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    Stargirl: Anders ist völlig normal
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Stargirl: Anders ist völlig normal

    Die neue Hannah Montana gibt's auf Disney+

    Von Karin Jirsak
    Wunderkind-Alarm: 2016 gewann Grace VanderWaal im Alter von nur zwölf Jahren die 11. Staffel von „America's Got Talent“ – und zwar mit selbstgeschriebenen Songs, die sie auf der Ukulele begleitete. Seitdem ging es für die Singer-Songwriterin weiter steil bergauf: Ende 2017 erschien das erste Album mit dem prophetischen Titel „Just The Beginning“. Es folgten Touren mit Imagine Dragons und Florence And The Machine – und so schaffte es VanderWaal im vergangenen Jahr gar als jüngste Musikerin aller Zeiten in die legendäre „30 Under 30“-Liste vom Forbes Magazine.

    Genau die passende Besetzung für die Titelrolle in einem Disney-Film namens „Stargirl: Anders ist völlig normal“, möchte man meinen. Aber der Coming-of-Age-Film von Julia Hart („Fast Color“), der auf dem gleichnamigen Jugendbuch von Jerry Spinelli basiert, ist dann leider auch nichts anderes als ein schön bebildertes, ansonsten aber ziemlich lahmes Vehikel für die junge Künstlerin, die hier in die Fußstapfen von Ex-Disney-Superstargirls wie Hilary Duff („Lizzie Maguire“), Miley Cyrus („Hannah Montana“) oder Selena Gomez („Die Zauberer vom Waverly Place“) tritt.

    Stargirl -> mit der Ukulele zur Chef-Cheerleaderin!


    An seinem 16. Geburtstag lernt der schüchterne Leo (Graham Verchere) seine neue Mitschülerin Stargirl (Grace VanderWaal) kennen, die ihn in der Cafeteria auch gleich mit einem Ukulele-Ständchen verzaubert. Aber woher weiß Stargirl überhaupt von seinem Geburtstag? Ist ihr Name wirklich Stargirl? Und kann es wirklich sein, dass sich dieses außergewöhnliche Mädchen ausgerechnet für ihn interessiert? Diese und andere Geheimnisse beschäftigen Leo, während er seinem Traumgirl Schritt für Schritt näherkommt. Bei einem Football-Match kommt es schließlich zu einem folgenschweren Vorfall, der Stargirl ins soziale Abseits befördert. Sie beginnt zu zweifeln: Ist es womöglich doch besser, so zu sein wie alle anderen?

    Wer (oder was?) ist eigentlich Stargirl? Das fragt sich nicht nur Teenager Leo, als er sich in seine zauberhafte neue Mitschülerin mit dem ungewöhnlichen Namen verliebt. Warmherzig, freigeistig, klug, redegewandt, kreativ und nahezu überirdisch hübsch – so ein Wesen kann doch nicht von dieser Welt sein, oder? Dieses vermeintliche Rätsel steht im Fokus der verträumten Coming-of-Age-Story – und das ist ganz klar zu wenig. Bis sich hier überhaupt mal eine Art von Konflikt anbahnt, befinden wir uns längst in der zweiten Hälfte des Films. Bis dahin bewundern wir – durch die Augen des verliebten Teenagers Leo – Stargirls verrückte Looks mit knallbunt gemusterten Latzhosen, Püppchenschuhen, Pastell-Puffärmelchen, Glitzersternchen im Gesicht und Schleifchen im Haar. Wir bestaunen ihre fast schon heiligenhafte Menschenliebe und natürlich ihre Sanges-, Ukulelen- und Tanzkünste. Das war's dann aber auch eigentlich schon.

    Von Sternen und Blumen


    Obwohl wir auch hier auf die aus den meisten Highschool-Filmen bekannte Zweiklassen-Gesellschaft stoßen, ergeben sich aus der Konstellation individualistische Freaks Vs. angesagte Footballspieler zunächst keinerlei Schwierigkeiten für erstere, ganz im Gegenteil: Leo scheint gut integriert und Stargirl ist einfach so zuckersüß und in allem begabt, dass sie ziemlich schnell von den (nur als identitätslose Menge in Erscheinung tretenden) It-Schülern zur Cheerleader-Königin erkoren wird. Leo ist zwar kein Footballspieler, sondern spielt Trompete in der Marschkapelle – ein Problem ist dieses potenzielle Coolness-Gefälle zwischen ihm und seiner neuen Freundin aber nie. Das muss es ja auch nicht sein und die beiden sind ein hübsch anzusehendes Pärchen, keine Frage. Echte emotionale Nähe kommt aber auf Zuschauerseite nicht auf, dazu ist Stargirl einfach zu perfekt und wirkt damit auf eine Weise künstlich, die es schwer macht, mit ihr mitzufühlen, selbst wenn in der zweiten Hälfte dann die Tränchen kullern.

    Das pseudo-philosophische Geschwurbel über Sterne, Regen, Steine und Blumen kann man poetisch und weise finden. Oder man fragt sich zunehmend genervt, von welchem psychedelischen Space-Trip Stargirl das wohl alles mitgebracht hat. Schade jedenfalls, dass man den ganzen Tiefsinn nicht zumindest hier und da mit einem Spritzer Humor angereichert hat. Dafür hätte sich zum Beispiel die Zeichnung der Nebencharaktere angeboten, die aber – bis auf Leos besten Freund Kevin (Karan Brar) – kaum ausgearbeitet werden. Auch die obligatorische Ballszene ist hier, obwohl als solcher intendiert, kein echter Höhepunkt und dürfte, so viel sei verraten, vor allem Fans des mehrfach preisgekrönten Bestsellers mit nicht nachvollziehbaren Änderungen gegenüber der Vorlage enttäuschen. Das alles reißen dann auch die in leuchtenden Farben colorierten Aufnahmen der Wüste Arizonas nicht raus.

    Fazit: Sei einfach du selbst – auch wenn du eigentlich zu perfekt für diese Welt bist. Das ist die realitätsferne Botschaft, die man aus dieser zwar hübsch gefilmten, aber auch recht humor- und konfliktlosen Coming-of-Age-Lovestory mitnehmen kann. Trotzdem hat Grace VanderWaal definitiv das Zeug zum neuen Disney-Stargirl! (Und wer auf Disney+ einen richtig guten Originalfilm sehen will, der wird hier fündig.)

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