Ein beunruhigendes Thema wird unterhaltsam und spannend verpackt!
„Kommen Sie sich dumm vor?“ fragt Ryan Goslings Figur Jared Vennett das Publikum in der Buchadaption von Michael Lewis „The Big Short“ von 2015. Und ja, ich kam mir oftmals sehr dumm vor bei diesem Film, immerhin geht es um die große Finanzkrise von 2007/2008 und wie diese zustande gekommen ist. Regie führte Adam McKay, der vor allem mit den „Anchorman“-Filmen seinen Durchbruch hatte. Sein sozialkritisches Werk „Don´t Look Up“ von 2021 fand ich zwar nervig und anstrengend, aber „The Big Short“ war immerhin für einige Oscars nominiert und konnte die Trophäe für das beste adaptierte Drehbuch einheimsen. Ein Grund sich das Ganze mal anzuschauen. Und ich muss schon sagen, dass wenn mich ein Film fesseln kann, obwohl er sich um Finanzen, Kredite und so weiter dreht, dann ist das schon bemerkenswert. Auf temporeiche und unterhaltsame Art sehen wir hier den Verfall der amerikanischen Wirtschaft in den 2000ern.
Alles beginnt im Jahre 2005: Hedgefonds-Manager Michael Burry erkennt, dass der amerikanische Immobilienmarkt kurz vor einem Kollaps steht und will daraus Kapital schlagen. Auch andere Leute erkennen diese Immobilien-Blase, wie Mark Baum, Chef eines winzigen Investmentunternehmens. Zunächst werden sie alle belächelt für ihr riskantes und scheinbar wahnwitziges Vorhaben, doch mit der Zeit wird den Menschen klar, auf was für einem brüchigen Gerüst die amerikanische Wirtschaft steht…
„The Big Short“ ist eine sehr gelungene Mischung aus Comedy und Drama. Die Finanzkrise bedeutete für viele Menschen nicht nur den Verlust ihrer Arbeit, sondern auch ihres Zuhauses. Und natürlich betraf diese Krise auch viele andere Länder, darunter ein Großteil von Europa. Ich persönlich kenne mich mit all dem praktisch nicht aus und selbst nach dem Schauen des Films, kann ich nicht genau sagen, was hier eigentlich passiert ist. Aber irgendwie passt dieses Gefühl zur Thematik und der Absurdität des Ganzen. Wie im Film gesagt wird, wissen die meisten gar nicht, was genau in diesen Hypotheken-Verträgen genau drin steht. Und kaum einer glaubt den wenigen Leuten, die den Fehler im System erkannt haben. Und sieht man sich die Folgen an und wer am Ende besonders darunter leiden musste und es immer noch tut, dann könnte man eigentlich sehr sauer auf die Welt und ihre Dummheit werden. „The Big Short“ jedoch verpackt das Ganze mit gekonnter Satire und gesundem Zynismus. Ähnlich wie Scorseses „The Wolf of Wall Street“ sehen wir wie sich die Menschen mit ihrem kapitalistischen System gegenseitig ausbeuten und zugrunde richten. Wenige profitieren von den großen Gewinnen, während andere das Leid tragen.
Für nicht so intelligente Menschen wie mich, wird das Ganze aber stellenweise sehr gut erklärt, sodass man eine ungefähre Ahnung von der Katastrophe bekommt. Und ich muss wirklich sagen, dass ich durch diesen Film ein Interesse dafür bekommen habe, wie die ganze Sache damals passiert ist. Mir gefällt vor allem der Bruch der vierten Wand: Viele Figuren sprechen das Publikum direkt an und ergänzen einige Fakten zur Fiktion, was ich sehr passend und unterhaltsam finde.
„The Big Short“ überzeugt zwar mit einer spannenden Erzählstruktur und einem wirklich soliden Drehbuch, doch am Ende hat mir etwas die emotionale Komponente gefehlt. Da gibt es ein tragisches Ereignis mit einer Figur und ihrem Bruder, welches jedoch nur beiläufig thematisiert wird. Andere Figuren bleiben sogar noch blasser. Viele der dramatischen Momente verlieren dadurch etwas an Kraft…
Dafür gibt es aber einen großartigen Cast mit Ryan Gosling, Christian Bale und Steve Carell. Alle drei sind wirklich famos, besonders Carell gefällt mir immer wieder in seinen ernsteren Rollen. Daneben gibt es noch Brad Pitt, der das Ganze mit produzierte, sowie kleine, aber humorvolle Gastauftritte von Margot Robbie oder Selena Gomez, die bestimmte Begriffe oder Themen der Finanzwelt einfach erklären.
Auch technisch überzeugt der Film. Während die Kamera von Barry Ackroyd mit einem dokumentarischen Stil etwas Realismus in die Story bringt, ergänzt Hank Corwin mit seinem rasanten Schnitt das Ganze mit Tempo. Dazu kommt ein passender Soundtrack mit solider Songauswahl.
Fazit: „The Big Short“ ist besonders für Leute wie mich spannend, die keine Ahnung haben, was 2007/2008 eigentlich passiert ist. Das Comedy-Drama bringt das komplexe und besorgniserregende Thema sehr gut rüber und verpackt das alles mit Tempo, tollen Dialogen und noch tolleren Darsteller*innen.