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    Fall - Fear Reaches New Heights
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Fall - Fear Reaches New Heights

    Garantierte Höhenangst vor dem Fernsehschirm!

    Von Lutz Granert

    Bei den Dreharbeiten zu ihrem Action-Thriller „Final Score“ unterhielten sich Regisseur Scott Mann und Drehbuchautor Jonathan Frank miteinander – und zwar, als sie gerade angeseilt auf dem Dach des Fußballstadions von West Ham United einen Motorradstunt vorbereiteten. Das naheliegende Thema dieser Diskussion: Höhenangst! Dabei stellten sie fest, dass diese Form der Angst zwar oft in einzelnen Szenen thematisiert wird, etwa in „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ von Alfred Hitchcock oder „Cliffhanger“ mit Sylvester Stallone, aber nur selten in all ihren psychologischen Facetten ausgelotet wird. Die Idee für einen Kurzfilm war geboren … … die sich dann jedoch schnell verselbstständigte: Wenn schon, sollte ein abendfüllender Spielfilm zu diesem Thema entstehen und eine immersive Erfahrung werden, wie Scott Mann in einem Interview betonte. Und das ist ihm trotz einer letztlich wenig überraschenden Wendung und ein paar Logiklöchern mit seinem Survival-Thriller „Fall – Fear Reaches New Heights“ eindrucksvoll gelungen: Mit einer minimalistischen Story, aber packend verdichteter Dramaturgie und wahrhaft schwindelerregenden Bildern gelingt dem „Die Entführung von Bus 657“-Regisseur eine nahezu einzigartige Seherfahrung, die nicht nur bei Zuschauer*innen mit ausgewiesener Höhenangst für klitschnasse Hände sorgen wird.

    Schwindelerregende Bilder wie in „Fall – Fear Reaches New Heights“ hat man jedenfalls in dieser Konzentration noch nie zuvor gesehen.

    Die flippige Hunter (Virginia Gardner) klettert zusammen mit dem befreundeten Pärchen Becky (Grace Caroline Currey) und Dan (Mason Gooding) eine nahezu senkrechte Felswand hinauf. Als sich Dan einen Fehlgriff erlauft und die Seilsicherung nachgibt, stürzt er in den Tod. Nahezu ein Jahr ist seit dem Unglück vergangen und die niedergeschlagene Becky betäubt ihren Schmerz zur Sorge ihres Vaters (Jeffrey Dean Morgan) immer noch mit Alkohol. Da meldet sich Hunter bei ihr, die für Klickzahlen auf ihrem YouTube-Kanal einen alten, rund 600 Meter hohen Fernsehturm in der Mojave-Wüste besteigen will. Becky ist zunächst wenig begeistert, willigt dann aber doch widerwillig ein – und tatsächlich gelingt es den beiden Freundinnen, über diverse Leitern an der rostigen Stahlkonstruktion bis zu einer luftigen, kaum mehr als einen Quadratmeter großen Plattform unterhalb der Antenne aufzusteigen. Doch bei dem Versuch, wieder herunterzusteigen, lösen sich einige Schrauben und die Leitern an den obersten 60 Metern stürzen in die Tiefe. Becky und Hunter sitzen in schwindelerregender Höhe fest... » "Fall – Fear Reaches New Heights" bei Amazon* An dieser Stelle möchten wir ausnahmsweise mal eine Trigger-Warnung aussprechen: Wer an ausgeprägter Höhenangst leidet oder schon beim Lesen der Inhaltsangabe eine gewisse Beklemmung verspürt, sollte von „Fall – Fear Reaches New Heights“ wahrscheinlich lieber die Finger lassen. Denn der Titel ist durchaus programmatisch zu verstehen: Scott Mann liefert in seinem mit hochauflösenden IMAX-Kameras gedrehten Survival-Thriller wiederkehrende Drohnenaufnahmen rund um die kleine Plattform und unentwegte Tiefblicke in die scheinbar endlose Tiefe. Gerade wenn sich die tief dekolletierte Hunter anfangs für ein potenziell reichweitenstarkes Instagram-Posting ohne Sicherung an der Plattform hinablässt, nachdem vorher schon suggestive Nahaufnahmen loser Schrauben und Muttern von einer drohenden Katastrophe künden, sollte möglichst auch das Publikum Nerven wie Stahlseile mitbringen – und da ist gerade einmal die erste halbe Stunde des 104-minütigen Films vorbei.

    Tatsächlich in schwindelerregender Höhe gedreht

    Anders als etwa bei Robert Zemeckis' „The Walk“, in dem der Seiltanz von Philippe Petit zwischen den Twin Towers des World Trade Centers komplett im Studio vor Green Screens entstand, wählte Scott Mann nun schon aus Kostengründen einen anderen Ansatz: Er ließ für die drei Millionen Dollar teure Produktion auf einem Berg in der Mojave-Wüste mehrere etwa 30 Meter hohe Stahlsegmente aufbauen, auf welche die beiden Protagonisten wirklich klettern mussten – und auch die kleine Plattform, auf der etwa drei Viertel des Films spielen, befand sich tatsächlich auf dieser Höhe. Zwar kommt auch „Fall“ dabei nicht ganz ohne (durchwachsenes) CGI aus, doch die schwindelerregende Höhe wird dadurch umso mehr spür- wie erlebbar – wobei die Beklemmung mit der Situation des schiffbrüchigen Pärchens in „Open Water“ vergleichbar ist. Der völligen Immersion steht allerdings entgegen, dass selbst in der luftigen Höhe von angeblichen 600 Meters stets nur ein laues Lüftchen weht und nie echte Stürme toben (was in der realen Welt der Fall wäre). Für Dramatik ist dennoch gesorgt, denn die beiden Freundinnen kämpfen durchaus überlegt ums Überleben: Ohne Handyempfang, aber ausgestattet mit Leuchtpistole, Drohne und immerhin zwölf Metern Seil, lassen sie keine mögliche Rettungsmethode unversucht. Für bange Spannung ist somit schon bei den unvorhersehbaren Reaktionen dubioser Camper und LKW-Fahrer in der Nähe des Fernsehturms gesorgt – ein aufgesetzt wirkender Twist gegen Ende wirkt hingegen unnötig.

    Der Plot ist minimalistisch – aber der Schwindel ist real. Da kriegt man wirklich Höhenangst selbst auf der Couch vor dem Fernseher!

    „Fall – Fear Reaches New Heights“ kann dabei mit gleich zwei starken weiblichen Charakteren punkten, die durchaus realistisch gezeichnet wirken. Grace Caroline Currey, die älteste Schwester des Titelhelden in der DC-Comicverfilmung „Shazam!“, überzeugt als zunächst verletzliches Trauma-Opfer, das sich nach anfänglicher Verzweiflung ihrer Resilienz besinnt. Ihr gegenüber steht mit Virginia Gardner, bekannt aus der Disney+-Serie „Marvel's Runaways“, eine ungleich flippigere Hoffnungsträgerin, die stets einen kühlen Kopf bewahrt und emotionale Aufbauhilfe leistet. Auch Jeffrey Dean Morgan, der geläuterte Bösewicht Negan aus der Zombie-Serie „The Walking Dead“, nimmt man seine Rolle als besorgter Vater durchaus ab – allerdings dauert sein Gastauftritt auch nur fünf Minuten und ist wohl vor allem dafür gedacht, seinen Namen mit aufs Poster schreiben zu können. Fazit: Zwei Freundinnen in einer vermeintlich ausweglosen Situation auf einer winzigen Plattform in 600 Metern Höhe - aus dieser simplen Prämisse holt „Fall – Fear Reaches New Heights“ wirklich alles raus. Der spannend verdichtete Survival-Thriller sorgt trotz kleiner Schönheitsfehler definitiv für einen hohen Puls und schweißnasse Hände.

     

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