Gabby's Dollhouse: Der Film
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Gabby's Dollhouse: Der Film

Im Affenzahn durch Katz Francisco

Von Oliver Kube

Gabby's Dollhouse“ ist eine der global populärsten Serien für Kinder auf Netflix – und eine der erfolgreichsten Merchandise-Marken des Planeten! Seit 2021 wurden elf Staffeln in nur vier Jahren produziert – und ein Ende des Mixes aus Realfilm und Computer-Animation, bei dem immer wieder versucht wird, das junge Publikum auch aktiv mit einzubeziehen, ist nicht abzusehen. Bereits im November 2025 startet Season 12. Davor erscheint aber erst noch der erste Kinofilm, inszeniert von Ryan Crego. Der Amerikaner liefert damit zwar sein Spielfilmdebüt ab, hat zuvor aber für Netflix auch schon die Serie „Home: Adventures With Tip & Oh“ mit kreiert.

Auch wenn das Fantasy-Abenteuer hier in Bezug auf Locations, die Story und die Anzahl der Figuren deutlich größere Dimensionen annimmt, dürften alle, die die Serie kennen, sich gleich wie „zu Hause“ fühlen (schließlich gibt es ja auch nicht wenige Kinderzimmer, die vollständig mit Gabby-Cat-Puppen bis Dollhouse-Bettwäsche ausgestattet sind). Wer die Serie hingegen noch nie gesehen hat, wird sich mit „Gabby's Dollhouse: Der Film“ trotzdem sofort in die magische Welt hineinfinden. Allzu anspruchsvoll ist das Ganze nämlich nicht gestaltet – was angesichts der primär anvisierten Zielgruppe im Vor- und Grundschulalter aber völlig okay ist.

Im ersten Teil des Films taucht Gabby (Laila Lockhart Kraner) noch als Realfilm-Figur auf, bevor sie sich später in animierter Form auf die Größe ihrer Gabby Cats herunterschrumpft. Universal Pictures
Im ersten Teil des Films taucht Gabby (Laila Lockhart Kraner) noch als Realfilm-Figur auf, bevor sie sich später in animierter Form auf die Größe ihrer Gabby Cats herunterschrumpft.

Die New Yorker Teenagerin Gabby (Laila Lockhart Kraner, die im Original auch die Stimme für animierte Version ihrer Figur liefert) bekommt Besuch von ihrer geliebten Oma Gigi (Gloria Estefan). Die Großmutter möchte Gabby abholen, damit sie den Sommer mit ihr im kalifornischen Katz Francisco verbringen kann. Das geht natürlich nicht ohne Gabbys riesiges Puppenhaus in dem sie all ihre kleinen Lieblinge – die Gabby Cats wie Carlita, Cakey oder CatRat – aufbewahrt. Als sie am Zielort eintreffen, stürmt Gabby ins Haus und will mit Oma umgehend ein neues, gemeinsames Bastelprojekt starten.

Währenddessen fummeln die draußen unbeaufsichtigten Gabby Cats an der Anhängerkuppelung von Gigis Wagen herum – und da Katz Francisco auf einer Reihe von Hügeln erbaut ist, donnern sie mit ihrer rollenden Behausung geradewegs in die dicht befahrene Innenstadt hinunter. Dort tritt die steinreiche Vera (Kristen Wiig), die alles sammelt, was mit Katzen zu tun hat, auf den Plan: Sie sieht das mit spitzen Ohren und Schnurrhaaren verzierte Puppenhaus und nimmt es einfach mit zu sich in ihr hermetisch abgeschottetes Zuhause…

Erst Realfilm, dann Animation

„Gabby's Dollhouse: Der Film“ hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf, sondern startet mit einem Affenzahn einfach rein in das Abenteuer. Der Roadtrip von Enkelin und Oma wird innerhalb weniger Minuten mithilfe einer Landkarte und kurzen Unterwegs-Momenten der beiden regelrecht im Zeitraffer absolviert. Und auch danach bietet sich bis zum Abspann weder für die Charaktere noch für das Publikum kaum Gelegenheit zum Durchschnaufen.

Wie in den einzelnen Serienepisoden werden die Protagonistin und ihre Welt zunächst in Realform gezeigt, bevor Gabby sie sich mittels eines Haarreifs mit Katzenohren und eines magischen Singsangs in das fantasievoll und abwechslungsreich gestaltete Puppenhaus reinschrumpft (und fortan in ihrem animierten Alter Ego auftritt). Dieser Übergang ist clever und witzig gelöst.

Nach den Regalreihen im Spielzeuggeschäft dominieren die Gabby Cats nun auch die Kinoleinwand. Universal Pictures
Nach den Regalreihen im Spielzeuggeschäft dominieren die Gabby Cats nun auch die Kinoleinwand.

Ziemlich lahm ist hingegen das interaktive Segment in Form von Durchbrüchen der vierten Wand, bei denen die Charaktere (meistens Gabby, aber auch schon mal ihre Oma oder eine der Gabby Cats) direkt zum Publikum im Kinosaal sprechen, um dieses zum Mitsingen und Mittanzen zu animieren. Vielleicht liegt es auch an der nicht nur hier etwas hölzern und steril wirkenden deutschen Synchronisation. Fakt ist aber, dass trotz gut eines halben Dutzends solcher Gelegenheiten kein einziges der bei der von FILMSTARTS besuchten Pressevorführung anwesenden Kinder mitgeträllert oder sich aus seinem Sessel hinausbewegt hat.

Apropos Singen: Die im Film zum Besten gegebenen Lieder werden im Abspann zwar allesamt mit ihren menschlichen Komponist*innen und Interpret*innen genannt. Sie klingen allerdings ausnahmslos so stromlinienförmig-kalkuliert und plump auf Tralala konzipiert, dass es den Verfasser dieser Zeilen nicht wundern würde, wenn sie in Wirklichkeit von einer KI erschaffen wurden. Wirklich im Ohr hängenbleiben tut jedenfalls keines davon.

Kristen Wiig gibt Vollgas

Dafür erzeugen die nicht-musikalischen Performances über weite Strecken gute Laune – und zwar sowohl in den im Vergleich zur Streaming-Serie noch einmal deutlich aufwändiger und detaillierter animierten Szenen als auch im Realfilm-Teil. Na klar, das wirkt mit den fast durchgehend in Bonbonfarben gehaltenen Kulissen, Kostümen und Requisiten schon alles sehr artifiziell. Aber hat man sich erst einmal an die schrille Optik gewöhnt, funktioniert sie prima und sorgt mit ihren vielen kleinen, teilweise witzigen, dann wieder leicht schrägen Attraktionen am Rande für einige Lacher. Mit Ausnahme des ohnehin seit Jahren als Fan-Favorit etablierten Pandy Paws, einer Panda-Kätzchenpuppe, kommen die animierten Gabby Cats allerdings ziemlich eindimensional daher. Jede von ihnen wird eigentlich nur durch ihr Aussehen oder eine einzige Eigenschaft charakterisiert.

Zum Glück haben die menschlichen Hauptfiguren da ein wenig mehr zu bieten. Laila Lockhart Kraner („Black-ish“) verkörpert glaubhaft die junge, um ihre kleinen Freund*innen kämpfende Katzenpüppchen-Mutti. 1980er-Popstar Gloria Estefan („Der Vater der Braut“) hat zwar nicht allzu viel Entscheidendes zu tun, wirkt aber ebenfalls immer sympathisch, engagiert und liebevoll. Richtig aufdrehen darf hingegen Kristen Wiig als Bösewichtin. Offensichtlich genießt der „Brautalarm“-Star seine bunten Klamotten und sein exzentrisches Verhalten in vollen Zügen. Am besten sind die Szenen, in denen Vera mit oft völlig überdrehten Bemühungen um die Aufmerksamkeit ihrer eigenen Hauskatze buhlt, diese die Verrenkungen ihres Frauchens aber stets mit einem herrlich desinteressierten Blick quittiert.

Fazit: Eine völlig freidrehende Kristen Wiig, ihre stoische Mieze und das rasante, nie Langeweile aufkommen lassende Tempo sind die besten Aspekte dieses ansonsten recht einfach gestrickten, dafür schrillbunten und turbulenten Fantasy-Abenteuers für Kids.

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