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    Phoenix in der Asche
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Phoenix in der Asche
    Von Christian Horn

    Als die Basketballer des Vereins Phoenix Hagen 2009 in die erste Bundesliga aufsteigen, ist die Freude bei der Mannschaft und den Fans groß - doch schon nach wenigen Spielen in der neuen Saison steht fest, dass der Kampf um den Klassenerhalt hart wird. Um den drohenden Abstieg zu verhindern, verpflichtet Trainer Ingo Freyer noch während der laufenden Spielzeit den erfahrenen Star Michael-Hakim Jordan für sein Team. In seinem unaufdringlichen Dokumentarfilm „Phoenix in der Asche" begleitet Regisseur Jens Pfeifer die Hagener beim Kampf um den Ligaerhalt und ermöglicht dabei intime Einblicke in den Profisport.

    Zu Beginn des chronologisch aufgebauten Films steht vor allem der unter extremem Zeitdruck durchgeführte Umbau der alten Tennishalle im Zentrum. Sie soll als provisorische Spielstätte herhalten, während die Hagener Ischelandhalle ausgebaut wird, denn als frischgebackener Erstliga-Verein muss Phoenix Hagen nach den Vorgaben der Ligaverantwortlichen Platz für mindestens 3.000 Zuschauer bieten. Mit diesem Kapitel beleuchtet Pfeifer die für den Profisport nötigen wirtschaftlichen und organisatorischen Kraftanstrengungen. Auch sportlich steht die Konkurrenzfähigkeit des Hagener Vereins nach einer Niederlagenserie schnell in Frage und Pfeifer setzt nun den Akzent auf die Dynamik innerhalb der Mannschaft, die nach der Ankunft des aufbrausenden und überaus dominanten Neuzugangs Michael-Hakim Jordan einige interne Zerreißproben zu überstehen hat.

    Ohne große inszenatorische Kniffe findet Pfeifer wie nebenbei seine Themen und deutet elegant die Wechselwirkung zwischen der ökonomischem und der sportlichen Wettbewerbssituation an. Dabei verzichtet er auf einen Off-Kommentar genauso wie auf die sonst üblichen Interviewpassagen, er verlässt sich ganz auf die schnörkellosen und nur selten mit Musik unterlegten Bilder. Zwar gibt die Montage des Materials natürlich bestimmte Lesarten vor, doch im Großen und Ganzen nimmt der Zuschauer als stiller Beobachter am Geschehen teil und hat alle Freiheiten bei der Einordnung und Bewertung. Dass sich bei diesem sehr zurückhaltenden Verfahren dennoch eine sehr spannende Dramaturgie ergibt, das ist dem Saisonverlauf in der Basketball-Bundesliga zu verdanken. Der Hagener Kampf um den Klassenerhalt 2009/2010 entwickelte sich immer mehr zu einem wahren Krimi und erst im allerletzten Spiel entschied sich das sportliche Schicksal des Aufsteigers – ein Glücksfall, denn so bleibt der Film ganz wie seine Protagonisten bis zuletzt unter Druck.

    Im Grunde könnte es in „Phoenix in der Asche" auch um eine gänzlich andere Mannschaftssportart gehen, denn Jens Pfeifer legt den Fokus in erster Linie auf die Reibereien innerhalb des Teams und den Frust, der den Spielern nach den regelmäßigen Niederlagen förmlich ins Gesicht geschrieben steht; die Spielszenen verdichtet der Regisseur hingegen auf wenige Schlüsselmomente und kurze Ausschnitte. Stattdessen zeigt er Trainingseinheiten und Videoanalysen, die Busfahrten zu Auswärtsspielen oder die leidenschaftlichen Kabinenansprachen des stets präsenten Trainers Ingo Freyer – Situationen also, die auch im Rahmen anderer Sportarten stattfinden. Ganz wie die Dramaturgie, bei der am Ende ein einziges Spiel alles entscheidet, lässt auch Pfeifers Verzicht auf allzu spezifische Details und die gleichzeitige Betonung der allgemein menschlichen Konflikte „Phoenix in der Asche" zu einem Film werden, an dem längst nicht nur Basketballexperten ihre Freude haben können.

    Fazit: Mit „Phoenix in der Asche" ist Regisseur Jens Pfeifer eine präzise beobachtete Sport-Dokumentation gelungen, die ohne großen Pomp auskommt. Spannend ist die Doku vor allem, weil die Hagener Basketballspieler bis zuletzt den Abstieg in die zweite Liga fürchten müssen und dieser sportliche Druck auch in den persönlichen Beziehungen der Spieler ein Ventil findet.

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