Auch heute noch ein unterhaltsames Aufeinandertreffen der Marvel-Charaktere!
Als 2008 „Iron Man“ das Marvel Cinematic Universe (MCU) lostrat, waren die Erwartungen von Fans groß. Es dauerte vier Jahre, bis Regisseur Joss Whedon die Supderhelden um Tony Stark, Captain America, Thor, Black Widow und Hawkeye zusammen auf die Leinwand brachte. 2012 erschien also das große Spektakel „The Avengers“ (in den vorherigen Filmen kurioserweise noch als „Rächer“-Initiative betitelt…). Whedon, der zuvor vor allem als Drehbuchautor für TV-Serien arbeitete und bis dato nur einen Film gedreht hatte („Serenity“), lieferte einen der einflussreichsten und populärsten Superheldenfilme aller Zeiten ab. Seitdem haben die Avengers die Popkultur aufgemischt und sind nicht mehr wegzudenken. Auch ich wurde damals vom Hype mitgerissen. Doch nun, nach über einem Jahrzehnt, kann man das Ganze etwas nüchterner betrachten. Was vor allem immer wieder viele vergessen, wie schwach die erste Phase an Filmen vor „The Avengers“ war. „Iron Man“ und „Captain America“ waren da noch die besten Exemplare, auch wenn beide Filme alles andere als perfekt sind. Doch in diesem ersten großen Zusammentreffen entwickelten sich neue Dynamiken, die dem Ganzen einen kindlichen Charme gab, der bis heute der größte Pluspunkt des Films ist.
Thors Bruder Loki will die Menschheit unterjochen, in dem er einen Pakt mit der außerirdischen Rasse der Chitauri gemacht hat. Nick Fury und seine Armada an *innen haben nur eine Wahl. Sie müssen die Avengers-Initiative ins Leben rufen. So werden nun Iron Man/ Tony Stark, der Hulk/ Bruce Banner, Captain America/ Steve Rogers, Thor, Black Widow/ Natasha Romanoff und Hawkeye/ Clint Barton zusammen gebracht und müssen zeigen, dass die Menschheit doch nicht so schwach ist…
Während „Captain America“ und „Thor“ bereits etabliert waren und Tony Stark sogar zwei Filme bekommen hatte, waren Black Widow und Hawkeye nur Nebenfiguren gewesen und keine sonderlich spannenden. Es sollte erst nach „Endgame“ (2019) für beide einen Film bzw. eine Serie geben (viel zu spät in meinen Augen). Auch der Hulk hatte es nicht leicht: Nachdem Edward Norton zwar Bruce Banner in einem Film gespielt hatte, entschied man sich für Mark Ruffalo, der ursprünglich auch für die Rolle vorgesehen war. Und Ruffalo ist ein ganz anderer Banner als der aus dem Film von 2008. Und das ist gut, denn Ruffalo gibt dem grünen Jekyll/Hyde-Verschnitt deutlich mehr Charakter und Verletzlichkeit.
Generell ist der Cast hier einer der stärksten Aspekte des Films: Robert Downey Jr. und Chris Evans haben in ihren Rollen und ihrer angespannten Beziehung zueinander eine spannende Dynamik, die wichtig war für die Zukunft der Filme (besonders in „Civil War“). Aber auch Chris Hemsworth als Thor wirkt deutlich befreiter als unter Kenneth Branaghs steifer Inszenierung. Ebenso konnten sich Black Widow (Scarlett Johansson) und Hawkeye (Jeremy Renner) als solide Figuren im Team etablieren, ebenso wie Nick Fury (Samuel L. Jackson) und vor allem Agent Coulson (Clark Gregg). Weiterhin gibt es Auftritte von anderen Figuren vorheriger Filme, wie Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) oder Stellan Skarsgård. Der zentrale Antagonist ist Tom Hiddelston als Loki und bis dato war er definitiv der beste Gegenspieler der ganzen Filme, konnte er sich schon im zähen „Thor“ als beste Figur etablieren.
Und alle haben sichtlich Spaß daran in diesem verrückten und von Logik befreitem Superhelden-Film mitzuwirken. Das ist toll, denn dieser Spaß überträgt sich wunderbar auf das Publikum und bringt mich immer noch zum Lachen. Vor allem aber macht es diese gottgleichen Held*innen so viel menschlicher und sympathischer.
Die Story ist relativ simple gehalten, wird aber größtenteils sehr rasant und actionreich inszeniert. Der Anfang des Films ist zwar etwas schleppend und die Dialoge sind stellenweise wirklich trashig, aber auch das macht den Charme dieses Films aus. „The Avengers“ hat diesen Vibe eines Cartoons, den man Samstagmorgen im Fernsehen sehen konnte: Kitschige Dialoge, viel Action und Spaß. Und genau das vermittelt dieser Film und genau das wollte Whedon auch. Mit diesem Film ging Marvel auch immer stärker in die Richtung der locker leichten Witze, die die Figuren immer wieder von sich geben, was leider irgendwann auch das ausgelutschte Klischee dieser Filme wurde…
Optisch ist der Film größtenteils sehr gut gemacht, vor allem die Action ist sehr unterhaltsam, rasant und spannend inszeniert. Whedon und sein Team hatten ein gutes Gespür dafür, wie man diese Held*innen in ihren Kämpfen einfängt. Zudem gibt es immer wieder Kämpfe zwischen den Avengers selbst, was nicht nur Fans begeistert hat, sondern auch thematisch gut zur Story passte. Dennoch ist die Optik des Films stellenweise sehr ernüchternd, was an einer überraschend flachen Beleuchtung der Szenen liegt. Alles wirkt wie aus eine TV-Film, was nicht verwunderlich ist, da Whedon ja seine Wurzeln im Fernsehen hatte. Das ist kein Deal-Breaker für mich, aber aus heutiger Sicht sehr auffallend, besonders wenn man die späteren MCU-Filme betrachtet.
Musikalisch lieferte Alan Silvestri einen soliden Score ab mit dem wohl populärsten Superheldenthema des 21. Jahrhunderts. Das Avengers-Thema ist einfach genial, mitreißend und gibt dem Film musikalisch einen echten Wiedererkennungswert, im Gegensatz zu den restlichen Filmen der Reihe.
Fazit: „The Avengers“ ist kein perfekter Film und aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so großartig, wie ich ihn damals empfand. Dennoch ist das Zusammenspiel der verschiedenen Figuren ein Genuss, besonders der Cast macht das Ganze so spaßig. Hinzu kommt unterhaltsame Action und ein tolles musikalisches Thema, das das alles zusammen hält. Für Marvel war dies der wohl bis dato wichtigste Film, denn ab hier ging der Hype um Iron Man & Co erst richtig los.