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    Waterworld
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Waterworld
    Von René Schumacher
    Als „Waterworld“ 1995 in die Kinos kam, war er der teuerste Film aller Zeiten und wurde in dieser Rangliste erst 1997 durch James Camerons Titanic abgelöst. Daher war die Erwartungshaltung der Zuschauer groß und leider konnten weder Regisseur Kevin Reynolds noch Hauptdarsteller Kevin Costner dieser mit ihrem Film gerecht werden. Augrund des hohen Budgets und nach Costners Mega-Erfolg Der mit dem Wolf tanzt hatten viele ein neues Meisterwerk erwartet, aber die Filme lassen sich nicht miteinander vergleichen. „Waterworld“ ist reines Unterhaltungskino; eine Endzeit-Vision; eine „Mad-Max“-Variante im Wasser, aber wesentlich bombastischer, mit aufwändigen Bauten und Actionsequenzen, tollen Bildern und viel Liebe für die kleinsten Details in der Ausstattung. Er wäre ein rundum perfekter Unterhaltungsfilm, wenn nicht die Geschichte selber einige eklatante Schwächen aufweisen würde, welche viele Zuschauer dem Film nicht verzeihen konnten.

    Die Geschichte spielt in einer Zukunft, in der die Polkappen geschmolzen sind und die gesamte Landmasse überflutet worden ist. Die Menschen leben auf Schiffen oder so genannten Atollen, schwimmenden, behelfsmäßig zusammen gezimmerten Städten. Eine lebensfeindliche Welt, in der sich aber der Mariner (Kevin Costner) sehr wohl fühlt. Er ist ein Mutant, ein ausgestoßener Einzelgänger, der unter Wasser atmen kann, Schwimmhäute besitzt und dementsprechend perfekt an dieses Leben angepasst ist. Für den Rest der Menschheit existiert nur Hoffnung in der Legende von „Dryland“. Angeblich soll es irgendwo in der unendlichen Weite der Ozeane noch Festland geben, eine Insel, bei der man noch festen Boden unter den Füßen hat. Diese hat zwar noch nie jemand gesehen, aber ein kleines Mädchen soll der Legende nach eine Tätowierung auf dem Rücken haben, die den Weg nach „Dryland“ zeigt. Hinter dieser Karte ist Deacon (Dennis Hopper) her. Er ist Anführer einer brutalen Gang, den „Smokers“, die ihren Sitz auf einem alten Öltanker haben und die sich ihren Lebensunterhalt durch das Überfallen von Atollen verdienen. Deacon findet dieses Mädchen auch tatsächlich in Person der kleinen Enola (Tina Majorino). Diese lebt mit ihrer Adoptivmutter Helen (Jeanne Tripplehorn) und dem etwas verrücktem Wissenschaftler Gregor (Michael Jeter) in einem kleinen Atoll, in dem Gregor erfolglos versucht, das Geheimnis der Tätowierung auf Enolas Rücken zu lösen. Doch bei Deacons Überfall auf das Atoll, um Enola in die Hände zu bekommen, macht er den Fehler, dem Mariner in die Quere zu kommen, der zum Handeln hier angelegt hat. Nach der spektakulären Schlacht um das Atoll hat Deacon ein Auge weniger, dafür der Mariner vier Augen zu viel an Bord seines High-Tech-Trimarans. Helen und Enola haben sich auf sein Schiff geflüchtet und ab diesem Zeitpunkt hat der mürrische Einzelgänger die ständig plappernde Tina nebst Ziehmutter am Hals und den äußerst wütenden Deacon mit seiner Smokers-Armee im Kielwasser…

    Die Entstehungsgeschichte des Films stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. So entschied sich die Produktion aus Gründen der Authentizität, das Atoll, in dem Enola lebt, in den Gewässern vor Hawai im Originalmaßstab aufzubauen. Allein dieses Set verschlang Unsummen, da es in einem Sturm unterging und noch einmal komplett wiederaufgebaut werden musste. Die unter anderem dadurch stetig wachsenden Kosten des Films, die eigentlich nur auf 100 Millionen Dollar veranschlagt waren, führten zu mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, als den Filmemachern lieb sein konnte. Es wurde plötzlich über unwichtige Details wie den Haarausfall Kevin Costners während der Dreharbeiten diskutiert, was die Filmemacher sogar so ernst nahmen, das sie Szenen digital nachbearbeiten ließen, was wiederum neue Kosten nach sich zog. Als am Ende noch Regisseur Kevin Reynolds den Regiestuhl für Costner selber räumen musste und die Produktionskosten auf 175 Millionen Dollar angewachsen waren, sprachen viele schon vorab scherzhaft von einem „Kevin´s Gate“ in Anlehnung an den Film „Heaven´s Gate“, der als einer der größten kommerziellen Flops in die amerikanische Filmgeschichte eingegangen ist. Zu Unrecht, denn „Waterworld“ spielte weltweit mehr als 255 Millionen Dollar ein und ist einer der besten Action-Filme, den das Endzeit-Genre zu bieten hat.

    Der Überfall der Smokers auf Enolas Atoll wird grandios in Szene gesetzt, es wird berannt wie eine mittelalterliche Burg, da gibt es eigens konstruierte Boote mit Sprungschanzen, über die Angreifer mit ihren Jet-Skis in die Festung reinspringen und Deacons Männer bringen sogar ein auf einem Landungsboot montiertes Flak-MG zum Einsatz. Costner selber springt, schießt, taucht, klettert und hangelt sich durch den Film wie nur ein Mutant es könnte und auch sein Gegenspieler Deacon lässt im weiteren Verlauf des Films nichts unversucht, um ihn in die Finger zu bekommen. Er jagt ihn auf, unter und sogar über dem Wasser mit einem Wasserflugzeug, dass vom Tanker der Smokers wie bei alten Schlachtschiffen von einer Rampe aus gestartet werden kann. Die Verfolgungsjagden auf dem Meer sind rasant in Szene gesetzt, in einer spektakulären Sequenz flüchtet Costner auf seinem Trimaran nicht nur vor den Smokern, gleichzeitig sammelt er noch sein im Wasser schwimmendes Hab und Gut ein und verfolgt noch ein Boot, dessen Besitzer ihn beklaut hat, während er auf einem Tauchgang war. In den Ruhepausen gibt es immer wieder schöne Ideen, unter anderem zeigt der Mariner der überraschten Helen, wo seines Erachtens nach „Dryland“ liegt, wobei surreale, aber faszinierende Bilder einer versunkenen Stadt entstanden sind, in deren Trümmern ein U-Boot liegt.

    Überhaupt ist die Optik und die daraus resultierende Atmosphäre eine seiner stärksten Seiten. Erzeugt wird sie unter anderem durch eine große Detailverliebtheit. Die Kostümabteilung hat Großartiges geleistet, die Kleider der Leute sind aus allen erdenklichen Sachen, die man aus Müll und dem Meer rausholen kann, zusammengesetzt. Ob nun Gräten, Schuppen oder getrocknete Schwämme verarbeitet werden, dies alles gibt einem das Gefühl, das eine Welt, die nur noch aus Wasser besteht, wirklich so aussehen könnte. Die Waffen, die Fahrzeuge, alles sieht aus wie schon dutzende Male auseinandergenommen und wieder behelfsmäßig repariert, was logisch erscheint, denn man muss in dieser Welt mit dem auskommen, was da ist. Hier haben die Filmemacher auch immer wieder nette Kleinigkeiten eingebaut, so gibt es zum Beispiel beim Beschießen des Atolls mit dem Flak-MG auf dem Boot tatsächlich einen Jungen, der die leeren Patronenhülsen sammelt, damit man sie wiederverwerten kann. Natürlich bietet auch das Meer an sich schon eine bildgewaltige Kulisse, die wesentlich billiger zu haben war. Man merkt, dass vor Hawaii gedreht wurde, alles hat einen gewissen Südseetouch, es scheint immer die Sonne, das Meer ist grün und kristallklar und wenn der Mariner mit seinem Trimaran durch das Wasser schießt, dann überlegt man sich schon, ob ein Segelurlaub nicht mal eine gute Idee wäre.

    Beide Hauptdarsteller, sowohl Kevin Costner als auch Dennis Hopper, spielen ihre Rollen absolut glaubhaft. Costner überzeugt als wortkarger Einzelgänger, der anfangs den meisten Menschen dieselbe Verachtung entgegenbringt, wie sie für ihn als Mutanten übrig haben. So schmeißt er auch ohne große Gewissenbisse die kleine Enola aus seinem Boot und würde sie ihrem Schicksal überlassen, wenn nicht ihre attraktive Adoptivmutter Helen hinterher springen würde. Hopper als sein Gegenpart ist alles andere als wortkarg, er spielt einen irgendwie auch sympathischen Bösewicht, der genug Probleme hat, seine eigenen Smokers bei Laune zu halten und den Mutanten mit immer neuen phantasievollen Anreden tituliert wie „Gentleman-Guppy“ oder „Ichtyo-Freak“.

    Allerdings gelingt es dem Film trotz allem nicht, die Absurdität der Geschichte zu verschleiern. Das fängt schon an bei dem Fakt, dass auch das Schmelzen allen Eises dieser Welt nicht zur totalen Sinnflut führen würde. Weiterhin wäre es dann immer noch sehr merkwürdig, dass die gesamte Welt vergessen hat, dass der höchste Punkt der Erde der Mount Everest ist und auch nicht mehr weiß, wo er liegt. Die Ausstattung und zahlreiche Kleinigkeiten sollen Authentizität vermitteln, aber dann verfahren die Smokers so viel Benzin, dass es nicht sehr glaubhaft wirkt, dass sie im Tanker immer noch Reserven haben, auch wenn sie manchmal kräftig rudern. Außerdem kann man mit Rohöl keine Fahrzeuge betreiben und eine Benzinraffinerie haben sie nicht im Schlepptau. Natürlich kann man solche Betrachtungen noch als Haarspalterei abtun, aber sogar bei wichtigen Teilen der Geschichte zeigen sich massive Mängel. Warum Enola die Tätowierung trägt, wie sie überhaupt so weit von der Insel weggekommen ist, dass man sie, aber nicht die Insel gefunden hat und was eigentlich genau mit ihren Eltern geschah, darauf hat der Film wenig Antworten. Den Filmemachern selbst schien die Geschichte wohl ebenfalls auf ziemlich wackeligen Beinen zu stehen, denn sie ließen extra noch einmal Joss Whedon als „Drehbuchdoktor“ zu den Dreharbeiten einfliegen, um die Ungereimtheiten und die Löcher des Drehbuches zu bearbeiten. Whedon erlangte später noch einige Berühmtheit, indem er aus dem filmischen Flop „Buffy – Die Vampirjägerin“ die äußerst erfolgreiche „Buffy“-TV-Serie machen konnte. In der fertigen Fassung wirkt die Geschichte zwar immer noch an einigen Stellen arg konstruiert, dafür hat sie aber auch mit dem Mariner und Deacon zwei interessante Hauptcharaktere und eine Menge witziger Dialoge zu bieten.

    Trotz aller Schwierigkeiten und der alles andere als entspannt verlaufenen Entstehungsgeschichte ist Kevin Reynolds mit „Waterworld“ opulentes und unterhaltsames Hollywoodkino gelungen. Und wer genau hinsieht, der wird sogar Jack Black (School Of Rock, King Kong) in einer seiner frühen, kurzen Kinofilmrollen als Smokers-Pilot erkennen. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich „Waterworld“ vor allem durch seine exzellente Optik auszeichnet.
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