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    Enemies - Welcome to the Punch
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Enemies - Welcome to the Punch
    Von Robert Cherkowski

    Aus Großbritannien kommen schon seit Jahrzehnten beeindruckende Gangsterfilme, wobei Form und thematische Schwerpunkte im Laufe der Zeit immer wieder verändert wurden. In stilprägenden Klassikern wie Mike Hodges „Jack rechnet ab“ oder Michael Tuchners „Die alles zur Sau machen“ wurden Geschichten vom gewalttätigen Überlebenskampf auf der schiefen Bahn mit dem sogenannten „Kitchen-Sink-Realismus“, den man sonst eher aus den britischen Working-Class-Dramen der Sechziger kannte, kombiniert. In den Achtzigern warfen harte Schocker wie „Rififi am Karfreitag“, oder „Die Profi-Killer“ ein schmutzig-gnadenloses Licht auf die Thatcher-Regierung und die sozialen Gefälle, während Guy Ritchie („Snatch“) in den späten Neunzigern anfing, die Geschichten von unfähigen „Eierdieben“ mit der Leichtigkeit des Tarantino-Postmodernismus zu erzählen. Solche Klassiker sind natürlich die Ausnahme, aber trotzdem lebt das britische Genre-Kino weiter wie regelmäßige ordentliche neue Werke beweisen. So eins ist Eran Creevys britisch-amerikanische Co-Produktion „Enemies - Welcome to the Punch“, ein Film, bei dem es ordentlich scheppert und der so die Fans des Genres rundum zufrieden stellen kann, auch wenn er nur durchschnittliche Kost geboten wird.
     
    Wenn Räuber und Gendarm aufeinandertreffen, endet das in den seltensten Fällen mit einem Kaffeekranz wie bei „Heat“. Als der Londoner Bulle Max Lewinsky (James McAvoy) auf den Edelgangster Jacob Sternwood (Mark Strong) trifft, endet die Begegnung für ihn ebenso schmerzhaft wie beschämend mit einer Kugel im Bein. Daran hat der engagierte Cop lange zu knabbern. So wird er nicht nur schmerzmittelabhängig, sondern hat auch gewaltig mit seinem verletzten Stolz zu kämpfen. Zu gern würde er es dem Ganoven heimzahlen, doch dieser scheint in Rente gegangen zu sein und hat das Land verlassen. Als jedoch Jacobs Sohn Ruan (Elyes Gabel) in Schwierigkeiten gerät, kehrt der Gangster noch einmal nach London zurück. Bald riecht auch Max Lunte und sieht seine Chance gekommen, es seinem alten Feind heimzuzahlen...
     
    Ein Crime-Thriller mit Heist-Elementen, in denen sich die Guten und die Bösen vor dem Hintergrund eines letzten Coups gegenüberstehen, muss nicht die Welt kosten und nicht mit den ganz großen Stars auffahren, um zu funktionieren. Ganz in diesem Sinne ist der für gerade einmal 8,5 Millionen Dollar realisierte „Enemies - Welcome to the Punchh“ ebenso schmucklos wie kompakt. Regisseur Creevy verkneift sich sowohl übertriebene inhaltliche Komplexität als auch effekthaschende Action-Exzesse. Stattdessen herrscht von Beginn an absolute Klarheit über die Motivation der Protagonisten und die Action wird nur absolut zweckgebunden eingesetzt. So gibt es zwar einige Verfolgungsjagden und Keilereien und im Zweifelsfall sprechen auch mal die Waffen, doch nie wirken diese Ausläufer wie zwischengeschoben oder selbstzweckhaft. Immer stehen sie im Dienst der Story oder der Charakterentwicklung. Insbesondere an dieser Front wird man nicht enttäuscht.
     
    James McAvoy („Wanted“, „X-Men: Erste Entscheidung“) macht als Held eine gute Figur, auch wenn man ihm den ruppigen Tough Guy nicht so ganz abnehmen will. Wenn er hier mit 10-Tage-Bart durch die Gassen, Hinterzimmer und Lagerhallen schleicht und vor keinem Fight zurückschreckt, ist das zwar gewöhnungsbedürftig, durchaus aber auch sehr unterhaltsam. Voll in seinem Element ist dagegen der charismatische Alleskönner Mark Strong, dem allzu oft in Großprojekten („John Carter“, „Sherlock Holmes“, „Robin Hood“) nur Nebenrollen bleiben. Hier darf er als Antiheld eine der ersten zwei Geigen spielen und nutzt diesen Raum: Als Raubein mit Herz und Ehrenkodex fühlt er sich hier sichtlich pudelwohl und zeigt mit welch wohldosierten Gesten, Blicken und Intonationen er einen mehrdimensionalen Charakter aus einer Figur schälen kann, die auf dem Papier sehr blass skizziert ist. Stark besetzt ist der Film dabei bis in die Nebenrollen. So dürfen Peter Mullan („Gefährten“) und David Morrisey („The Walking Dead“) in kleinen Rollen zeigen, dass es nicht viel Leinwandzeit braucht, um Eindruck zu machen. Und Andrea Riseborough („Oblivion“, „W.E.“) beweist, dass Frauenrollen in Männerfilmen nicht zwangsläufig auf Amazonen und Love-Interests reduziert sein müssen.
     
    So angenehm unprätentiös die Atmosphäre, so hübsch die Bilder, so zweckdienlich das Skript und so engagiert die Darsteller auch sein mögen, bleibt doch allerdings ein kleiner schaler Beigeschmack zurück: „Enemies - Welcome to the Punch“ reiht etwas zu sehr bekannte Genre-Versatzstücke aneinander. Welche Handlungsstationen im Verlauf so abgeklappert werden, werden vor allem Fans viel zu schnell erraten haben. Diesbezüglich erinnert Creevys Heist-Thriller an den kaum älteren „The Crime“ mit Ray Winstone, der ebenfalls vor allem Genre-Variation und -Reduktion bot, der jedoch ebenfalls keine eigenen Akzente setzte. So wird hier wie dort gutes Handwerk abgeliefert, doch wünscht man sich irgendwann eine Abwechslung, ein Bonmot oder schlicht etwas Humor, um die etwas trocken geratene Mixtur aus erzwungener Düsternis und verbissenem Ernst aufzulockern.
     
    Fazit: „Enemies - Welcome to the Punch“ ist ein kleiner, nicht unsympathischer, doch letzlich in Form und Inhalt unspektakulärer Genre-Film, der nichts wirklich falsch macht, dabei allerdings keinen sonderlich nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

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