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    Jack Reacher 2: Kein Weg zurück
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Jack Reacher 2: Kein Weg zurück
    Von Christoph Petersen

    Okay, er hat die falsche Augenfarbe, die falsche Statur und er ist 26 Zentimeter zu klein, aber mit „Jack Reacher“ hat Tom Cruise die meisten skeptischen Fans von Lee Childs inzwischen schon 22 Bestseller umfassender Romanreihe trotzdem davon überzeugt, dass er eine passende Besetzung für die Rolle des Ex-Militär-Ermittlers ist, der wie ein Ein-Mann-„A-Team“ durch die USA zieht und überall dort hilft, wo seine speziellen Fähigkeiten gerade gebraucht werden. „Jack Reacher“ ist unkomplizierte Thrillerkost mit einigen starken Actionszenen – vor allem der provokante Sniper-Auftakt und der geradlinige Steinbruch-Showdown blieben in Erinnerung. Als Belohnung wurde Regisseur Christopher McQuarrie zu höheren Aufgaben befördert – und hat mit dem 150 Millionen Dollar teuren „Mission: Impossible - Rogue Nation“ in der Zwischenzeit einen echten Hammer-Blockbuster abgeliefert. An seiner Stelle hat Tom Cruises alter „Last Samurai“-Kumpel Edward Zwick die Regie von „Jack Reacher 2: Kein Weg zurück“ übernommen. Aber der Oscarpreisträger liefert mit seinem Sequel lediglich einen zwar absolut solide inszenierten, aber zugleich auch völlig austauschbaren Action-Thriller von der Stange.

    Nachdem er ihr geholfen hat, einen korrupten Kleinstadt-Sheriff (Jason Douglas) hochzunehmen, der illegale Einwanderer als Sklaven weiterverkauft, will Jack Reacher (Tom Cruise) seine Kontaktperson bei der Militärpolizei, Major Susan Turner (Cobie Smulders), endlich auch mal persönlich kennenlernen. Aber als er beim Hauptquartier seiner alten Einheit eintrifft, sitzt Turner allerdings wegen eines Spionagevorwurfs im Militärgefängnis. Reacher lässt sich jedoch nicht so einfach abwimmeln und schaut sich die Sache genauer an, woraufhin ihm bereits am nächsten Tag der Mord an Turners Anwalt in die Schuhe geschoben werden soll. Außerdem wird er mit der Unterhaltsklage einer Frau konfrontiert, die behauptet, dass Reacher der Vater ihrer 15-jährigen Tochter Samantha (Danika Yarosh, „Heroes Reborn“) sei …

    Dass die Eröffnungssequenz, in der Reacher dem Sheriff androht, dass in den nächsten 90 Sekunden zwei Dinge geschehen werden, in allen Trailern vorkommt und in einigen sogar nahezu vollständig gezeigt wird, obwohl sie für die Handlung des Films praktisch keine Rolle spielt, ist nicht weiter verwunderlich. Denn abgesehen von einem satten Fausthieb durch eine Windschutzscheibe und einer Einer-gegen-alle-Lagerhausschlägerei gibt es neben dem lässig-coolen Auftakt kaum echte Reacher-Momente. Stattdessen wird der durchs Land ziehende Ex-Ermittler mit einem Militärkomplott konfrontiert, das derart generisch und simpel zu durchschauen ist, dass es vielleicht eine Folge von „Navy CIS“ tragen würde, aber für einen zweistündigen Kinofilm einfach nicht genug hergibt. Nun wäre auch das nicht weiter problematisch, wenn die Handlung wie im ersten Teil nur ein Mittel zum Zweck wäre, um dem Protagonisten Raum zum Glänzen zu geben, aber Zwick lässt sich viel zu viel Zeit, um seinen wenig inspirierten Krimiplot sauber auszuerzählen. So ist „Kein Weg zurück“ vielleicht inhaltlich kohärenter als sein Vorgänger, aber dafür auch merklich spannungsärmer. Die meisten Actionsequenzen wirken zudem altbacken und wenig spektakulär – erst im Finale über den Dächern von New Orleans kommt endlich ein wenig mehr Schwung in den Film.

    Am interessantesten ist hier noch, dass Reacher diesmal nicht als Einzelgänger operiert, sondern gleich zwei Frauen an seiner Seite hat (selbst wenn Tom Cruise deshalb eher seinen klassischen Hollywoodcharme statt wie im ersten Teil eine herbe Coolness an den Tag legt und so wieder näher an seine Rolle aus der „Mission: Impossible“-Reihe heranrückt, von der er sich mit den „Jack Reacher“-Filmen ja gerade abgrenzen wollte). Cobie Smulders („How I Met Your Mother“, „The Avengers“) beweist dabei als pflichtbewusste Majorin echte Actionstarqualitäten und wirkt in einigen Momenten sogar tougher als ihr actionerfahrener Co-Star – zumal die Macher dankenswerterweise darauf verzichten, eine Alibi-Liebelei in den Plot einzubauen (selbst wenn ein gewisses Knistern zwischen den beiden kaum zu leugnen ist). Stattdessen entwickelt Reacher nach anfänglicher Zurückhaltung bald väterliche Gefühle für seine Vielleicht-Tochter Samantha – daraus entstehen zumindest einige berührende Szenen, vor allem der finale Moment in einem Diner ist sehr schön, aber in Filmen wie „Iron Man 3“ oder „The Nice Guys“ wurde aus der Actionheld-plus-Teenager-Dynamik zuletzt doch deutlich mehr rausgeholt.

    Eine echte Enttäuschung sind hingegen die Bösewichte (zumal im Vorgänger niemand Geringeres als Kult-Regisseur Werner Herzog zu exzentrischen Bad-Guy-Höhenflügen angesetzt und sich als ‚Der Zec‘ sogar drei seiner eigenen Finger abgebissen hat): Patrick Heusinger („Girlfriends’ Guide To Divorce“) als ruch- und namenloser Handlanger und Robert Knepper (T-Bag aus „Prison Break“) als fädenziehende graue Eminenz General Harkness liefern lediglich das absolute Minimum, das man von einem typischen Bösewicht-Doppel à la James Bond erwartet. Das reicht im Jahr 2016 aber einfach längst nicht mehr aus.

    Fazit: Ein durch und durch generischer Action-Thriller ohne echte Höhepunkte.

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