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    The Huntsman & The Ice Queen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    The Huntsman & The Ice Queen
    Von Antje Wessels
    Als „Snow White & The Huntsman“ 2012 in die Kinos kam, sorgte die enttäuschende und von FILMSTARTS mit gerade einmal zwei Sternen bewertete moderne Adaption von Grimms „Schneewittchen“ bald hauptsächlich für filmfremde Schlagzeilen: Das Techtelmechtel zwischen dem verheirateten Regisseur Rupert Sanders und seiner Hauptdarstellerin Kristen Stewart, die sich damals auf der Höhe ihres „Twilight“-Ruhms befand, beschäftigte Klatschblätter und Branchenmagazine gleichermaßen. Die Affäre hatte auch Folgen für die bei einem weltweiten Einspielergebnis von fast 400 Millionen Dollar natürlich rasch in Angriff genommene Fortsetzung, an der weder Sanders noch Stewart beteiligt sein sollten. Zum neuen Regisseur wurde schließlich Cedric Nicolas-Troyan erkoren, der als Second-Unit-Regisseur und VFX-Supervisor am Vorgänger beteiligt war. Und der legt den unterkühlt-humorbefreiten Inszenierungsstil seines Vorgängers ad acta, besinnt sich stattdessen lieber auf Motive aus Abenteuerkino und Märchenfilm und lässt den Franchise-Auftakt mit seinem vergnüglichen Fantasy- und Action-Mix „The Huntsman & the Ice Queen“ um Längen hinter sich.

    Viele Jahre bevor sich die tyrannische Ravenna (Charlize Theron) mit Snow White, der bildhübschen Tochter des verstorbenen einstigen Königs, duellierte, teilte sie sich die Herrschaft über das Königreich mit ihrer Schwester Freya (Emily Blunt). Freya besitzt die Gabe, über Eis und Schnee zu gebieten und somit auch Dinge nach Belieben einfrieren zu können. Als ihr an einem kalten Wintertag das Herz gebrochen wird, verlässt die verbitterte Freya das Reich ihrer Schwester und errichtet in der Einöde einen mächtigen Eispalast. Hier bildet sie Menschen zu kriegerischen Huntsmen aus und baut eine Armee auf, um das Königreich schon bald in Gänze an sich reißen zu können. Dabei hat Freya allerdings die Rechnung ohne ihre Zöglinge gemacht: Eric (Chris Hemsworth) und Sara (Jessica Chastain) verlieben sich in dieser eisigen Welt – und verstoßen damit gegen die Regeln ihrer Herrscherin. Beide werden verbannt und müssen sich fortan jeder für sich durch die Wildnis schlagen.


    Außen hui, innen pfui: Rupert Sanders‘ „Schneewittchen“-Interpretation gefiel vor allem mit ihren spektakulären Bildkompositionen, die ohnehin recht dünne Geschichte wurde indes ohne Schwung und Elan vorgetragen - einzig ein paar Sidekick-Zwerge sorgten hin und wieder für ein wenig Würze. So ist es ganz unabhängig von der Sanders-Stewart-Personalie mehr als nachvollziehbar, dass man bei diesem Film, der so etwas wie ein Prequel und ein Sequel zugleich ist (zu Beginn ist die Handlung vor Teil 1 angesiedelt, dann gibt es einen Sprung nach vorne), einen neuen erzählerischen Fokus setzte: Snow White existiert hier nur noch in Gesprächen über die vergangenen Geschehnisse, stattdessen konzentriert man sich jetzt lieber auf den heimlichen Star des ersten Teils: den Huntsman. Der von Chris Hemsworth („Thor“) einmal mehr saucool verkörperte Eric wird von den Drehbuchautoren Craig Mazin („Hangover 3“) und Evan Spiliotopoulos („Hercules“) mit seinem Zwergen-Gefolge auf eine abenteuerliche Reise durch das Königreich geschickt. Er will verhindern, dass Freya Land und Leute vollständig unterjocht und stellt sich gegen ihre Allmachtsfantasien. Auf diesem Weg bekommt er es mit allerlei verschiedenen Kreaturen zu tun und muss immer wieder neue Probleme lösen – das bietet Raum für jede Menge unterhaltsame und spannende Einlagen.

    Von einem Kampf mit toll animierten Trollen über eine deftige Schlägerei in einem Pub bis hin zur entscheidenden Auseinandersetzung mit Freya und ihrer Armee bietet „The Huntsman & The Ice Queen“ temporeiche, visuell einmal mehr fantastische Action, die mit diversen spaßigen One-Linern und jeder Menge Augenzwinkern garniert wird. Die prächtig aufgelegten Darsteller tragen ihren Teil zum Vergnügen bei: Charlize Theron („Mad Max: Fury Road“) genießt die Rolle als Schurkin einmal mehr sichtlich und kostet sie entsprechend aus, während Franchise-Neuzugang Emily Blunt („Edge of Tomorrow“) als zutiefst verletzte, von Trauer geblendete „Eiskönigin“ beeindruckt. Auch Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“) ist neu dabei – ihre kämpferische Sara ist zerrissen zwischen der Loyalität zu ihrer „Ziehmutter“ Freya und den eigenen Gefühlen. Mit der Liebesgeschichte zwischen Eric und ihr kommt zudem eine Prise Romantik in den Film. Hier mögen sich nicht alle Szenen und Episoden nahtlos in den großen übergreifenden Handlungsbogen fügen, aber trotz dieser dramaturgischen Defizite ist dies ein durchweg unterhaltsamer Film, der am Ende sogar mit einer unerwarteten tragischen Wendung überrascht.  

    Fazit: Das zweite Abenteuer aus dem Huntsman-Universum ist ein kurzweiliges und temporeiches Fantasy-Vergnügen mit kleinen erzählerischen Schwächen, aber auch mit visuell beeindruckender Action, charismatischen Schauspielern und einer guten Portion Humor.
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