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    Pelo Malo
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Pelo Malo
    Von Ulf Lepelmeier

    Lockiges schwarzes Haar wird in Venezuela als Zeichen für eine niedere Herkunft begriffen.  Im Drama „Pelo Malo“ hadert der neunjährige Protagonist mit seinem titelgebenden, angeblich schlechten, Haar und wünscht sich nichts mehr als dieses für ein Schulfoto zu glätten und damit wie sein Lieblingssänger auszusehen. Doch der Wunsch des in Caracas in einer heruntergekommenen Hochhaussiedlung lebenden Junior (Samuel Lange Zambrano) stößt bei seiner alleinerziehenden Mutter Maria (Samantha Castillo) auf herbe Ablehnung. Sie befürchtet, dass das begeisterte Interesse ihres Sohnes für Kleidung, Haare und Musik ein frühes Zeichen möglicher Homosexualität sein könnte – in der von Gewalt und Armut bestimmten Wirklichkeit Venezuelas, wie sie Regisseurin Mariana Rondón („Postkarten aus Leningrad“) hier einfängt, ist für Andersartigkeit und für eine spielerische Suche nach der eigenen (sexuellen) Identität kein Platz. So wird Junior im Streben um die Liebe seiner Mutter vor eine prägende Entscheidung gestellt ...

    „Pelo Malo“ ist ein geradezu dokumentarisch anmutender Film über einen kleinen Jungen, der sich unvoreingenommen über stereotype Geschlechtsbilder hinwegsetzt und immer verzweifelter um die Anerkennung seiner überforderten Mutter zu kämpfen hat. Die fehlende Intimsphäre sowie die eingeschränkten Entfaltungsmöglichkeiten in der Enge der riesigen Wohnblockanlagen werden durch die ungeheuer dicht bei den Figuren verharrende Kamera hervorgehoben: Ein kindlich-lockeres Spiel mit der sexuellen Selbstfindung wie etwa in Céline Sciammas „Tomboy“ ist für den aufgeweckten Protagonisten hier schlicht nicht möglich. Sein schmerzlich realistisches Ringen um die mütterliche Liebe bekommt durch das intensiv-spontane Zusammenspiel zwischen der toughen Samantha Castillo und dem Jungdarsteller Samuel Lange Zambrano eine tragische Dimension. Der Junge und seine zerrüttete Gefühlswelt werden sensibel gezeichnet, zugleich schildert Regisseurin Rondón das von Gewalt, Rassismus und Homophobie geprägte Umfeld, in dem Junior aufwächst, ohne jede Beschönigung: So wird aus „Pelo Malo“ ein herzzerreißender Aufruf zu mehr Verständnis und Humanität.

    Fazit: „Pelo Malo“ ist die raue, tragische Geschichte eines neunjährigen Jungen auf der Suche nach sich selbst.

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