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Sebastian Schlicht7
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4,5
Veröffentlicht am 14. August 2026
„You called a Taxi?“
Bisher hatte ich recht wenig von Jim Jarmusch gesehen und während mir „The Dead Don´t Die“ (2019) zu trivial war, konnte ich mit „Broken Flowers“ (2005) damals noch nicht viel anfangen. Jarmusch begann in den 80ern Filme zu drehen und als er 1991 das neue Jahrzehnt startete, drehte er den kleinen, magischen Episodenfilm „Night on Earth“. Das Besondere: Der Film wurde nicht synchronisiert, sondern nur untertitelt, da die meisten Segmente in anderen Ländern spielen und Jarmusch die Authentizität der jeweiligen Sprachen behalten wollte. Doch „Night on Earth“ ist auch in anderen Bereichen ein ganz besonderer Film…
Innerhalb fünf Episoden werden fünf unterschiedliche Begegnungen innerhalb von fünf verschiedenen Taxis erzählt. Alle finden zur selben Zeit statt, durch die Zeitverschiebung jedoch, wird es mit jeder Folge deutlich später. Wir erleben dabei das Aufeinandertreffen von sehr gegensätzlichen Figuren: Eine junge Frau, die Mechanikerin werden will und eine wichtige Film-Agentin, ein ärmlicher Mann aus dem Ghetto trifft auf den deutschen, ehemaligen Clown Helmut, in Paris bringt ein eingereister Ivorer eine blinde Frau von A nach B, in Rom muss ein Priester die Sünden des durchgeknallten Fahrers ertragen und in Helsinki tauschen mehrere Männer bewegende Geschichten miteinander aus…
So simpel das Prinzip des Films ist, so kraftvoll ist die Umsetzung. Jede Episode ist lose miteinander verbunden, aber natürlich ist das Taxi das wichtige Element in alle Teilen. Während der wilde Score von Tom Waits (er schrieb auch zwei Songs für den Film) die Welt draußen als chaotisch symbolisiert, ist es in den Taxis meistens ruhig und die Menschen kommen oftmals zur Ruhe, um ihre Geschichten zu teilen. Und die sind wirklich unterhaltsam: Die eine Episode ist deutlich absurder und humorvoller (Rom), während die andere fast schon zu sentimental daher kommt, aber dennoch berührt (Helsinki). Andere Geschichten, wie die in Paris, sind so wundervoll einfach und unaufgeregt, da wir einfach nur zwei Menschen sehen, die miteinander reden. Sowas ist oftmals tausend mal interessanter als große Schlachten oder andere Hollywood-Action, die man in den 90ern so gesehen hat. Und für 1991 wirkt Jarmuschs Film sehr reif und seiner Zeit voraus. Themen wie Rassismus werden äußerst respektvoll und doch kritisch behandelt. Aber alles mit Charme und einer Prise Augenzwinkern. Dabei hat „Night on Earth“ auch etwas herrlich Magisches, wie ein modernes Märchen, welches in kleine Geschichten aufgeteilt ist.
Der Cast ist dabei wirklich toll. Mit dabei sind einige Größen aus allen Ländern, wie Winona Ryder, Roberto Benigni und Armin Mueller-Stahl. Überrascht hat mich auch der noch sehr junge Giancarlo Esposito als YoYo.
Die Kameraführung ist ziemlich simpel, aber dennoch interessant und aussagekräftig. Sehr schön sind natürlich die verschiedenen Landschaften und Städte, die wir im Film zu sehen bekommen.
Fazit: „Night on Earth“ ist ein wirklich charmanter, sensibler und witziger Episodenfilm mit tollen Figuren, guter Musik und einer magischen Atmosphäre.
Night on Earth ist ein schöner, authentischer und verbindender Film. Durchaus mit einigen Längen versehen und nicht immer leicht zu sehen, spiegelt er doch das echte nächtliche Leben einfacher und verschiedener Menschen rund um den Globus wider. Die Episode in Rom ist eine der witzigsten Sachen die ich in einem Film bisher gesehen habe, großartige Leistung.
Was dür ein wunderbbarer Film! Und ich glaub, ich war noch nie so glücklich, dass es keine deutsche Synchronisation gibt. Die Sprache macht die einzelnen Episoden erst zu etwas Besonderem und zu einer einzigartigen Erfahrung! Ohne Handlung im eigene Sinne und dennoch spannend und interessant. Ein Film, über den man nach dem Kinobesuch noch lange diskutieren kann. Ich liebe ihn!!
Alle fünf Episoden spielen nachts und im Innern eines Taxis, allerdings in verschiedenen Städten. Sie sind inhaltlich alle mehr oder weniger humorvoll mitunter mit einem etwas leicht melodramatischen Einschlag. Der Knaller des Films ist die New Yorker Geschichte. Hier spielt Armin Müller-Stahl einen Taxifahrer, der kaum fahren kann und eine Verständigung im besten Denglisch versucht. Das ist zeitlose Komik, gekonnt wie selten sonst. Armin gelingt es mit Sympathie zu punkten gepaart mit der Unsicherheit eines Einwanderers. Die Sprachschwierigkeiten sind vom Feinsten, die Namensgebung ausgesucht treffend. Auf der Effektivitätsskala dicht gefolgt von der Episode vier in Rom. Hier spielt Roberto Benigni sich selbst in Höchstform. Er quasselt in seiner pornographischen Beichte Hochwürden auf dem Rücksitz buchstäblich zu Tode. Dabei ist es nicht immer leicht bei seinem Redeschwall die deutschen Untertitel mitzulesen. Die Anfangsgeschichte ist zum Aufwärmen mit der älteren Castinglady Gena Rowlands und der jungen Kette rauchenden Fahrerin Winona Rider, die nicht zum Film will. In Paris wird Isaach de Bankolé vom blinden Fahrgast Béatrice Dalle geleitet und in ein Streitgespräch verwickelt. Ihr Ausstieg setzt neben einer kleinen Überraschung noch vorübergehend Spekulationen frei. Der Schluss spielt in Helsinki. Hier wird’s kaurismäkimäßig etwas melodramatisch, ob des Elends in der Welt. Sehr unterschiedliche Geschichten angefüllt mit liebevollen Details und ganz unterschiedlichen Formen des Humors. Die Darsteller sind einsame Klasse. Und natürlich darf Tom Waits in Abspann nicht fehlen.
Interkontinentale Zwischenmenschlichkeit in fünf Episoden. Nachts, womit der Fokus auf Charakterzeichnung und Dialog zentriert wird, was Jim Jarmusch beherrscht, wie kaum ein anderer. Immer wieder gelingt ihm in seiner Arbeit das Kunststück, unter der zum Teil völlig inexistenten Handlung, den geneigten Zuschauer an die Leinwand zu fesseln, ihn zu verzaubern, zu hypnotisieren. Fünf Taxis fahren nachts durch fünf Metropolen und wir dürfen dabei sein, wie Menschen für kurze Zeit zusammengeführt werden, sich ihre Seelen berühren um dann wieder auseinanderzudriften, partiell für immer. Unfassbar, was hier stellenweise an Komik aus der Situation heraus entsteht. Yoyo, Helmut und Angela brachten mich in der New Yorker Episode dazu, dass ich im Kino Tränen lachte, wohl das einzige Mal in meinem Leben. So unterschiedlich die fünf Episoden auch sein mögen, neben dem nächtens georderten Taxi gibt es dieses eine vereinende Element in Form eines hinreißenden Scores von Tom Waits, der treffsicherer nicht hätte ausfallen können. "Night on earth" ist pure Magie und vielleicht die beste Möglichkeit, sich dem Gesamtwerk dieses einzigartigen Regisseurs zu nähern.
Man kann ja immer behaupten, dass Episodenfilme Rosinenpickerei ist. Wenn Episodenfilme aber eine so poetische, doppelte Klammer zusammengehalten werden wie bei Night on Earth, dann haben sie eine absolute Berechtigung. Alle fünf Episoden spielen zum selben Zeitpunkt in Taxis auf der Erde. In Los Angeles (erste Episode) beginnt die Nacht gerade, in Helsinki (letzte Episode) endet sie, es beginnt gerade der Morgen. Night on Earth!
Jim Jarmuschs "Coffee and Cigarettes" hatte zum Beispiel einen viel schwächeren Zusammenhalt. Halt nur die meist aufgesetzt wirkenden Coffee and Cigarettes.
Es startet seicht mit Winona Ryder in Los Angeles, hat einen ersten Höhepunkt mit Armin Mueller Stahl in New York, der unvermeidliche Isaach de Bankolé fährt die faszinierende Beatrice Dalle durch Paris, dann blödelt sich der noch unvermeidlichere Benigni als etwas ärgerliches Stereotyp durch Rom bevor der Film in Helsinki seinen verdienten Abschluss und Höhepunkt "erfährt".
Toller kurzweiliger Film, auch zum immer wieder gucken. 9 von 10
Amüsanter, grandios entschleunigter Episodenfilm, der sich auch nicht um symbolische Verknüpfungen oder sonstige erzählerische Tricks kümmert, sondern zurückgehalten einzelne Dialoge für sich sprechen lässt, Charaktere, Bilder und Musik in den Vordergrund rückt.
Wer diesen fantastischen Film auch so liebt wie ich, sollte überlegen, ob er an folgendem, soeben veröffentlichten Buch Interesse hat: Bernd Wahlbrinck: "Jim Jarmusch's NIGHT ON EARTH: THE NEW YORK EPISODE - with an appendix for English teachers". It's a treat ...