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    Ich Bin Sam
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Ich Bin Sam
    Von David Bergmann
    Sam Dawson (Sean Penn) ist ein netter Kerl. Er arbeitet bei „Starbucks“ und führt ein relativ geregeltes Leben. Relativ deshalb, weil er sich auf dem geistigen Niveau eines siebenjährigen Kindes befindet. Trotzdem erwarten er und seine Freundin ein Baby; doch als Töchterchen Lucy (Dakota Fanning) das Licht der Welt erblickt, ändert sich Sams Leben schlagartig. Die Mutter der Kleinen lässt ihn bei der ersten Gelegenheit mit Lucy allein; will kein Kind von einem Behinderten. Sam kümmert sich fortan mit Hilfe seiner guten Freundin Annie (Dianne Wiest) und seinen besten Freunden rührend um Lucy, stößt aber schnell an seine Grenzen, und als Lucy schließlich zur Schule geht, weigert sie sich, zu lernen, weil sie nicht intelligenter werden will als ihr Vater. Das Jugendamt schaltet sich ein, Lucy kommt in eine Pflegefamilie und Sam erhält Besuchsrecht. Da er aber mehr will als das - das Sorgerecht nämlich - sucht er sich einen Rechtsbeistand. Er stößt dabei auf die Erfolgs-Anwältin Rita Harrison (Michelle Pfeiffer), eine mondäne Geschäftsfrau, die sich über ihren Erfolg als Anwältin profiliert und deren Privatleben mit Mann und Sohn eine einzige Tragödie ist. Ihre Profilierungswut ist es auch, die sie Sams Fall annehmen lässt. Um vor den Kollegen ihre soziale Ader zu demonstrieren, nimmt sie den Fall an und arbeitet ohne Honorar. Jetzt gilt es, für Sams Recht zu kämpfen.

    „Ich bin Sam“ erzählt die Geschichte eines geistig benachteiligten Mannes, wie sie die hollywood'schen Drehbuchautoren in Anflügen von plattem Sozialgefühl immer mal wieder ausspucken. Und so ist auch „Ich bin Sam“ nichts weiter als eine lieblose Verquickung von platten Klischees in einer gänzlich durchschaubaren Geschichte.

    Da ist es obligatorisch, dass Sam einem gewissen Ordnungswahn verfallen ist, denn ansonsten würde der sich einmal jährlich in derartige Filme verirrende „Joe Sixpack“ womöglich gar nicht mitbekommen, dass sich Sam geistig auf einem anderen Level bewegt. Da ist es selbstverständlich, dass Sams Freundin ihn nach einem nur wenige Sekunden dauernden Auftritt so hinterhältig wie unglaubwürdig mit Lucy allein lässt; nicht, dass jemand die Möglichkeit hätte, ihre Motivation zu hinterfragen oder sie für etwas anderes als ein unmenschliches Biest zu halten. Und da ist es auch notwendig, dass Sam an eine Anwältin gerät, die schon längst vergessen hat, was Liebe und Glück bedeuten und dass sich eben diese Anwältin im Laufe der Geschichte zu einem besseren Menschen entwickelt.

    Diese Liste ließe sich noch um viele Elemente ergänzen; der Film lässt kaum ein Klischee unverarbeitet. Was hat „I am Sam“ also auf der Haben-Seite zu verzeichnen? Allen voran einen wunderbaren Sean Penn, der ähnlich hilflos wie Sam dem Gericht gegenüber gegen das grauenvolle Drehbuch anspielt und es dabei tatsächlich schafft, seiner Figur glaubhafte emotionale Tiefe zu geben und sowohl seine Hilflosigkeit als auch sein Wissen darum auf die Leinwand zu bringen. Da wäre außerdem eine technische Umsetzung, die überzeugen kann. Das gilt sowohl für die Kameraführung, die das Geschehen immer dann, wenn Sam in einen Konflikt gerät mit einer Handkamera in Szene setzt und dem Zuschauer so Sams aufgewühltes Inneres vor Augen führt, als auch für die musikalische Kulisse, die unaufdringlich im Hintergrund bleibt und gekonnt mit Beatles-Songs jongliert, die Sam doch über alles liebt.

    Doch was nützen all diese Leistungen, wenn sie in einem Film stecken, der den armen Sean Penn vor einen Eselskarren spannt, der den selben elenden, ausgetretenen Trampelpfad entlang holpert wie viele vor ihm. Am Ende fehlt diesem Film, der die gesamte Zeit über wie selbstverständlich mit Klischees und Plattheiten hausieren geht, gar der Mut, den Ausgang seiner Geschichte zu zeigen, und der Zuschauer wird mit einem Ende allein gelassen, bei dem die Hauptcharaktere alle glücklich sind und es offenbar niemanden zu interessieren braucht, wieso und warum. Wenn das Leben so einfach wäre ... Wenn Sean Penn sagt „Ich bin Sam“, dann hat er recht. Ohne seine herausragende Leistung wäre dieser Film nahezu unerträglich platt.
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