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    Cop Secret
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Cop Secret

    Warum dreht Manuel Neuer eigentlich keine Kinofilme?

    Von Lutz Granert
    In seiner Heimat ist Hannes Þór Halldórsson so etwas wie ein Nationalheld: 2018 stand er bei der ersten isländischen Teilnahme an einer Fußballweltmeisterschaft als Torwart zwischen den Pfosten – und hielt im Vorrundenspiel gegen Argentinien einen Elfmeter gegen niemand Geringeren als Superstar Lionel Messi. Neben seiner Karriere als (immer noch) aktiver Fußballer, die ihn bisher in die niederländische und dänische Liga führte, ist er schon seit Jahren auch als Filmemacher tätig. So drehte er etwa das schauerromantische Musikvideo zu „Never Forget“ von Greta Salóme & Jónsi, dem isländischen Beitrag zum Eurovision Song Contest 2012.

    Im Zuge der WM 2018 produzierte er zudem einen Werbespot für Coca-Cola, wobei er die drei Klatschtöne des sogenannten Viking Clap, mit dem die isländischen Fußballfans auch international berühmt wurden, in verschiedenen Alltagsmomenten aufgriff. Basierend auf einem bereits vor zehn Jahren konzipierten Trailer für eine isländische Comedy-Sendung legt Hannes Þór Halldórsson nun sein (während der laufenden Fußballsaison gedrehtes) Spielfilmdebüt vor: Die Buddy-Komödie „Cop Secret“ kämpft zwar hin und wieder mit einigen Logiklöchern, rechnet aber ansonsten ziemlich gelungen und augenzwinkernd mit höherbudgetierten Genrevorbildern ab.

    Brachial-Cop Bússi (Auðunn Blöndal) nimmt bei Verfolgungsjagden keine Rücksicht auf gar nichts...


    Der draufgängerische Bússi (Auðunn Blöndal) ist der härteste Polizist von Reykjavik. Kein Fall ist dem trinkfesten Proll zu gefährlich, keine Verfolgungsjagd zu halsbrecherisch, was besonders seinem ängstlichen Kollegen Klemenz (Sverrir Þór Sverrisson) zu schaffen macht. Nur der ungleich gepflegter auftretende Polizist Hörður (Egill Einarsson), dessen Zuständigkeitsbereich allerdings vor den Toren Reykjaviks beginnt, hat einen ähnlich gefürchteten Ruf wie Bússi.

    Bei einer Reihe von Banküberfällen, bei denen nichts gestohlen wird, müssen die beiden Kontrahenten zähneknirschend zusammenarbeiten. Das unangepasste Raubein und der bekennend pansexuelle Sunnyboy fühlen sich trotz ihrer zelebrierten Feindschaft schnell voneinander angezogen. Doch fürs Ausleben ihrer homoerotischen Gefühle bleibt keine Zeit, denn der skrupellose Supergangster Rikki Ferrari (Björn Hlynur Haraldsson) plant, während eines Spiels der Frauennationalmannschaft im vollbesetzten Fußballstadion eine Bombe hochgehen zu lassen...

    Isländische Bad Boys


    Hannes Þór Halldórsson saß bei seinem Spielfilmdebüt nicht nur auf dem Regiestuhl, sondern schrieb auch selbst am Drehbuch mit, das – zeitgemäß aktualisiert – mit dem besonders in den buddy movies der Achtzigern und Neunzigern allgegenwärtigen Machismo abrechnet. Das geht zum Teil sogar bis zu 1:1-Szenenzitaten, wenn sich Bússi und Hörður etwa nach einer Explosion im Parkhaus in Zeitlupe berappeln und sich die Kamera dabei genauso bewegt wie in einem sehr ähnlichen Moment mit Will Smith und Martin Lawrence aus Michael Bays „Bad Boys“ von 1995. Doch „Cop Secret“ hat trotz einiger selbstreferenzieller Dialogzeilen, die zum Beispiel ganz unverhohlen auf den Plot-Klau bei „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ hinweisen, weit mehr zu bieten als nur technisch saubere Kopien großer Genre-Vorbilder. So bricht Bússi zwar bei Verhören jede Regel (und einer Verdächtigen auch schon mal einen Finger), ringt aber beim Anblick eines Schwulenmagazins in seinem Bad mit seiner ihn überkommenden Lust.

    Hörður passt mit seiner makellosen Gelfrisur, großer Fliegerbrille und stets geöffneten Hemd eher ins sonnige Klima der TV-Serie „Miami Vice“ als ins kalte Island. Eine ungleich (noch) größere, da regelrecht cartoonesk überzeichnete Witzfigur ist der stets schwarz gekleidete Bösewicht Rikki Ferrari, der gegenüber seinen isländischen Schergen in wirren englischen Gleichnissen mehr droht als spricht. Gleich in seiner ersten Szene rasiert er sich in einem dunklen Raum mit einem Jagdmesser, schneidet sich – und leckt das Blut genüsslich ab. Das ist in Sachen zelebrierter Männlichkeit schon wieder so sehr drüber, dass es witzig ist.

    So viele stylische Stilmittel sieht man sonst nur bei Michael Bay: Die isländische Antwort auf "Bad Boys" & Co.!


    Hannes Þór Halldórsson wird dabei nicht müde, von Zeitlupen und Parallelmontagen über Helikopteraufnahmen von Reykjaviks Skyline bis hin zu einem waschechten mexican standoff ein regelrechtes Feuerwerk an Stilmitteln abzufackeln und dabei immer wieder mit einem Augenzwinkern auf US-Genrevorbilder zu schielen. Er holt aus dem – bei einigen Actionszenen allerdings erkennbar – geringen Budget alles heraus und beweist größtmögliche Effizienz.

    Seine beiden Hauptcharaktere bleiben dabei jedoch auf der Strecke: Sowohl Bússi als auch Hörður verharren in ihrem Status als oberflächliche Abziehbilder von gesammelten Genre-Stereotypen – nur eben mit dem einen Unterschied, dass sie schwul sind. Aber das passt neben dem etwas simpel geratenen Plot, der mit zunehmender Laufzeit zunehmend an Logik und Sinnhaftigkeit einbüßt, irgendwie auch ins Konzept.

    Fazit: Gerade für Fans von Buddy-Actionfilmen aus den 80er und 90er Jahren ist „Cop Secret“ eine echte Wundertüte, die es mit seinen etlichen Anspielungen zu entdecken lohnt. Die Gag-Trefferquote ist hoch – und so ist gute Unterhaltung garantiert, auch wenn es hin und wieder etwas am Finetuning mangelt.

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