Apex
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Apex

Charlize Theron gibt für Netflix‘ Survival-Serienkiller-Thriller wirklich alles!

Von Lutz Granert

Charlize Theron, die mit „The Old Guard“ und „The Old Guard 2“ bereits zwei Netflix-Megahits gelandet hat, ist bekanntlich hart im Nehmen! Das offenbart bereits ein Blick auf die lange Liste der Verletzungen, die sie sich in ihrer bisherigen Filmkarriere zugezogen hat: Am Set von „Aeon Flux“ zog sie sich bei einem Sturz einen Bandscheibenvorfall im Nacken zu und war daraufhin fast gelähmt. Bei „Atomic Blonde“ brach sie sich zwei Zähne ab und musste deshalb eine Wurzelbehandlung über sich ergehen lassen. Und auch der Dreh zu Netflix‘ „Apex“ ging für die Oscarpreisträgerin (für „Monster“) nun nicht unbeschadet über die Bühne: Neben einem gebrochenen Zeh musste sie sich wegen einer Verletzung am Ellbogen zwei Operationen unterziehen.

Aber wenn man sich den knallharten Survival-Serienkiller-Thriller ansieht, dann ist das sogar noch recht überschaubar angesichts des umfangreichen (Extrem-)Sportprogramms, das die gebürtige Südafrikanerin hier in der urwüchsigen Natur des australischen Bundesstaats New South Wales abliefert. Die hochtourige Netflix-Produktion hebt sich dabei positiv vom Gros der Genre-Konkurrenz ab, vor allem durch die Intensität der Nonstop-Action und das Vertrauen in die Schauwerte der faszinierenden Natur. Dabei beweist der isländische Filmemacher Baltasar Kormákur („2 Guns“) nach der zuweilen unfreiwillig komischen Löwen-Hatz in „Beast“, dass er bei einer überschaubaren Laufzeit von 90 Minuten auch schnörkellos-toughe Hochspannung abliefern kann.

Die Stars Charlize Theron und Taron Egerton liefern auch eine körperliche Höchstleistung in „Apex“ ab! Netflix
Die Stars Charlize Theron und Taron Egerton liefern auch eine körperliche Höchstleistung in „Apex“ ab!

Nachdem sie ihren Partner Tommy (Eric Bana) beim gemeinsamen Felsenklettern verloren hat, sitzt der Schmerz bei der Extremsportlerin Sasha (Charlize Theron) noch immer tief. Fünf Monate später sucht sie allein nach einer neuen Herausforderung: In einem australischen Nationalpark plant sie eine mehrtägige Rafting-Tour. Als sie sich vor Ort mit Vorräten eindeckt, trifft sie den zurückhaltenden Jäger Ben (Taron Egerton), der ihr einen Geheimtipp für einen Campingplatz mit auf den Weg gibt. Doch der Tippgeber entpuppt sich als Serienkiller, der Sasha fernab der Zivilisation als seine nächste Beute auserkoren hat …

Konzentration auf das Nötigste

Bei Trekkingtouren ist es ratsam, mit möglichst leichtem Gepäck unterwegs zu sein. Und genau dieses Konzept, sich nur auf das Nötigste zu beschränken, überträgt Jeremy Robbins („The Purge“) auch auf sein Skript zu „Apex“: Die Handlung wird auf das Elementare reduziert, auf jeden überflüssigen Ballast verzichtet! Welche Trauerarbeit die von Charlize Theron mit sichtbarer Seelenpein verkörperte Sasha in den letzten Monaten durchgemacht hat oder was sie abseits ihrer Abenteuer so treibt, bleibt eine erzählerische Leerstelle – tut aber auch nichts zur Sache.

Auch das Aufeinandertreffen mit aufdringlichen Machos und damit eine mögliche Abbiegung in Richtung Rape-&-Revenge-Genre entpuppt sich schnell als falsche Fährte. „Apex“ konzentriert sich bei dem zentralen Überlebenskampf aufs Wesentliche: einen mit Armbrust ausgerüsteten Jäger, dessen monströse Seiten zunehmend zum Vorschein kommen (Stichwort: selbstgemachtes Beef Jerky), sowie sein ungeahnt hartgesottenes Opfer, das sich zudem meist erfreulich clever verhält.

Charlize Theron hat die meisten Kletterszenen selbst gedreht – und das zahlt noch weiter auf ihre Badass-Qualitäten ein! Netflix
Charlize Theron hat die meisten Kletterszenen selbst gedreht – und das zahlt noch weiter auf ihre Badass-Qualitäten ein!

Einen originell-perfiden Spin gibt es erst im Herzschlagfinale, das schon beim Zusehen klatschnasse Hände verursacht. Dieser konzentrierte Fokus sorgt gemeinsam mit einer ganzen Bandbreite an abwechslungsreicher Outdoor-Action für eine anhaltend hohe Intensität. Die von Baltasar Kormákur spannend und temporeich inszenierte Dauer-Verfolgungsjagd lässt tatsächlich kaum Zeit zum Luftholen – und deckt von mit Wasser gefüllten Canyons über raue Kayak-Fahrten auf dem reißenden Fluss bis hin zum Erklimmen der Sandsteinfelsen das gesamte Höhenprofil von New South Wales ab.

Die wilde Natur übernimmt damit fast schon die Rolle eines dritten Hauptdarstellers – wogegen die von unnatürlichem Licht geprägte Auftakt-Kletterpartie an einer norwegischen (Green-Screen-)Felswand ordentlich abstinkt. Wobei „Apex“ aber massiv davon profitiert, dass Charlize Theron offenbar viele der Kletterszenen ohne Stuntfrau selbst gedreht hat.

Glaubhafte Survival-Stars!

Wo sich der eher gelangweilt agierende Eric Bana („Berlin Nobody“) in einem undankbaren Part bereits nach zehn Minuten schon wieder aus dem Film verabschiedet, fällt das anschließende Duell dafür schauspielerisch umso überzeugender aus: Charlize Theron schafft mit vollem Körpereinsatz bei den Actionszenen glaubwürdig die Entwicklung von der zunächst etwas blauäugig agierenden Möchtegern-Abenteurerin zur wehrhaften Kämpfernatur, die im richtigen Moment auch schon mal eine große Dose Pfefferspray im Anschlag hat.

Taron Egerton („Rocketman“) gibt ein würdiges Pendant ab: Erfrischend gegen sein Image als Saubermann besetzt, der zuletzt in Netflix’ „Stirb langsam 2“-Variation „Carry-On“ Terroristen das Handwerk legte, überzeugt er mit zuweilen angsteinflößenden Grimassen – und einer gruselig-kindlichen Freude am Nacktbaden.

Fazit: Charlize Theron begeistert als wehrhafte Überlebenskünstlerin in einem effizient erzählten Survival-Thriller, der mit einem wahrhaft schweißtreibenden Finale aufwartet! Wo zunächst noch ein paar durchwachsene Green-Screen-Szenen negativ auffallen, begeistern die zu großen Teilen an imposanten Originalschauplätzen gedrehten Aufnahmen umso mehr.

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