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    Ostwind 5 - Der große Orkan
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Ostwind 5 - Der große Orkan

    Ein würdiger Abschluss für den Pferde-Hit

    Von Jörg Brandes
    Mädchen und Pferde – kaum eine andere Kombination hat in den vergangenen Jahren derart zuverlässig neue Leinwand-Franchises hervorgebracht: So sattelte etwa Wendy ihre Stute Dixie zumindest zweimal, während Bibi & Tina auf Amadeus und Sabrina sogar gleich vier Mal über die Leinwände (und dann noch durch eine Staffel der gleichnamigen Amazon-Prime-Serie) preschten. Ostwind kommt nun sogar schon zu seinem fünften Kinoeinsatz in acht Jahren. Es soll der letzte Aufgalopp für den temperamentvollen Hengst sein. Zumindest kündigt der Verleih „Ostwind 5 – Der große Orkan“ als „das große Finale“ der Saga an, deren erste drei Teile Katja von Garnier inszeniert wurden, bevor Theresa von Eltz bei „Ostwind 4“ auf dem Regiestuhl Platz nahm.

    Für den finalen Teil hat die „Ostwind“-Romanautorin Lea Schmidbauer die Zügel nun selbst in die Hand genommen. Dabei hat sie sich bestimmt eine Menge von ihren beiden Vorgängerinnen auf dem Regiestuhl abgeschaut. Doch in puncto „Pferdemagie“ bleibt ihr Film hinter den vier Vorgängern zurück. Dafür punktet „Ostwind 5“ mit einer – natürlich von Schmidbauer selbst geschriebenen – Story, die sich dankenswerterweise abseits gängiger Pferdefilm-Themen wie Reiterhofrettung oder Rivalinnen-Gezanke bewegt und das Publikum stattdessen in die Welt des Kunstreitens führt.

    Seit "Ostwind 4" hat Luna Paiano als Ari die Hauptrolle von Hanna Binke übernommen.


    Anders als die inzwischen erwachsene Mika (Hanna Binke) spürt die im vierten Teil eingeführte Ari (Luna Paiano) noch nicht so recht, was Ostwind gerade denkt. Trotzdem vertraut Mika ihr den Hengst an, als sie selbst nach Kanada abreist. Als ein Zirkus sein Zelt in der Nähe von Gut Kaltenbach aufschlägt, fühlt sich Wildfang Ari davon wie magisch angezogen. Zuvor hatte sie bei einem Sommerunwetter bereits Bekanntschaft mit dem gleichaltrigen Carlo (Matteo Miska) und seinem kunstreitenden Vater Nicolai (Nils Brunkhorst) gemacht.

    Beide gehören zum fahrenden Volk und sind Teil des besagten Pferdezirkus. Dessen Leiter Yiri (Gedeon Burkhard) macht sich sogar Hoffnungen auf eine Einladung zum berühmten Zirkusfestival in Monaco. Doch ausgerechnet ein paar Tage vor der großen Show in Anwesenheit von Fürstin Caroline altersschwächelt sein tierischer Star und knickt zusammen. Dabei bricht sich auch Reiter Nicolai den Arm. Yiri will, dass Carlo für seinen verletzten Vater einspringt. Aber Ari hat einen anderen Plan...

    Ein ethisches Dilemma


    Man sollte sich vom Titel nicht in die Irre führen lassen. Es weht im Film zwar gelegentlich ein recht raues Lüftchen. Aber mit dem großen Orkan ist das Zirkus-Zugpferd gemeint. Statt aus einem dramatischen Wettergeschehen bezieht „Ostwind 5“ seine Spannung viel mehr daraus, dass der moralische Kompass der jungen Heldin auf den Prüfstand gestellt wird, wenn sie auf der Suche nach ihrer Bestimmung mit der Zirkusreiterei in Versuchung geführt wird.

    Das ist dann doch mal ein erfrischend anderer, erstaunlich ambivalenter Ansatz für einen Film, in dem es um Pferde und Mädchen geht. Lea Schmidbauer wirft dabei einen durchaus kritischen Blick auf die Kunstreiterei. Was ihrem Werk dagegen ein wenig abgeht: Sowohl das Gefühl von Freiheit auf dem Pferderücken als auch die emotionale Verbundenheit zwischen tierischem Held und menschlicher Heldin kommen diesmal nur bedingt rüber. Beides wusste insbesondere Katja von Garnier in den ersten drei Teilen zuverlässiger heraufzubeschwören.

    Für Pia ist die Versuchung groß, sich in Zukunft als Zirkusreiterin auszuprobieren.


    Das mag auch ein wenig mit der jungen Hauptdarstellerin zu tun haben. Die Schweizer Nachwuchsschauspielerin Luna Paiano erweist sich zwar beim Reiten als sattelfest, kann aber anders als ihre Vorgängerin Hanna Binke einen Film (noch) nicht allein tragen. Bei ihr sieht manches eben doch noch wie einstudiert aus. Der ungleich erfahrenere Gedeon Burkhard schüttelt indes den ohne Rücksicht auf Verluste seine Ziele verfolgenden Zirkusdirekter locker aus dem Ärmel. Relativ wenig Leinwandzeit bleibt unterdessen für altbewährte „Ostwind“-Kräfte, bei denen man sich dennoch über das kurze Wiedersehen freut – allen voran mit Cornelia Froboess als Mikas Oma sowie dem leider zwischenzeitig verstorbenen Tilo Prückner als noch immer geheimnisumwitterter Herr Kaan.

    Fazit: Der fünfte Film um den rassigen Hengst ist sicherlich nicht der stärkste der Reihe, aber er führt sie zu einem würdigen Abschluss. Außerdem hält er für alle „Ostwind“-Fans am Ende noch ein ganz besonders schönes Nostalgie-Schmankerl bereit!

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