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    Verliebt, verlobt, verloren
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Verliebt, verlobt, verloren
    Von Christian Gertz
    Mit ihren sehenswerten, mehrfach ausgezeichneten Dokumentationen „Full Metal Village“ und „Endstation der Sehnsüchte“, in denen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen fried- und humorvoll aufeinandertreffen, hatte sie nicht nur das Publikum begeistert sondern auch dem Label „Heimatfilm“ mit dem Blick der Einwanderin eine ganz neue, besondere Note hinzugefügt. Sung-Hyung Cho ist 1990 im Alter von 24 Jahren aus Seoul nach Marburg gekommen, wo sie ein Studium der Kunstgeschichte, der Medienwissenschaft und der Philosophie absolvierte. „Verliebt, verlobt, verloren“, ihr mittlerweile vierter Dokumentarfilm, ist der Abschluss einer Trilogie, die bereits 2006 im Kopf der Südkoreanerin entstanden war. Das Werk über ein tragisches Kapitel der deutsch-koreanischen Beziehungen erweist sich allerdings als schwächster Teil ihrer Reihe zum Thema Heimat – auch weil die Begegnungen zwischen den Kulturen hier nur in den Erinnerungen stattfinden.


    Auf Einladung der noch jungen Deutschen Demokratischen Republik kamen zwischen 1953 und 1960 ausgewählte nordkoreanische Studenten ins Land. Sie sollten im befreundeten sozialistischen Ausland ihre Ausbildung vervollkommnen, um später als Chemiker, Physiker oder Ingenieure den Aufbau des eigenen, im Krieg zerstörten Landes voranzutreiben. Die jungen Männer gründeten nicht selten Familien und hatten Kinder mit deutschen Frauen, die sie für immer zurückließen, als sie Anfang der 60er-Jahre nach Nordkorea zurückbeordert wurden. Sung-Hyung Cho befragt einige von diesen verlassenen Familienmitgliedern nach ihrem Umgang mit dem existenziellen Verlust des Vaters und Ehemanns. Unter diesen ostdeutschen Zeitzeugen sticht vor allem der Bericht von Renate Hong hervor, die wie einige ihre Leidensgenossinnen von ihrer schicksalhaften Begegnung mit einem der Gaststudenten erzählt. Neben längeren Interviewpassagen werden dabei auch Fotos und Tagebuchnotizen herangezogen, kurze Animationsfilmchen dienen zur Illustration. Das alles ist gut recherchiert und gefühlvoll inszeniert, aber durch die ausschließliche Konzentration auf die in der DDR verbliebenen Frauen und Kinder auch einseitig. So wird aus „Verliebt, verlobt, verloren“ im Grunde eine Anklage ohne Anhörung aller Beteiligter, zumal allzu deutlich und vorschnell eine Grenze zwischen Täter und Opfer gezogen wird.

    Fazit: Nach „Full Metal Village“ und „Endstation der Sehnsüchte“ ist der informative, aber einseitige „Verliebt, verlobt, verloren“ der schwächste Teil von Sung-Hyung Chos dokumentarischer Trilogie zum Thema Heimat.
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