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    James Bond 007 - Moonraker
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    James Bond 007 - Moonraker
    Von Martin Soyka
    „Moonraker“ wird, obwohl einer der erfolgreichsten Filme der „James Bond“-Reihe, von nicht wenigen geschmäht. Der Vorgänger „Der Spion, der mich liebte“ hatte dem Franchise die nötige Frischzellen-Kur verpasst. Roger Moore war jetzt als Bond etabliert und hatte zu seiner eigenen Interpretation des Charakters gefunden. Wohin jetzt? „Star Wars“ hat den Weg gewiesen: nach oben! Und zwar weit nach oben!

    Ein Weltraumpendler wird auf spektakuläre Weise entführt. Eben noch auf dem Dach einer Boeing 747 montiert, haben zwei namenlose blinde Passagiere Gas gegeben und das Fluggerät einfach mitgenommen. James Bond (Roger Moore) muss her, und zwar auf dem schnellsten Weg... und der führt diesmal aus der Tür eines im Flug befindlichen Kleinjets, ohne Fallschirm wohlgemerkt. Gleichwohl sicher gelandet, soll Bond die Hintergründe des Hijackings besonderer Art aufklären. Die Spur führt zunächst nach Kaliforniern zum Hersteller des Raumpendlers, Hugo Drax (Michael Lonsdale, München). Dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht, wird Bond nach einem ersten Anschlag auf sein Leben in einer Zentrifuge klar. Die Spur führt weiter zu so illustren Orten wie Venedig und Rio de Janeiro, bis hinein in den Regenwald Südamerikas. Dort schließlich klärt sich das Rätsel um den Moonraker auf. Der Milliardär Drax hat seine eigenen Pläne mit der Menschheit und ist finster entschlossen, ihr endlich den Rest zu geben. Seine Festung indes, befindet sich an einem ganz anderen Ort…

    Sinnig ist das alles nicht, zugegeben. Warum war der entführte Moonraker betankt? Das wirkt sich doch nachteilig auf das Fluggewicht aus. Wie kann im Weltraum mühelos Schwerkraft hergestellt werden? Wieso kann man die Laserstrahlen der entsprechenden Gewehre sehen? Und wie zum Teufel soll Sex in der Schwerelosigkeit funktionieren, wenn keiner der Partner irgendwo angebunden ist? Dennoch, bei aller Albernheit gehört „Moonraker“ zu den unterhaltsameren Filmen der Serie. Der Plot - größenwahnsinniger Milliardär will die Menschheit ausrotten und noch mal von vorn beginnen - ist vom Vorgänger quasi eins zu eins übernommen und dient ersichtlich nur als Vehikel, um möglichst viel auf die Leinwand zu bringen. Und zu sehen gibt es sehr viel. Das beginnt mit der großartigen Pre-Title-Sequence, in der sich Bond im freien Fall und verfolgt von Beißer um den einzig verfügbaren Fallschirm prügeln muss. Das Ergebnis ist auch aus heutiger Sicht atemberaubend und kaum zu toppen. Die Szene wurde später im Schwarzenegger-Spekakel Eraser zitiert, allerdings mit weit weniger Wirkung, da ersichtlich schludrig hingetrickst. Hier nicht. Alles ist echt und wurde gewissermaßen an Ort und Stelle gefilmt.

    Der Film strotzt nur so vor großartigen Schauwerten. Eine Verfolgungsjagd in Venedig per Gondel? Bitte sehr! Noch eine Bootsverfolgungsjagd mit Speedbooten im Dschungel? Aber klar doch, Q (Desmond Llewelyn) hat da schon was vorbereitet! Verfolgungsjagd im Orbit mittels Space Shuttle? Warum nicht, wenn wir schon vor Ort sind? Eine Prügelei auf dem Dach von Seilbahngondeln hoch über Rio? Gute Idee, machen wir. Und dann die coolste Waffe, die man Bond jemals gab: die sprichwörtliche Unterarmflak, wahlweise mit blausäurehaltigen und panzerbrechenden Pfeilen bestückt (selbstverständlich ist immer die passende Munition geladen). Dieses Spielzeug kann auch heute noch Kinderherzen begeistern. Und die Liste ist noch lange nicht zu Ende. Humorvoll geht es zur Sache. Selbst Moneypenny (Lois Maxwell) kann Bond hier nicht so recht ernst nehmen, wenn er ihr von seinen unglaublichen Eskapaden berichtet. Da wird gekalauert und selbst die Musik von „Die glorreichen Sieben“ wird an (un-)passender Stelle zitiert. Oder war es doch die aus der Marlboro-Werbung? Die Zigarettenmarke ist jedenfalls im Film präsent, ebenso Seiko-Uhren und eine bekannte Fluggesellschaft zeigen ihr Label. Egal, Bond ohne Product Placement ist eben undenkbar.

    Hinzu kommen abermals die unschlagbaren Kulissen von Ken Adam, angefangen beim Zentrifugen-Raum, über den sogenannten Mondrian-Raum - das Kontrollzentrum in Südamerika - bis hin zur Raumstation im All. Alles wirkt bewusst over the top, und genau danach verlangt dieser Streifen auch. Der Film hat allerdings eine erhebliche Länge und wurde zunächst im Kino mit Pause in der Mitte gezeigt. Von der Leichtigkeit des Vorgängers blieb nicht viel, was unter anderem auch an der getragenen Musik von John Barry liegt, die ausnahmsweise nicht so recht zu dem verspielten Film passen will. Schon der von Shirley Bassey - zum dritten Mal dabei - interpretierte Titelsong ist ein mood-setter erster Güte. Auch in tricktechnischer Hinsicht kann „Moonraker“ nicht mit Spektakeln wie „Star Wars“ mithalten. Die Action in der Schwerelosigkeit wirkt naturgemäß behäbig und ist nicht auf dem damals neuesten Stand, sind doch durchaus hie und da Drähte auszumachen. Und im Gegensatz zum vorzitierten Klassiker wirken die Laserstrahlen hier albern und nicht cool.

    Die Produzenten der Serie verfallen von Zeit zu Zeit darauf, Bond in fremdem Sujet einzusetzen. In „Der Mann mit dem Goldenen Colt“ wurden Anleihen bei den damals populären Eastern gemacht, jetzt sollte die Science-Fiction-Welle abgeritten werden. An der Kinokasse funktionierte das auch ganz gut, aber schon beim Nachfolger war man sich klar darüber, dass der Charakter neu geerdet werden musste. Das gleiche Problem stellt sich übrigens aktuell, denn auch James Bond 007 - Stirb an einem anderen Tag war vergleichsweise überladen und kaum noch glaubwürdig. Ein Neustart tut Not, was auch die Verpflichtung eines anderen Schauspielers nachvollziehbar macht. Die nötige Ernsthaftigkeit nach derartigen Eskapaden wieder zu finden, ist schwierig, wenn man den Leading Man nicht neu besetzt.

    Über Roger Moore als Bond zu streiten, ist aber müßig. Der Schauspieler entsprach zwar dem Bild, das sich Ian Flemming von seinem eigenen Helden gemacht hatte, war aber im Vergleich mit dem virilen Connery beim Publikum immer die zweite Wahl. Er tat gut daran, nicht mit ihm um den Titel „härtester Hund seiner Majestät“ zu konkurrieren und interpretierte seinen Charakter als einen Mann, der zwar fähig war zu töten, es aber nicht gern tut. Seine charmante, oft auch steife Art der Darstellung bietet aber genügend Projektionsfläche, um die von ihn dargestellte Figur universell einsetzbar zu machen. Dagegen können die Schurken gefallen. Michael Lonsdales Bösewicht wird zuweilen als blass bezeichnet, kann aber mit seiner ungeheueren Arroganz durchaus glänzen. Beißer (Richard Kiel) wieder in den Film zu nehmen, ist ebenfalls eine hervorragende Idee, auch wenn seine Wendung zum Guten am Schluss wirklich albern ist, von seiner Liebesgeschichte ganz zu schweigen. Diese ist offenbar dadurch nötig geworden, dass vor allem Kinder den Riesen mochten, ihn aber nicht als Bösewicht sehen wollten. Dies deutet ganz klar auf die Zielgruppe hin, die mit diesem Film bedient werden sollte.

    „Moonraker“ ist als Agentenfilm untauglich, kann aber als blankes Unterhaltungskino ohne größeren Anspruch überzeugen. Mehr von dieser Art Filmen hätten das Franchise sicher kaputt gemacht, aber als Elseworld-Geschichte verstanden geht der Film in Ordnung.
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