Scream 7
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Scream 7

Selbst der schwächste Schrei macht noch mächtig Laune

Von Christoph Petersen

Sidney is back! Nachdem sie den New-York-Abstecher in „Scream VI“ wegen eines Gagen-Disputs ausgesetzt hat, steht Neve Campbell („Skyscraper“) im siebten Teil der kultigen Slasher-Serie so sehr im Zentrum wie seit „Scream 3“ nicht mehr. Denn wenn man schon eine kolportierte Rekordsumme von sieben Millionen Dollar zahlt, will man dann natürlich auch was davon haben. Aber für Fans wahrscheinlich (fast) genauso wichtig: Mit Kevin Williamson kehrt zugleich auch der eigentliche Erfinder der Reihe zurück, der damals überhaupt erst auf die Idee kam, den ursprünglich noch „Scary Movie“ betitelten „Scream – Schrei!“ mit allerlei Genre-Auskenner*innen zu bevölkern und so einen klassischen Whodunit-Plot mit selbstreferenziellen Meta-Elementen aufzupeppen. Der Rest ist – natürlich auch dank der brillanten Regie von Wes Craven – Horrorfilmgeschichte.

An „Scream 7“ ist Williamson nicht nur als Co-Autor beteiligt, er hat erstmals in der Franchise-Historie auch auf dem Regiestuhl Platz genommen. Allerdings war der „Dawson’s Creek“- und „Vampire Diaries“-Schöpfer nicht die erste Wahl. Stattdessen litt die Produktion noch mehr als „Scream VI“, der nach Campbells Absage kurzfristig umgeschrieben werden musste, unter personellen Ausfällen: Erst wurde Melissa Barrera wegen Gaza-Postings gefeuert, dann stieg Jenna Ortega – offiziell wegen Terminproblemen – aus dem Projekt aus, bevor schließlich auch noch der eigentlich vorgesehene Regisseur Christopher Landon („Freaky“) die Segel strich. Diese bewegte Produktionsgeschichte merkt man „Scream 7“ durchaus an. Gerade tonal wirkt vieles uneinheitlich – bis hin zur diesmal erstaunlich lieblosen Auflösung.

Neve Campbell ist in „Scream 7“ zurück – und spielt direkt eine so zentrale Rolle wie schon lange nicht mehr! Paramount Pictures
Neve Campbell ist in „Scream 7“ zurück – und spielt direkt eine so zentrale Rolle wie schon lange nicht mehr!

Apropos Rückkehr: Zurück geht es in der obligatorischen Pre-Credit-Sequenz auch in das Mörderhaus aus „Scream“ und „Scream 5“. Das ist inzwischen ein Airbnb für True-Crime-Aficionados – ein animatronischer Ghostface-Killer inklusive. Genau wie das arglose Opferpaar können sich auch „Scream“-Superfans an dem ikonischen Setting kaum sattsehen: Hier hat Sidney damals Stu mit dem TV-Gerät ins Jenseits befördert, dort ist Amber Freeman auf dem Herd in Flammen aufgegangen. Was man aber auch direkt merkt: Das zieht sich alles ganz schön hin, bis Ghostface endlich auftaucht – und mithilfe des Kronleuchters prompt einen ersten erinnerungswürdigen Kill abliefert.

Nach seiner zu Unrecht gefloppten Groteske „Tötet Mrs. Tingle“ ist „Scream 7“ nach 27-jähriger Pause erst die zweite Film-Regiearbeit in der langen Karriere von Kevin Williamson. Da ist es kein Wunder, dass er einfach nicht dasselbe Gespür für Timing und Atmosphäre hat wie einst Wes Craven – oder zumindest dieselbe rastlose Power wie Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, die nach Cravens Tod für zwei Filme das Ruder übernommen hatten. Stattdessen wird klar: Williamson war wohl schon damals vor allem für die Anspielungen, den Humor und das Teenage-Trauma zuständig, während Craven mit seiner präzisen Inszenierung die konsequente Anspannung beigesteuert hat.

Sidney Prescott 2.0

Nach dem Manhattan-Massaker im Vorgänger geht es diesmal zwar nicht zurück nach Woodsboro, aber in eine vergleichbare Kleinstadt, in der das Herbstlaub immer diese perfekte Farbe hat, wie man es sonst nur aus TV-Weihnachtsfilmen kennt: Hier lebt Sidney inzwischen mit ihrem Polizeichef-Ehemann Mark (Joel McHale) und ihren drei Kindern. Die zwei jüngeren sind gerade bei ihrer Großmutter, aber die 17-jährige Tatum (Isabel May) ist jetzt genau so alt wie damals ihre Mutter bei der ersten Mordserie. Sidney fragt sich, ob es richtig ist, dass sie ihre Tochter immerzu von allem Schlechten abschirmt – oder ob sie sie nicht im Gegenteil besser auf das Schlimmste hätte vorbereiten sollen. Ist Tatum also eine Anti-Sidney – oder doch eher eine Sidney 2.0?

Hier gibt es die Kritik auch als Video, wenn ihr lieber schaut als lest – oder auch einfach mal sehen wollt, wie wir alle eigentlich so aussehen:

Die Mutter-Tochter-Geschichte bekommt jedenfalls so viel Raum, dass für die weiteren Neuzugänge wie Nachbarin Jessica (Anna Camp), True-Crime-Nerd Lucas (Asa Germann) oder Möchtegern-Pizzabäckerin Chloe (Celeste O'Connor) nur wenig Platz zum Glänzen bleibt. Zumal neben Gale Weathers (Courteney Cox), die einen szenenapplauswürdigen ersten Auftritt hinlegt, ja auch noch Matthew Lillard zurückkehrt. Schließlich verbirgt der Killer nicht länger sein Gesicht, sondern meldet sich per Videocall mit der vernarbten Visage des originalen Ghostface-Killers Stu Macher. Aber kann es wirklich sein, dass dieser noch lebt – oder ist das einfach nur der KI-Fortschritt?

Wird Tatum (Isabel May) in die Fußstapfen ihrer berühmt-berüchtigten Mutter treten (müssen)? Paramount Pictures
Wird Tatum (Isabel May) in die Fußstapfen ihrer berühmt-berüchtigten Mutter treten (müssen)?

Nach einer halben Stunde wirkt es kurz so, als würden Kevin Williamson und Guy Busick, der auch schon die Drehbücher zu den beiden direkten Vorgängern verfasst hat, das ganze Konzept der „Scream“-Serie einmal komplett auf links drehen – und so womöglich zu einem ganz großen Wurf ansetzen. Aber Pustekuchen! Im Gegenteil war es vermutlich noch nie so leicht wie diesmal, die Auflösung vorherzusagen – und das ist nicht der einzige Grund, warum sie eher belanglos anmutet. Auch beim Humor schießt Williamson – ohne das korrigierende Gegengewicht von Wes Craven – hier und da über das Ziel hinaus:

So fragt der selbstbezogene Theaterlehrer (Timothy Simons), nachdem eine seiner Schülerinnen gerade auf der Bühne von Ghostface ausgeweidet wurde, wie man IHM das nur antun könne, es gebe ja schließlich nicht mal eine Zweitbesetzung. Die „Scream“-Filme waren schon immer auch lustig, aber die Rolle ist scharf an der Grenze zur Karikatur, wie man sie eher in einer TV-Sketchshow erwarten würde.

Weniger Tempo, ähnlich viel Gore

Ähnliches gilt für einen besonders feucht-fröhlichen Kill in einer Bar, der in seiner absurden Übertreibung eher an das Slasher-Kino der 1980er-Jahre gemahnt. Aber davon abgesehen lässt sich Kevin Williamson trotz einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren zumindest in Sachen Gore nicht lumpen: Wirkt ein in den Schädel geschobenes Messer im Pre-Credit-Auftakt noch auffällig wie CGI, gibt es kurze Zeit später bei einem Peter-Pan-Intermezzo einen besonders garstigen und ausführlichen Kill.

Und nachdem es jetzt seit fast 30 Jahren gepredigt wird, dass man in den Kopf schießen muss, wenn jemand nicht wieder aufstehen soll, wird dieser gute Ratschlag in „Scream 7“ auf groteskmöglichste Weise auf die matschig-blutige Spitze getrieben ...

Fazit: Selbst der bislang schwächste Teil der Reihe hat immer noch einen erstaunlichen Unterhaltungswert – „Scream 8“ steht also nichts mehr im Wege, und diesmal hoffentlich mit einer etwas weniger bewegten Produktionsgeschichte.

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