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    The Super
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    The Super

    Leider nicht so super...

    Von Oliver Kube
    2017 erhielt der in Rosenheim geborene Stephan Rick („Die dunkle Seite des Mondes“) das, wovon wohl so gut wie jeder hiesige Regisseur zumindest heimlich träumt – einen Anruf aus Hollywood und die Chance, mit dem Grusel-Thriller „The Super“ sein englischsprachiges Debüt vorzulegen. Zwar stand ihm nur ein arg begrenztes Budget zur Verfügung. Dafür stellte man ihm mit Patrick John Flueger einen bewährten TV-Star („Chicago Fire“, „Chicago PD“) und sogar Ex-Batman Val Kilmer als dessen Gegenspieler vor die Kamera. Im Hintergrund zog „Law & Order“-Mastermind Dick Wolf, immerhin einer der erfolgreichsten Produzenten der Fernsehgeschichte, die Strippen. Das Drehbuch stammt zudem von John J. McLaughlin, der bereits so veritable Erfolge wie „Hitchcock“ oder „Black Swan“ verfasst hat. Da sollte doch eigentlich nichts anbrennen...

    Ein altehrwürdiges Apartmentgebäude im besseren – sprich teureren – Teil von Manhattan: Neben opulenten Luxusbleiben in den oberen Stockwerken gibt es auch billigere, deutlich schäbigere Wohnungen in dem einen gesamten Häuserblock einnehmenden Klotz. Dazu kommen schlecht beleuchtete, labyrinthartige Kellergeschosse voller Gerümpel. Dort befindet sich außerdem ein riesiger Ofen, der das Hochhaus beheizt. In einer dieser unterirdischen Etagen wohnt neuerdings auch Witwer Phil Lodge (Patrick John Flueger) mit seinen beiden Töchtern in einem Abstellraum. Der Ex-Cop hat gerade seinen neuen Job als Hausmeister (englisch: Superintendent oder kurz Super, daher der Titel) angetreten. Doch anstatt sich um Reparaturen oder den sich türmenden Müll zu kümmern, muss er bereits am ersten Morgen die Wohnung einer angeblich über Nacht sang- und klanglos ausgezogenen Mieterin leerräumen. Sie bleibt nicht die einzige, die plötzlich spurlos verschwindet. Hat Lodges undurchsichtiger Kollege Walter (Val Kilmer) etwas mit den rätselhaften Vorgängen zu tun?


    „The Super“ ist offensichtlich mit einem eher übersichtlichen Budget gedreht worden – die Rede ist von einer vergleichsweise niedrigen Summe von nicht einmal 2,5 Millionen Dollar. Trotzdem ist es gelungen, gleich zu Beginn mit einem atmosphärisch-unheimlichen, bis zu seinem blutigen Ende durchaus geschickt geschnittenen Prolog die nötige Spannung aufzubauen. Der Zuschauer sieht zwar die grausame Ermordung der nach und nach verschwindenden Bewohner. Der Killer selbst bleibt jedoch auch für ihn vorerst unerkannt. Wobei Stephan Rick natürlich schon einen ganz heißen Kandidaten präsentiert.

    Nach seinem bemüht skurril anmutenden Auftritt in „Schneemann“ spielt Val Kilmer („Batman Forever“) erneut eine Nebenrolle als exzentrischer Einzelgänger, der als potenzieller Täter aufgebaut wird. Aufgrund einer Behandlung wegen Kehlkopfkrebs kann der Schauspieler kaum noch reden und hat deshalb auch im englischen Original einen Synchronsprecher als Stimmdouble. Die Rolle des wandelnden Klischees scheint ihm trotzdem Spaß gemacht zu haben; jedenfalls kommt es so rüber. Immer wieder ist Kilmers Figur zu sehen, wie sie vor einem seltsamen, selbst gebastelten Altar in einer fremden Sprache betet oder durch Löcher in den Wänden andere Figuren beobachtet. Mit seinen schmierigen Haaren, dem ausgemergelten Gesicht und seinem schlurfenden Gang sowie einem Michael-Myers-Gedächtnis-Overall ist er zudem regelrecht „creepy“ anzuschauen. Eine für das Publikum tatsächlich spürbare Gefahr mag aber dennoch nie von Walter ausgehen. Nicht einmal dann, wenn dieser sich trotz Lodges Drohungen wiederholt dessen Töchtern, der störrischen 14-jährigen Violet (Taylor Richardson) und der halb so alten, verträumten Rose (Mattea Conforti) nähert. Denn der geübte Thriller- und B-Film-Seher entlarvt schnell die in Richtung Walter zeigenden Hinweise und Verdachtsmomente als leider allzu auffällig und aufdringlich platzierte Drehbuch-Finten.

    Zwischen den Szenen zeigen uns Blicke durch die Lüftungsschächte den Alltag potenzieller Opfer. Die Geschwindigkeit dieser Kamerafahrten und ihre scheinbare Hindernislosigkeit lassen auf etwas Übersinnliches schließen. Wir sehen frisch angespitzte Buntstifte oder ein achtlos zur Seite gelegtes Küchenmesser und ahnen, dass diese schon bald zweckentfremdet werden. Die langen, meist menschenleeren Gänge sowie der uralte Heizofen des Hauses, der die kleine Rose so zu faszinieren scheint, erinnern zudem wohl nicht unbeabsichtigt an Stanley Kubricks „Shining“. All das funktioniert über eine Stunde lang auch gar nicht schlecht – nicht zuletzt, weil diverse Nebenfiguren mit einem zumindest ansatzweise interessanten Hintergrund ausgestattet wurden, der zu weiteren Spekulationen anregt.

    Doch letztendlich war all die Mühe für die Katz: Der große, durchaus überraschende und – im Rückblick betrachtet – passend vorbereitete Twist in der Story wird nur beiläufig, fast schon lustlos serviert. Offenbar wusste die ältere Tochter Violet als einzige von Anfang an, was los ist. Aber anstatt einzuschreiten beziehungsweise Hilfe zu holen und so ganz einfach zu verhindern, dass ein Mensch nach dem anderen, darunter auch solche, die ihr angeblich ans Herz gewachsen waren, getötet wird, gibt sie den bockigen Teenager. Das ist wenig glaubhaft, viel zu bequem und lässt den gewünschten Effekt so größtenteils verpuffen. Dementsprechend hält sich die Vorfreude auf ein in der letzten Einstellung unmissverständlich angeteasertes Sequel mehr als nur in Grenzen.

    Fazit: Val Kilmer hat Spaß in einem atmosphärisch inszenierten Grusel-Thriller. Dem Zuschauer vergeht dieser allerdings dank eines schwach präsentierten Shyamalan-für-Arme-Twists.
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