Ich mag die Filme von Robert Eggers und ich mag die Art, wie er seine Vision umsetzt. Bei „The Northman“ geht es ihm nicht um historische Korrektheit, sondern vor allem zum Ende hin wird es nochmal sehr mythisch und mystisch. Dieses etwas abgedreht Wilde muss man natürlich mitmachen können, ansonsten könnte man schnell genervt sein, ich glaube, das erklärt die schlechten Bewertungen hier. Robert Eggers provoziert und spaltet halt.
„The Northman“ lebt von seiner visuellen Intensität, die Bilder die Robert Eggers mit seinem Kameramann Jarin Blaschke hier auf den Bildschirm bringt, sind wahrlich episch und manchmal gar von poetischer Schönheit. Gleichzeitig geht es bei ihm aber auch dreckig und wild zu. Eine der besten Szenen im Film ist eine lange Plansequenz am Anfang, wenn die Wikinger das osteuropäische Dorf überfallen. Wie Alexander Skarsgård da durch die Szenerie schreitet, ein Körper wie ein Bär, um ihn rum brennt die Hölle, es wird gekämpft, geschrien und gestorben, und er schreitet da einfach so durch, das ist schlichtweg meisterhaft und ist einfach nur geil. Und so zieht sich das durch den ganzen Film und wird zum Ende hin immer dramatischer und tragischer.
Der Film ist gespickt mit zahlreichen Stars: Alexander Skarsgård hat eine unfassbar starke körperliche Präsenz, mit seinem muskelgestärkten Körper (er hat für den Film 6 Monate trainiert und 9 Kilo Muskelmasse zugenommen!) ist er einfach ein Tier! Die Rolle passt zu ihm wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Claes Bang als der Antagonist spielt ebenfalls großartig und ist ein richtig fieses Arschloch. Nicole Kidman macht auch eine ziemlich krasse Wandlung durch, die jetzt hier aber nicht verraten werden soll. Ethan Hawke als Amleths Vater Aurvandil hat nur recht wenig Screentime, holt da aber alles raus was geht. Willem Dafoe ist genau der richtige Mann für schräger Pyschopathen, hier spielt er einen Schamanen, ziemlich irre und komplett drüber – toll! Björk hat nur einen einzige, aber sehr eindringlichen Auftritt als Seherin, unheimlich und märchenhaft zugleich. Ja, und dann ist da natürlich noch Anya Taylor-Joy. Sie ist mir in „The Witch“ schon sehr positiv aufgefallen, hier spielt sie eine sonderbare und irgendwie mystische Hexe, die auch später noch eine große Bedeutung bekommt. Durch ihre hellen Haare und auch eine etwas hellere Kleidung fällt sie in der dreckig-dunklen Wikinger-Szenerie immer sofort auf, manchmal wirkt es gerade so, als würde sie leuchten.
FAZIT: Brachial-episches Wikingerdrama, das vor allem durch seine visuelle Inszenierung auffällt. Die Szenerie ist toll umgesetzt, die Action ist intensiv und eindringlich. Ein fantastischer Cast – allen voran Alexander Skarsgård und Anya Taylor-Joy – trägt den Film bis zum dramatischen Ende. Historisch interessierte müssen ein oder zwei Augen zudrücken, man muss sich auch auf die etwas wirre Mythologie von Robert Eggers einlassen können, aber wenn man das kann, erwartet einen ein maximal intensives Erlebnis, das dauerhaft im Gedächtnis bleibt.