Diesmal wirkt der Zauber nicht
Von Asokan Nirmalarajah„Die Schule der magischen Tiere 4“ ist die jüngste Fortsetzung der beliebten Kinoreihe nach der gleichnamigen Kinderbuchreihe von Margit Auer. Alleine schon 15 Bände zählen zu der Hauptreihe, und da sind die insgesamt neun Bände umfassenden Ablegerserien (mit Kriminal- bzw. Ferienhandlung) noch nicht einmal inbegriffen. Die Verfilmungen der Kinderbuch-Bestseller avancierten zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Kinoproduktionen der letzten Jahre, wobei jeder neue Film den Vorgänger noch einmal an der Kinokasse übertrumpfte.
Ein ähnlicher Erfolg scheint nun auch Teil 4 sicher. Schließlich bleibt der Film der vorhersehbaren, aber kurzweiligen Erfolgsformel der Reihe treu. Ohne eine Showstopper-Musiknummer wie in Teil 2 („Kann mich irgendjemand hör'n“) oder die Plotdichte und differenziertere Figurenzeichnung von Teil 3, setzt der neue Eintrag in das Franchise auf neue Figuren und ins Zentrum gerückte Nebencharaktere. Die Effekte sind dabei sogar besser als davor, und das Ensemble ist unverändert sympathisch. Darüber hinaus bleibt diesmal aber nicht so viel in Erinnerung...
LEONINE
Neues Schuljahr, neues magisches Tierglück: Ida (Emilia Maier) und ihre Mitschüler*innen bekommen an der altehrwürdigen Wintersteinschule nach und nach sprechende Tiere zur Seite gestellt, die nur sie und ihre Lehrerin Miss Cornfield (Christina Große) sehen können. Für alle anderen sind sie nur immobile Stofftiere. Als Idas frühere Klassenkameradin und Freundin Miriam (Tomomi Themann) sich für einen dreimonatigen Aufenthalt an der besonderen Bildungseinrichtung ankündigt, erhält auch sie zur Überraschung aller von Mr. Morrison (Milan Peschel), Miss Cornfields Bruder und Besitzer der magischen Zoohandlung, ein eigenes Tier überreicht: den flinken Koboldmaki Fitzgeraldo (mit der Stimme von Daniel Zillmann).
Dieser steht ihr bei, als Miriam zwischen die Fronten ihrer früheren Schule und der Wintersteinschule gerät, als beide an einem Wettbewerb der Schulen teilnehmen. Indes bahnt sich eine zarte Romanze zwischen den langjährigen Freunden Max (Thilo Fridolin Matthes) und Leonie (Purnima Grätz) an, während die Wintersteinschule selbst dem finanziellen Untergang geweiht scheint...
Wie bei den vorherigen drei Filmen der Kinoreihe ist auch in „Die Schule der magischen Tiere 4“ viel los. Zwei Hauptplots um die Schicksale einiger Schüler konkurrieren mit einer Rahmenhandlung, bei der das Schicksal der ganzen Wintersteinschule auf dem Spiel steht. Doch diesmal wollen sich die verschiedenen Handlungsstränge nicht so recht zu einem organischen Ganzen zusammenfügen.
Dabei fängt es überraschend souverän an. Man merkt der schnellen Abhandlung der üblichen Szenen zur Einführung (Mr. Morrison auf Beutefang vor exotischer Kulisse, die Überreichung der Tiere, das Aufsagen des Schwurs der magischen Gemeinschaft) an, dass die Macher wissen, dass mittlerweile nur noch echte Fans dabei sind. Und die jeweiligen Plots um die Außenseiterin mit Parcour-Talenten (Miriam) und eine zarte Romanze zwischen zwei Nerds (Max und Leonie) versprechen anfangs, spannende Einzelgeschichten zu werden. Doch leider bleiben beide Stränge trotz des einfühlsamen Spiels der jungen Schauspieler*innen oberflächlich, vorhersehbar und ereignisarm.
LEONINE
Bei „Die Schule der magischen Tiere 4“ führt Sven Unterwaldt nach den beiden Vorgängern nicht mehr Regie, sondern gibt die Aufgabe an den Regiedebütanten Bernhard Jasper sowie Maggie Peren ab. Da Jasper als Kameramann bereits für die Bilder der vorherigen zwei Filme in der Kinoreihe verantwortlich war, merkt man zumindest visuell nicht viel vom Zepterwechsel.
Auch Teil 4 kleidet seine jugendlichen Helden in warme, satte Farben und findet immer einen Grund, sie vor wohltuend idyllischem Sonnenlicht zu platzieren. Peren hingegen bringt als Co-Autorin des Drehbuchs und Co-Regisseurin vor allem in der Ausgestaltung der neuen Figur Miriam und deren Konflikt mit einer tyrannischen Gruppe von männlichen Mitschülern eine besondere Sensibilität in die Geschichte. Nur bleiben die Figuren eindimensional und kommen über kindgerecht vereinfachte Plattitüden wie „Fies sein ist blöd“ selten hinaus. Auch hätte man mehr aus den unerwarteten Frühlingsgefühlen von Max und Leonie machen können, als dass er ihr nach langem Herumdrucksen ein eigenes Lied komponiert.
Fazit: „Die Schule der magischen Tiere 4“ von Bernhard Jasper und Maggie Peren variiert hier und da etwas die Erfolgsformel der Kinoreihe, ohne aber ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln. Ohne wirklich herausragende Szenen, Musiknummern oder Figuren bleibt der Eintrag hinter den besten Momenten der Reihe, vor allem aber hinter dem durchweg geglückten Teil 3, zurück. Dennoch ist der Film ein Muss für Fans der Reihe, die nicht genug von den putzigen Abenteuern der Schüler der Wintersteinschule und ihren magischen Tieren haben können.