How To Make A Killing
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
How To Make A Killing

Schön kauzig, aber auch ein wenig weihnachtsmild

Von Dobrila Kontic

Etwas provokant, aber durchweg leichtfüßig und im Abgang stets auf Milde bedacht: So tingelt die französische Familienkomödie seit Jahrzehnten durch die deutschen Programmkinos. Der französische Komiker und Schauspieler Franck Dubosc hat mit seinen Regiearbeiten „Liebe bringt alles ins Rollen“ und „Die Rumba-Therapie“ in den letzten Jahren ebenfalls solide Vertreter dieses Genres vorgelegt, die hier und da für ein paar herzerwärmende Lacher sorgen konnten.

Doch mit seinem neuesten Film „How To Make A Killing“ schlägt Dubosc – zumindest zu Beginn – eine düsterere Tonart an: Schließlich geht es um das folgenreiche Eindringen krimineller Machenschaften in ein verschlafenes Örtchen im verschneiten Jura-Gebirge. Blut und Schnee? Dies erinnert sicher nicht rein zufällig an „Fargo“ von den Coen-Brüdern.

Wie lässt man am besten Leichen verschwinden, wenn in der Nähe bekanntermaßen ein wilder Bär sein Unwesen treibt? Weltkino Filmverleih
Wie lässt man am besten Leichen verschwinden, wenn in der Nähe bekanntermaßen ein wilder Bär sein Unwesen treibt?

Durch einen schneebedeckten Wald des Jura-Gebirges führt Alan (Jeremy Senelier) wenige Tage vor Weihnachten vier Migranten, die er beim Telefonat mit seinen Auftraggebern als „Ware“ bezeichnet. Doch die beabsichtigte Übergabe an der Landstraße wird jäh unterbrochen, als Alan und seine Kundschaft von einem Schwarzbären angegriffen werden. Davon kriegt Michel (Regisseur Franck Dubosc selbst), Familienvater und Bewohner einer nahegelegenen Stadt, allerdings nichts mit. Er ist mit seinem Auto unterwegs nach Hause, wo er mit seiner Frau eine kleine, kaum einträgliche Tannenbaumfarm betreibt.

Im Radio läuft ein Bericht zur anhaltenden Inflation, die Michel schließlich wegdrückt. Als er kurz darauf besagten Bären auf der Fahrbahn erspäht, weicht er aus und prallt gegen ein geparktes Auto. Die Insassin stirbt noch an Ort und Stelle. Ihr zu einer Pinkelpause an den Waldrand ausgetretener Gefährte erschrickt bei dem blutigen Anblick so sehr, dass er strauchelt, fällt und sich dabei am spitzen Zweig eines Baumstumpfs selbst aufspießt…

Vielversprechender Auftakt

So weit, so spannungsreich! „How To Make A Killing“ macht von Beginn an keine Gefangenen. Diesen schwarzhumorigen Ton behält die Krimi-Komödie auch weiterhin bei, wenn der noch immer unter Schock stehende Michel seiner Frau Cathy (Laure Calamy) den Unfall samt Fahrerflucht gesteht. Als passionierte Krimi-Leserin ist Cathy weniger schockiert von der Flucht ihres Mannes als vielmehr dem Umstand, dass er seine Spuren nicht anständig verwischt hat. Als die beiden dies am Unfallort nachholen wollen, entdecken sie im Auto eine Pistole sowie eine Tasche voll Geld, die sie auch sogleich an sich nehmen. Schließlich steht ihnen das Wasser finanziell bis zum Hals.

Derweil haben sich auf der Polizeiwache des Ortes die vier überlebenden Migranten ohne ihren Schmuggler eingefunden und versucht, den schwerfälligen Gendarmen trotz Sprachbarriere über den Bären im Wald zu informieren. Doch Polizeichef Roland (Benoît Poelvoorde) ist so kurz vor den Feiertagen etwas abgelenkt: Seine Ex-Frau hat sich samt neuem Freund für Weihnachten angekündigt und als Verlassener will er einen möglichst würdevollen Auftritt hinlegen. Auch Polizistin Florence (Joséphine de Meaux) scheint nicht sehr wachsam, ist sie doch von einer hartnäckigen Erkältung heimgesucht worden. Und so entgeht beiden für einige Zeit, dass nicht nur ein Bär sein Unwesen im Wald treibt, sondern auch das schiefgegangene Drogengeschäft noch viel vorweihnachtliches Unheil anrichten wird.

Polizeichef Roland (Benoît Poelvoorde) hat eigentlich ganz andere Sorgen als einen wildgewordenen Bären und einen ausgeuferten Drogendeal. Weltkino Filmverleih
Polizeichef Roland (Benoît Poelvoorde) hat eigentlich ganz andere Sorgen als einen wildgewordenen Bären und einen ausgeuferten Drogendeal.

An Verschrobenheit mangelt es den von Franck Dubosc und seiner Co-Autorin Sarah Kaminsky entwickelten Figuren keineswegs: Allesamt sind sie sorgsam gestaltet als Charaktere, die mit ihren privaten Querelen, Eigenheiten und der Einsamkeit in dieser landschaftlich beeindruckenden, aber in sozialer Hinsicht kargen Provinz zu kämpfen haben. Michel und Cathy bilden da keine Ausnahme: Nicht nur türmen sich bei ihnen unbezahlte Rechnungen, sondern auch unausgesprochene Frustrationen, etwa wegen der Sorge um ihren autistischen Sohn Doudou (Timéo Mahaut). Die Tasche voller Geld kommt da wie gerufen, aber als sie beschließen, die beiden Leichen verschwinden zu lassen, zeigt sich in absurdem Ausmaß, wie sehr es ihnen an krimineller Energie fehlt.

Dem schon drolligen Dilettantismus, den die beiden bei der Vertuschung an den Tag legen, schaut man anfangs noch amüsiert zu. Aber die allgemeine Unfähigkeit führt bald zu solch hanebüchenen Entscheidungen, dass diese sich weder nachvollziehen noch ignorieren lassen. Das anfangs bemühte Noir-Element verschwindet zwischenzeitlich gänzlich aus dieser Erzählung, die sich über weite Strecken lieber den leichteren (und weihnachtlicheren) Nuancen der Schwarzhumorigkeit zuwendet, um dann wieder in die Vollen der Krimi-Kälte zu gehen. Trotz der wiederholt hervorblitzenden Kauzigkeit der Provinz-Bewohner*innen haftet „How To Make A Killing“ eine Zögerlichkeit an, die die Unterschiede zu einem konsequenten Noir wie „Fargo“ schmerzhaft deutlich hervortreten lässt. Dabei hätte die Prämisse von „How To Make A Killing“ durchaus das Potenzial dazu gehabt.

Fazit: „How To Make A Killing“ glänzt mit einem stimmungsvoll düsteren Auftakt, legt dann aber leider den schwarzhumorigen Ton zugunsten einer zahmeren und festtagstauglicheren Lustigkeit ab. Dank der liebevoll-kauzigen Charaktere dennoch ein amüsant-kurzweiliger Film im von Franck Dubosc gewohnt-warmherzigen Tonfall.

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