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    Arn - Der Kreuzritter
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Arn - Der Kreuzritter
    Von Christian Horn

    Das Mittelalter fasziniert die Menschen seit dessen Verklärung im Zuge der Romantik. Der Dreck, die Pest, hungernde Bauern und Hexenverbrennungen auf der einen, edle Ritter, holde Jungfrauen, unberührte Wälder und die Helden der Tafelrunde auf der anderen Seite – irgendwo in diesem Spannungsfeld keimt das Interesse an jener Epoche. Und das findet regelmäßig auch filmische Ausdrucksformen, die sich großen Interesses erfreuen: Beispiele sind Der Name der Rose, „Johanna von Orleans“, „Der erste Ritter“ und Ritter aus Leidenschaft. Jetzt ist es mal wieder so weit: Mit Peter Flinths „Arn – Der Kreuzritter“ steht ein neuer Mittelalter-Schinken (diesmal aus Schweden) vor der Tür, der auf einem Roman von Jan Guillou basiert und es hierzulande verständlicherweise nur in die Videotheken und nicht auf die große Leinwand geschafft hat: zu konstruiert und unglaubwürdig ist die Geschichte, zu sauber und gelackt deren Protagonisten.

    Der stramme Bursche Arn Magnusson (der schwedische TV-Star Joakim Nätterqvist) wird von einem Orden zum Kämpfer ausgebildet. Das Schwert führt er wie eine Feder, sein Körper ist top in Schuss und gestählt. Im Mannesalter verliebt er sich in die schöne Cecilia (das TV-Starlet Sofia Helin), deren Vater einem verfeindeten Clan angehört – William Shakespeares Romeo + Julia lässt grüßen. Auch Cecilia mag Arn und nach einem romantischen Schäferstündchen auf dem moosbewachsenen Waldboden ist sie auch schon schwanger. Das hat in der religiös geprägten Welt des Mittelalters natürlich Konsequenzen: Cecilia wird in ein Kloster verfrachtet, wo sie unter der Tyrannei einer hundsgemeinen Obernonne leidet. Und Arn muss nach Palästina an die Front: auf Kreuzzug. Der Schwerpunkt der Erzählung liegt in der Folge selbstverständlich auf Arn, auf Cecilias Leid wird lediglich in Einschüben aufmerksam gemacht - auf das der Zuschauer sie nicht vergisst. Arn trifft im Kreuzzugs-Gebiet auf den Heerführer der Sarazenen und freundet sich mit diesem an. Doch der Krieg um Jerusalem entzweit die beiden zwangsläufig, obschon sie sich innerlich noch immer verbunden fühlen...

    Es tangiert schon die Grenze der Schwachsinnigkeit, dass Arn und der Heerführer des Feindes sich anfreunden. Aber das ist nicht das einzige Manko des Streifens: Die Geschichte ist insgesamt zu unglaubwürdig und durchschaubar. Arns und Cecilias Passionen sind zu konstruiert, um den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen.

    Einen guten Teil zur Verpuffung der ehrzählerischen Elemente trägt die glattgebügelte Inszenierung bei. Das Mittelalter bei Peter Flinth ist nicht schmutzig, sondern so sauber, dass es an Hochglanz-TV à la MTV erinnert. Arn wirkt mit seinen blonden Wuschelhaaren, der Stupsnase und seiner liebevollen Art gehörig aus der Zeit gefallen. Man vermisst den Dreck unter den Fingernägeln. Auch darüber hinaus macht die Regie nur wenig richtig: Wendungen und Kniffe sind selten. Wenn sie dann doch angebracht werden, wirken sie aufgesetzt. Die emotionstriefende, die Bilder schlicht doppelnde Musik gibt „Arn – Der Kreuzritter“ dann den inszenatorischen Rest und entlarvt ihn endgültig als Schnulze im Mittelalter-Gewand. Das alles hat man schon tausend Mal gesehen – und die meisten Male davon sogar besser. Am deutlichsten macht sich dies bei der läppischen Ansprache Arns vor der finalen Schlacht bemerkbar, die sich deutlich an jener Mel Gibsons in Braveheart orientiert – natürlich ohne auch nur einen Hauch der Klasse von Gibsons mittlerweile zum Kult avancierten Ansprache zu erreichen.

    In erster Linie ist „Arn – Der Kreuzritter“ eine Liebesgeschichte. Daneben spielen Standard-Motive der Mittelalter-Rezeption wie Ehre, Mut und Treue eine entscheidende Rolle. Dass Peter Flinths diese Thematiken nicht ordentlich und glaubwürdig auf die Reihe bekommt, geschweige denn sie erweitert, ist der wesentliche Kritikpunkt an seinem Film. Einzig die hübsch anzusehenden Bilder, denen man das beachtliche Budget von 28 Millionen Dollar anmerkt, stehen auf der Habenseite des Films. Wenn der Abspann rollt, denkt man trotzdem: noch eine überflüssige Mittelalter-Schnulze. Und dann hat man Arn und Cecilia auch schon wieder vergessen.

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