Oha, da kommt der gute alte Ridley doch nochmal mit einem großen Blockbuster-Historienepos daher, das zudem mit einigen Hollywood-Stars aufwarten kann. Da war ich schon sehr neugierig, was er uns da zu bieten hat. Dabei schreckt die lange Laufzeit von über 2 1/2 Stunden erstmal ab, und ja, der Film hat auch einige Längen, das kann man nicht schönreden. Dennoch ist das Gesamtergebnis am Ende durchaus eindrucksvoll, wobei vor allem das titelgebende finale Duell wohl am längsten im Gedächtnis bleiben wird. Der Kampf ist brachial inszeniert und von einer beeindruckenden Intensität und Körperlichkeit! Der Weg dahin ist dann weniger actionreich, sondern eher ein Drama, dass die Geschehnisse aus drei unterschiedlichen Perspektiven schildert. Das ist ein bisschen so wie in einem klassischen John Grisham-Gerichtsthriller – nur nicht so spannend...
Es ist aber immerhin unterhaltsam zu sehen, wie sich die Personen in ihrer eigenen Erinnerung selbst sehen und wie sie von anderen wahrgenommen werden. Das ist ja an sich ein spannendes Thema, auch der Grundkonflikt, der letztlich zum Duell führt, ist zeitlos. Der Film positioniert sich da auch wenig subtil zur damals hochaktuellen #metoo-Debatte. Durch das Setting im 14. Jahrhundert wird die Geschichte noch um einige interessante Aspekte erweitert. So findet das Duell ja beispielsweise nicht statt, um die Frau zu rächen, sondern um die Ehre des Mannes wiederherzustellen. Dass ihr sowieso erstmal nicht geglaubt wird, ist eh klar, das Verbrechen besteht dann auch nicht eben in der Vergewaltigung, sondern im Verletzen des Eigentums eines anderen Mannes. Auch die Machtverhältnisse und das Agieren derjenigen, die die Macht innehaben ist spannend und abstoßend zugleich. Diese ganze Dramatik macht den Film im Grunde sehr aufregend und sehenswert.
Getragen wird das Alles von einem hervorragenden Cast, der fantastisch aufspielt und der Thematik auch die entsprechende Gravitas verleiht, damit das wirken kann. Matt Damon als etwas einfältiger, aber königstreuer Krieger mit erinnerungswürdigem Mittelalter-Vokuhila spielt seine Rolle sehr überzeugend. Sein Counterpart, Adam Driver ist so etwas wie der Bösewicht im Film und wird auch von Anfang an als undurchschaubar und unberechenbar etabliert. Richtig cool kommt dann aber der blondierte Ben Affleck als Lehnsherr daher, so eklig und schmierig, herrlich! Zwischen diesen Männern und ihren Egos kommt die arme Marguerite unter die Räder und wird absolut überragend von der fantastischen Jodie Comer gespielt. Sie verleiht ihrer Figur die nötige Würde und Tapferkeit, um in dieser Zeit als Frau bestehen zu können – großartig!
FAZIT: Großartiges Blockbuster-Historiendrama um eine immer aktuelle Thematik. Getragen von einem fantastischen Schauspieler-Ensemble, intensiv, emotional, aufwühlend, ein Film, der zum Diskutieren einlädt. Zwar ist der Film mit seinen 2 1/2 Stunden insgesamt zu lang geraten, aber alles in allem doch auf jeden Fall sehenswert!