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    Rounders
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Rounders
    Von Thilo Podann
    Erst als sich 2004 ein amerikanischer Amateurspieler mit dem absurd passenden Namen Chris Moneymaker die Pokerweltmeisterschaft und damit 2,5 Millionen US-Dollar gewann, begann der weltweite Pokerboom. Etwas zu spät für den sechs Jahre zuvor gedrehten Film „Rounders" in dem John Dahl („Joyride – Spritztour") die Atmosphäre verqualmter Pokerräume und der Sucht nach schnellem Geld packend einfing. Bei seinem Debüt eher unbeachtet, gilt der Film heute auch und vor allem bei Profipokerspielern zu den besten und realistischsten seiner Gattung.

    Mike McDermott (Matt Damon) ist engagierter Jurastudent, doch neben seinem Interesse und Talent für Gesetzestexte ist er besessen vom Kartenspiel. Nachts treibt er sich in zwielichtigen Undergroundclubs herum und zieht dort den Gangstern das Geld aus der Tasche. Doch trotz seines mathematischen Talents verliert er einen Großteil seines Vermögens gegen den russischen Mafiosi Teddy KGB (John Malkovich) und will fortan die Finger von den Karten lassen. Doch als sein alter Freund Lester Murphy (Edward Norton), der wegen seiner cleveren und schleimigen Art nur Worm genannt wird, aus dem Gefängnis kommt, geht das Spiel erst richtig los: Dank Mikes Poker- und Worms Fingerfertigkeit kommt das Duo schnell zu sehr viel Geld. Doch dann kommt es erneut zum großen Showdown und wieder heißt der Gegner Teddy KGB...

    „If there was no luck involved, I would win everytime" sagte der amerikanische Pokersuperstar und Rekordgewinner der World Series of Poker (WSOP) Phil Hellmuth einst in einem Interview. Mit anderen Worten: Poker hat zwar einen gewissen Glücksfaktor, doch der strategische Anteil überwiegt, und macht das Spiel erst so reizvoll. Genau hier knüpft „Rounders" an: Kein Portrait eines pathologischen Zockers wird gezeichnet, sondern das eines cleveren Studenten, der seinen Gegnern durch intellektuelle Fähigkeiten überlegen ist und nicht wegen seines Glücks. Und doch ist es genau dieser Glücks-, bzw. Pechfaktor, der ihm zu Beginn des Films trotz seiner überlegenen Spielstärke fast sein gesamtes Vermögen kostet.

    Genau in diesem Wechselspiel zwischen Können und Glück liegt die Zerrissenheit von Mike. Immer wieder zieht es den eigentlich rationalen Juristen an den Pokertisch zurück. Natürlich reizt ihn auch das Geld, aber anders als sein Kumpel Worm ist Mike mindestens ebenso sehr von Strategie und Mathematik des vielschichtigen Kartenspiels fasziniert. Der Biografie eines spielsüchtigen entspricht er jedenfalls nicht, wodurch es leicht fällt sich mit ihm zu identifizieren.

    Kurz vor seinem großen Durchbruch gibt Matt Damon den pokerspielenden Jurastudenten ebenso überzeugend wie Edward Norton den charmanten Kleinkriminellen Worm. Und John Malkovich schafft mit seinem russischen Oreo-Fan Teddy KBG einmal mehr eine gleichermaßen faszinierende, wie bedrohliche Kultfigur. An ihrer Seite spielen John Turturro und Martin Landau, während Gretchen Mol als Mikes Freundin Jo und Famke Janssen eher blass bleiben.

    Fazit: „Rounders" ist eine packende Milieustudie, die das Pokerspiel so realistisch darstellt wie kaum ein anderer Film. Wer noch nicht vom Pokervirus befallen war, wird spätestens nach dem Genuss der DVD das zucken in den Fingern spüren.
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