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    Die Wahrheit über Männer
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Die Wahrheit über Männer
    Von Katharina Granzin
    Womöglich ist es nur dem Erfolg von Nikolaj Arcels Historiendrama „Die Königin und der Leibarzt" auf der Berlinale 2012 zu verdanken, dass sein zwei Jahre alter Vorgänger „Die Wahrheit über Männer" doch noch einen deutschen Verleih gefunden hat. Es ist in jedem Fall ein Glück, denn Filme wie dieser sind selten: Von ironischem Wort- und Bildwitz gesättigte Komödien, in denen ganz beiläufig ziemlich bittere Wahrheiten über das Leben zum Ausdruck kommen. Der Däne Arcel bringt mit seiner intelligent selbstbezüglichen Männer-Komödie „Die Wahrheit über Männer" ein altbekanntes Thema auf zeitgemäßen Stand. Und drehte einen Film, der angesichts seines Einfallsreichtums und seiner subtil versteckten Anspielungen geradezu danach verlangt, mehr als einmal gesehen zu werden.

    Mads (Thure Lindhardt) ist 34 Jahre alt und als Drehbuchautor das, was man erfolgreich nennt. Er schreibt an der bekanntesten Krimiserie des Landes mit und hat mit Marie (Tuva Novotny) eine wunderschöne Freundin, die ihn über alles liebt. Glücklich ist Mads dennoch nicht. Nachdem Marie und er gerade ein schickes Haus bezogen haben, überfällt ihn eine etwas verfrühte Midlife Crisis. Er verlässt die Frau, mit der er eigentlich den Rest seines Lebens verbringen wollte und bezieht eine unrenovierte Altbauwohnung. Vor seinem Laptop wartet er auf die Inspiration für das Drehbuch des Jahrhunderts, doch in Wahrheit hat er seinen großen Erfolg schon lange hinter sich: Nachdem er mit Anfang 20 einen gefeierten Animationsfilm geschrieben hatte, ging es immer nur bergab. Seitdem schreibt er Drehbücher von der Stange, die gut bezahlt aber langweilig sind. Mads schmeißt den sicheren Job und bändelt mit einer jungen, aufregenden Frau an: Die neunzehnjährige Julie (Rosalinde Mynster) ist zwar schön, macht Kunst, Musik und liebt Mads, ist aber noch viel zu neugierig, um sich auf einen Typen wie ihn festzulegen. Nachdem sie ihn verlassen hat, gerät Mads in einen selbstzerstörerischen Strudel aus schnellem Sex, Alkohol und Hypochondrie.

    „Die Wahrheit über Männer" ist eine Komödie, wenn auch eine „anti-romantische" wie der Untertitel verrät. So endet zwar alles glimpflich, auf ein klassisches Happy End verzichtet Nikolaj Arcel aber: Er will schließlich nicht nur unterhalten, sondern auch der Wahrheit über das Leben nahekommen. Und das funktioniert eben nicht wie ein Film, auch wenn Mads, der gar nicht mehr anders kann als in Drehbuchstrukturen zu denken, genau das glaubt. Aber damit ist er natürlich auf dem Holzweg. Diese im Grunde banale Einsicht erwächst bei Arcel allerdings aus einem clever-gewitzten Spiel um den Zusammenhang von Fiktion und Realität sowie einer klugen Reflexion über das Drehbuchschreiben und das Filmemachen an sich. Da eröffnen sich nicht nur amüsante und hellsichtige Parallelen zwischen Mads‘ Arbeit und seinem verkorksten Privatleben, auch zwischen Filmfigur und Regisseur gibt es offensichtliche Bezüge, zumal Arcel gemeinsam mit Rasmus Heisterberg („Verblendung") auch das Drehbuch verfasste. Die selbstreferentielle Ebene wird gleich zu Beginn mit einem Augenzwinkern eröffnet, wenn Mads (und damit gleichsam Arcel) die Regeln des Drehbuchschreibens erklärt. Selbstverständlich werden wir die hier genannten Merkmale eines gut strukturierten Buchs im Verlauf des Films wiedererkennen. Denn auch die Geschichte von Mads gehorcht natürlich dem bewährten Schema, das allerdings immer wieder ironisch gebrochen wird – und am Ende kommt es im Leben ohnehin anders als man denkt.

    Fazit: Zwei Dinge zeigt Nikolaj Arcel mit „Die Wahrheit über Männer": zum einen, dass auch Männer komplizierte Gefühle haben können, zum anderen, dass in Dänemark großartige Komödien gedreht werden, in denen viele schöne und kluge Frauen vorkommen. Und ganz nebenbei lernt man noch einiges über das Schreiben von Drehbüchern und das Leben im Allgemeinen.
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