hauptfigur bei ihren Seminaren so großzügig um sich schmeißt.

    Nach dem Unfalltod seiner Frau Cynthia (Michelle Harrison) hat Dr. Burke Ryan (Aaron Eckhart) für sich selbst ein Buch geschrieben, um über den Verlust hinwegzukommen. Geholfen hat dies aber nur seinem Bankkonto. Denn während er selbst innerlich noch immer ein Wrack ist, entwickelte sich sein Lebensratgeber zum Bestseller und er selbst veranstaltet inzwischen überall im Land erfolgreiche Trauerseminare. Sein nächster Auftritt führt Burke nach Seattle und damit an jenen Ort, an dem er vor drei Jahren seine Frau verloren hat. Den Dämonen der Vergangenheit weiter auszuweichen, scheint endgültig unmöglich, zumal auch Cynthias erboster Vater (Martin Sheen) plötzlich auf dem Seminar auftaucht. Da hat Burke schon ziemliches Glück, dass die liebenswürdige Blumenhändlerin Eloise (Jennifer Aniston), die sich einfach taubstumm stellt, wenn sie einen ungebetenen Verehrer abwimmeln will, den Trauerguru bei seiner eigenen Trauerarbeit bei der Hand nimmt...

    Aaron Eckhart (The Black Dahlia, The Dark Knight) spielt eine ganz ähnliche Rolle wie in Thank You For Smoking. Genau wie in Jason Reitmans Anti-Raucher-Komödie verkörpert er auch hier eine charismatische Rampensau, die mit ihren Reden alles und jeden mitreißt. Doch es gibt einen gewaltigen Unterschied. Wo Reitman die Figur für bittere Satire nutzte, legt Brandon Camp seinen Protagonisten bierernst an. Das an sich wäre noch kein Problem, doch leider nimmt der Filmemacher auch Burkes hohle Phrasen durchweg für voll. Zwar bekommt Burke selbst sein Fett weg, aber nur deshalb, weil er sich nicht an seine eigenen Weisheiten hält, er zum Beispiel jeden Tag Wodka in sich hineinschüttet, obwohl Alkohol laut seines Ratgebers doch auf keinen Fall eine Lösung darstellt. „Love Happens“ steht der ganzen Ratgeber- und Seelenguru-Industrie damit sehr aufgeschlossen und unkritisch gegenüber. Das muss man erst einmal schlucken.

    „Wenn einem das Leben Zitronen hinwirft, kann man entweder ein saures Gesicht oder aber Limonade machen.“ Zu Beginn zahlt sich die Ernsthaftigkeit des Films noch aus. Gerade weil Burke nicht als Scharlatan eingeführt wird - immerhin will er selbst unbedingt an seine Floskeln glauben, kann es nur nicht - geht einem die Figur tatsächlich nahe. Auch die Entscheidung, mit Aaron Eckhart einen Hauptdarsteller an Bord zu holen, der schauspielerisch einiges mehr als nur gutes Aussehen auf dem Kasten hat, zahlt sich hier aus. In der besten Szene des Films sieht man, wie Burke vor der Tür zum mit hunderten Fans gefüllten Seminarraum um sein aufgesetztes Siegerlächeln ringt, mit dem er gleich die Massen begeistern wird. Gerade für eine Studioproduktion, bei denen häufig das oberste Gebot gilt, niemandem weh zu tun und zu verschrecken, ist ein solch ernsthafter Umgang mit dem ungemütlichen Thema Trauerarbeit durchaus eine positive Überraschung.

    Ist die Charakterzeichnung aber erst einmal abgeschlossen und geht es dann an Burkes Heilung, nimmt die Qualität des Films stetig ab. Kleine Momente der Wahrheit, wie eben der mit dem Siegerlächeln, weichen zunehmend großen, aber banalen Gesten. Da wird ein Seminarteilnehmer und ehemaliger Bauunternehmer, dessen Sohn auf einer Baustelle ums Leben gekommen ist, von Burke in einen Heimwerkermarkt geschleppt, wo der Guru das Leben seines Schützlings mit Werkzeugen im Wert von 2.700 Dollar wieder in die richtige Bahn lenkt. Wie bitte? Und wenn Burke den Papagei seiner verstorbenen Frau symbolisch an einem nebelverhangenen Flussbett in die Freiheit entlässt, ist das nicht bewegend, sondern porenreiner Kitsch. Jennifer Aniston (Wo die Liebe hinfällt, Er steht einfach nicht auf Dich), diesmal zu 50 Prozent flippig und zu 50 Prozent mütterlich-fürsorglich, macht den Seelenheilquark mit ihrer gewohnt charmanten Art zwar erträglich, aber ernsthaft rumreißen kann auch sie das Ruder nicht mehr.

    Fazit: Einer starken ersten Hälfte folgt eine fragwürdige zweite. Nähert sich der Film seiner Trauerthematik zu Beginn noch intelligent und einfühlsam, gleitet er doch zusehends in Richtung trivialer Lebensweisheiten ab. Auch zwei überzeugende Hauptdarsteller helfen da nur noch bedingt.
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