“In jeder Beziehung gibts eine Blume und es gibt einen Gärtner. Bist du die Blume oder der Gärtner?”
Mir hat der Film unheimlich gut gefallen, ich hatte lange einen Bogen um diesen Film gemacht, ein Biopic über eine Eiskunstläuferin klang für mich maximal unattraktiv. Aber wenn ich geahnt hätte, was für ein großartiges Meisterwerk sich dahinter verbirgt, hätte ich sicher nicht so lange gezögert. Es gibt mehrere Gründe, warum für mich der Film so gut funktioniert:
Allen voran ist da natürlich die Art der Inszenierung! Diese abstruse Mischung aus Mockumentary und Spielfilm ist absolut perfekt. Es gibt immer wieder Interviewszenen, überwiegend mit Tonya, die ihre Sicht der Dinge berichtet, aber auch mit ihrem Ehemann Jeff, der natürlich aus seiner Warte erzählt. Dabei ist es immer wieder extrem unterhaltsam, wie beide so unterschiedlich über die gleiche Situation berichtet. Gelegentlich werden auch beide im Splitscreen direkt gegenübergestellt – großartig! Ab und zu kommt dann auch Tonyas Mutter zu Wort, die natürlich nochmal so ihren ganz eigenen Blickwinkel reinbringt. Dabei ist es auf der einen Seite unfassbar komisch, sie hat eine sehr direkte Art, die Dinge beim Namen zu nennen, gleichzeitig aber erschreckend, wie kaltherzig sie teilweise ihrer Tochter gegenübertritt. Vor allem in den Spielfilmszenen ist es mitunter richtiggehend grausam und sehr schmerzvoll, wie die Interaktion zwischen ihr und Tonya abläuft.
Diese Interviewsituationen werden immer wieder von längeren Spielfilmsequenzen unterbrochen, die die wichtigsten Stationen In Tonyas Leben abklappern, dabei steuert von Beginn an alles natürlich auf das Attentat auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan zu. Es gibt immer wieder zahlreiche Momente, in denen Tonya die vierte Wand durchbricht und das Publikum direkt anspricht, das sorgt mitunter für die stärksten und witzigsten Szenen des Films! Diese Art der Inszenierung wird von Regisseur Craig Gillespie auf ein absolut meisterhaftes Niveau gehoben. Die Geschichte ist dadurch ungemein unterhaltsam, bekommt einen Documentary-Subtext, gerät dadurch gleichzeitig aber auch unheimlich intensiv und unmittelbar. Zumindest wird es niemals langweilig!
Und als zweiter Punkt ist da natürlich Margot Robbie zu nennen, sie trägt mit ihrer unfassbaren Ausstrahlung und ihrer enormen Leinwandpräsenz diesen ganzen Film mühelos. Dabei zeigt sie ihr großartiges schauspielerisches Talent sowohl in den witzigen Szenen, aber auch in den tragischen Szenen, vor allem der Teil in der Gerichtsverhandlung, wenn sie auf das Urteil antwortet, ist ein echter hochemotionaler Gänsehautmoment! Die Eislaufszenen sind (zumindest die leichteren Passagen und die Übergänge) auch tatsächlich von ihr selbst ausgeführt, bei den komplexen Figuren musste natürlich CGI zum Einsatz kommen, was man aber im fertigen Film absolut nicht sieht! Einen Oscar gab es seinerzeit für Allison Janney als Tonyas Mutter, die sicherlich eine tolle Leistung abliefert, aber aus meiner Sicht dennoch gnadenlos im Schatten von Margot Robbie steht, die hier wirklich jede Szene dominiert. Sebastian Stan als ihr Ehemann spielt ebenfalls gut, immer an der Grenze zwischen Arschloch und Vollidiot, alle anderen bekleiden nur noch kleinere Nebenrollen, ohne größere Akzente setzen zu können.
Bemerkenswert ist, dass der Film ja unter direkter Mitarbeit der echten Tonya Harding entstanden ist und auf ihrem Buch beruht, Margot Robbie hat im Vorfeld mehrere Male direkt mit ihr über den Film gesprochen. Insofern ist der Film also schon durchaus authentisch und kann gut als Biopic funktionieren. Die ganze humoristische, ja fast schon satirische Aufarbeitung ist es aber dann erst, was den Film auch für Nichteissport-Fans absolut sehenswert macht! Denn auch das ist letztlich eine enorme Leistung, die der Film vollbringt, nämlich diesen Sport und seine Welt, die ihn umgibt, auch für normale Menschen erfahrbar zu machen. Und selbst wenn man keine Ahnung von dem hat, was da auf dem Eis so geleistet wird (wie es bei mir der Fall ist), so ist es doch einfach nur schön, Margot Robbie dabei zuzuschauen. Und dass dieser dreifache Axel etwas ganz Besonderes darstellt, hab ich jetzt auch zum ersten Mal verstanden.
FAZIT: Ein ganz großartiger Film, der tatsächlich auch Nicht-Eiskunstlauf-Fans anspricht und sich einfach enorm unterhaltsam präsentiert. Das liegt zum einen an einer unfassbar starken Margot Robbie, ich würde fast sagen, so gut wie zuvor und danach nicht mehr! Zum anderen auch an einer fantastischen Inszenierung, die perfekt die Balance zwischen Mockumentary und Spielfilm meistert, streckenweise unheimlich witzig, dann aber auch wieder sehr tragisch, in jedem Fall aber immer sehr unterhaltsam. Absolute Empfehlung von mir!!