Die Vorlage für diesen farbenfrohen Familienfilm stammt von einem absoluten Horror-Großmeister!
Von Thorsten HanischWir wissen nicht, ob es beabsichtigt war oder ob es sich um einen Zufall handelt, aber mit „Zombies im Zoo – Verrückt nach Mitternacht“, dem deutschen Titel des französisch-belgisch-kanadischen Kinderfilms „Night Of The Zoopocalypse“, hat man einen Volltreffer gelandet. Zum einen wird der Inhalt wesentlich klarer umrissen als bei der bemüht-originellen Wortkonstruktion des Originals. Damit steigt direkt die Neugierde, denn Zombies gab’s im Zusammenhang mit einem Zoo bisher kaum.
Zum anderen dürften auch ältere Semester aufhorchen, denn George A. Romeros Klassiker „Dawn Of The Dead“ (1978) war hierzulande viele Jahre unter dem inoffiziellen Titel „Zombies im Kaufhaus“ bekannt. Und tatsächlich dürften die Fans des Romero-Meisterwerks genauso wie Familien Spaß haben an diesem Animationsfilm von Rodrigo Perez-Castro und Ricardo Curtis. Denn obwohl kein Tropfen Blut fließt, ist die größtenteils in strahlende Neonfarben getunkte, gut getrickste und kurzweilige Horror-Komödie verhältnismäßig „heftig“ ausgefallen.
Leonine
Die junge Wölfin Gracie (Stimme im Original: Gabbi Kosmidis) führte mit ihrem Rudel bislang ein behütetes, ereignisloses Leben im Colepepper Zoo. Aber dann stürzt eines Nachts ein Meteorit vom Himmel und landet im Streichelzoo. Ein bis eben noch superniedliches Kaninchen mutiert zu einer blutrünstigen Bestie – und das Unheil nimmt seinen Lauf!
Bald ist der ganze Zoo mit einem außerirdischen Virus infiziert. Gracie muss sich mit dem Puma Dan (David Harbour), dem Strauß Ash (Scott Thompson) und dem Nasenaffen Felix (Paul Sun-Hyung Lee) zusammentun, um aus dem abgeschlossenen Zoo herauszukommen. Das ist bloß nicht leicht, denn die Tiere verhalten sich in Stress-Situationen nicht anders als Menschen: Man ist sich uneinig und misstraut sich. Allerdings geht’s in der animalischen Animationsvariante deutlich humorvoller zur Sache …
Der Fokus liegt klar auf der kleinen Gracie und dem hünenhaften Dan, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Sie ist jung, optimistisch und familienbezogen, er älter, zynisch und ein Einzelgänger. Das führt in bester Buddy-Movie-Manier zu Reibereien, aber nach einer Weile auch zu emotionaleren Momenten. Die Dynamik zwischen den beiden ist zwar amüsant, unterunterhaltsam und durchaus besonders – immerhin könnte Dan Gracie auch einfach fressen –, sie bleibt aber leider an der Oberfläche, weil das Drehbuch die Charakterzeichnung zugunsten der Hektik opfert. Den Figuren werden zu wenig Ruhepausen gegönnt, der Film eilt von einer Spannungs- oder Actionszene zur nächsten, geplagt von einer Angst vor Stillstand.
„Zombies im Zoo“ basiert auf einer unveröffentlichten Graphic Novel für Erwachsene namens „ZOOMbies“ von „Hellraiser“-Schöpfer Clive Barker, die sich um ein Kind dreht, das während des Ausbruchs eines Zombie-Virus in einem Zoo gefangen ist. Produzent Steve Hoban fand das Material für einen Film reizvoll, wollte aber in eine andere Richtung gehen und bekam von Barker freie Fahrt. Schade, dass die Vorlage nicht veröffentlicht wurde. Ein bisschen bekommt man während des Sehens nämlich das Gefühl, dass die Macher sich trotz Endziel Kinderfilm nicht ganz von Barkers Horrorvisionen frei machen konnten. Speziell was die Gestaltung der zombiefizierten Tiere angeht, wird sich nicht gerade zurückgehalten. Ob jedes Kind die variantenreich und alles andere als süß designten Monster mit den spitzen Zähnen und den giftgrün leuchtenden Augen problemlos wegsteckt, darf getrost angezweifelt werden.
Leonine
Zugleich ist es gerade diese fantasievolle und zudem clevere Gestaltung, die für den Film spricht: Nicht nur die Monster sehen toll aus, Details wie die Texturen der Felle lassen die Figuren ungemein plastisch wirken. Für einen lediglich zwölf Millionen Dollar teuren Animationsfilm ist das beachtlich. Budgetbedingte Einschränkungen wie die spärlichen Hintergründe werden durch den Einsatz von Licht und Farben geschickt kaschiert. Überhaupt, die Farben: „Zombies im Zoo“ ist mit seiner teilweise stark stilisierten Neon-Ästhetik einfach ein Hingucker und prädestiniert für die große Leinwand.
Fazit: Ob das jetzt ein hundertprozentiger Kinderfilm ist, sei mal dahingestellt. Was man aber auf jeden Fall attestieren kann: Trotz mittelmäßigen Drehbuchs ist „Zombies im Zoo“ ein etwas anderer Animationsfilm, den man sich auch als Erwachsener allein schon aufgrund seiner tollen Optik nicht entgehen lassen sollte.