Die drei ??? - Toteninsel
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Die drei ??? - Toteninsel

Dieses Abenteuer ist selbst für die drei Detektive eine Spur zu groß

Von Stefan Geisler

„Die drei ???“ auf der großen Leinwand – das war lange Zeit ein schwieriges Thema. Die Nachwuchsdetektive aus Rocky Beach sind einfach so untrennbar mit ihren Hörspielsprechern Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich verbunden, dass sich bei vielen Fans schon bei dem Gedanken an eine alternative Besetzung die Zehennägel hochrollten. Entsprechend lange dauerte es, bis die Junior-Ermittler erstmals die Leinwände eroberten – zunächst auch nur mit durchwachsenem Erfolg. So genießen die ersten Anläufe „Das Geheimnis der Geisterinsel“ (2007) und „Das verfluchte Schloss“ (2009), die damals auch für den internationalen Markt in englischer Sprache produziert wurden, zumindest in der deutschen Fan-Community keinen allzu guten Ruf. Erst 2023 erfolgte dann mit „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ ein Neustart – und der schlug ein:

Mit mehr als 1,5 Millionen verkauften Tickets entwickelte sich der Reboot auf Anhieb zum erfolgreichsten deutschen Kinorelease des Jahres. Der Nachfolger „Der Karpatenhund“ konnte am Box Office zwar nicht ganz mithalten, legte dafür in Sachen Fragezeichen-Feeling aber noch einmal deutlich nach – und wirkte so im besten Sinne wie eine klassische Hörspielfolge der Kultreihe. Den (vorläufigen) Abschluss der Kino-Trilogie bildet nun „Die drei ??? – Toteninsel“. Als Vorlage diente hier die überlange, ursprünglich auf drei (!) Kassetten veröffentlichte Jubiläumsfolge 100 – ebenfalls ein Fan-Favorit. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, doch diese werden dieses Mal nur bedingt erfüllt. Zwar kann der jugendfreundliche Kriminalspaß über weite Strecken gut unterhalten, spätestens im (nicht ganz so) großen Finale knirscht es erzählerisch jedoch gewaltig.

Auf der Toteninsel stoßen Die drei ??? auf mehr als nur ein gefährliches Geheimnis! Sony Pictures
Auf der Toteninsel stoßen Die drei ??? auf mehr als nur ein gefährliches Geheimnis!

In den Sommerferien wollen Justus (Julius Weckauf), Peter (Nevio Wendt) und Bob (Levi Brandl) endlich mal ausspannen. Keine neuen Fälle, keine kniffligen Kopfnüsse – stattdessen planen sie einen gemeinsamen Roadtrip. Doch kurz vor der Abfahrt klingelt das Telefon. Am anderen Ende meldet sich ein mysteriöser Anrufer, der ihnen ein geheimnisvolles Rätsel stellt. Für Justus ist sofort klar: Der Urlaub wird erst mal verschoben, stattdessen wartet ein neuer Auftrag auf ihn und seine Kollegen!

Die Nachforschungen führen das Trio zum Geheimbund Sphinx von Professor Phoenix (Andreas Pietschmann) und seinem Assistenten Olin (Jannik Schümann). In illegale Ausgrabungen verwickelt, haben die Mitglieder offenbar bereits ein neues Ziel im Visier: die sagenumwobene Vulkaninsel Makatao, bei den Einheimischen als Toteninsel bekannt. Um eine dortige Grabstätte ranken sich finstere Mythen – angeblich kehrt niemand lebend von der Insel zurück. Dennoch plant Sphinx eine Expedition an diesen gefährlichen Ort. Welche Ziele verfolgt die Organisation wirklich? Und welche Rolle spielt der einflussreiche Unternehmer Joseph Saito Hadden (Simon Kluth)?

Da haben sich die Verantwortlichen Großes vorgenommen

Die erste Jubiläumsfolge nimmt im Kanon der Reihe einen besonderen Platz ein – und die Erinnerung an sie sorgt bei vielen Fans noch heute für leuchtende Augen. Vielleicht, weil der Dreiteiler stellvertretend für eine neue Ära der „Drei Fragezeichen“ steht: Justus, Peter und Bob schienen mit Folge 100 ihren kindlichen Wurzeln entwachsen und wurden plötzlich mit deutlich größeren Gefahren konfrontiert. Zwar richteten sich auch einige frühere Fälle bereits an ein (etwas) älteres Publikum, doch „Die drei ??? – Toteninsel“ setzte mit Verschwörungen, Raketen, düsteren Dschungelkulissen, Todesdrohungen und sogar einer Konfrontation mit dem US-Geheimdienst noch einmal einen drauf.

Theoretisch sind das die idealen Zutaten für großes Kino. In der Praxis funktionierten die bisherigen Filme der Reihe jedoch immer dann am besten, wenn sie kleinere, überschaubare Geschichten erzählten und ihre Figuren in den Mittelpunkt stellten (womöglich auch, weil das Budget eben für abenteuerliches Effektkino sowieso nicht ausreicht). Und tatsächlich entsteht hier teilweise der Eindruck, als sei die Ausgangsgeschichte einfach zu umfangreich für eine 108-minütige Verfilmung. Immer wieder wird der Plot drastisch vereinfacht. Zudem haben es große Teile der Vorlage nicht in das Drehbuch geschafft.

In „Toteninsel“ agieren die Darsteller Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl (noch) besser als in den Vorgängern miteinander. Sony Pictures
In „Toteninsel“ agieren die Darsteller Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl (noch) besser als in den Vorgängern miteinander.

Das mag stellenweise sinnvoll und dem jüngeren Zielpublikum geschuldet sein, wirft aber die Frage auf, warum dann ausgerechnet die überdimensionale Jubiläumsfolge als nächstes Kinoabenteuer gewählt wurde. Weniger komplexe, dafür umso spannendere Fälle gibt es im Kosmos der „Drei ???“ schließlich zuhauf. Dabei startet „Toteninsel“ vielversprechend. Schon in den ersten Szenen stellt sich ein vertrautes Rocky-Beach-Gefühl ein – nicht zuletzt dank des Zusammenspiels von Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl. Als Justus, Peter und Bob wirken sie endlich wie ein eingeschworenes Team.

Es ist deutlich spürbar, dass die drei Hauptdarsteller im Laufe der Dreharbeiten auch hinter den Kulissen weiter zusammengewachsen sind – was sich auch in der Dynamik zwischen den Figuren widerspiegelt. Insbesondere das herzliche Wiedersehen auf Makatao gehört zu den schönsten – und authentischsten – Fragezeichen-Kinomomenten bislang. Filip Schnack darf zudem als vorlauter Rabauke Skinny Norris das Schnüffler-Trio erneut auf Trab halten. Wie schon in „Der Karpatenhund“ erweist er sich als echter Fragezeichen-Schreck, der mit Schnodderschnauze und fiesen Tricks die bieder-brave Welt der Detektive regelmäßig aus den Angeln hebt. Aus dem einstigen TikTok-Prankster ist inzwischen ein kleiner Aushilfsgangster geworden, auch wenn er sich hier mit Gestalten einlässt, die selbst ihm die Knie zittern lassen.

Hacken als Allzweckwaffe

Leider ist die Frischzellenkur bei Jelena Charkova weniger geglückt. Aus der in den Büchern stets stilvoll auftretenden Geigerin, die aufgrund eines Unfalls an den Rollstuhl gefesselt ist, wird hier eine moderne Hackerin. Und auch wenn Momo Beier durchaus eine solide Leistung abliefert und für ein paar charmante Momente sorgt, fühlt sich ihre Rolle stets wie ein Werkzeug an. Immer dann, wenn der Plot beschleunigt werden muss, springt Jelena mit ihren technischen Fähigkeiten ein. Das wird der ewigen Justus-Widersacherin leider nicht gerecht. Abseits der eigentlichen Handlung bietet „Die drei ??? – Toteninsel“ dafür jedoch wieder zahlreiche Details für aufmerksame Fans. Liebevoll platzierte Referenzen und Easter Eggs verweisen auf frühere Abenteuer des Trios.

Wer genau aufpasst, findet beispielsweise den tanzenden Teufel aus Hörspielfolge 21 als stylisches modernes Firmenlogo – oder erfährt, dass es sich beim Feuerturm um ein angesagtes Steak-Restaurant in Rocky Beach handelt. Umso bedauerlicher ist es da, dass sich der Film mit zunehmender Laufzeit durch die vorgenommenen Kürzungen seltsam unvollständig anfühlt. Das Abenteuer endet, obwohl es eigentlich gerade erst richtig Fahrt aufnimmt – und einige Handlungsstränge bleiben unvollendet. So ganz kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dies nur eine Vorgeschichte für einen noch viel größeren Fall ist, der vielleicht in Zukunft folgen wird. Die Grundlagen für eine weitere Fortsetzung sind jedenfalls gelegt – ob beabsichtigt oder nicht.

Fazit: Kommt da noch was? „Die drei ??? – Toteninsel“ wirkt wie die erste Hälfte eines Zweiteilers. Fans sollten also keine werkgetreue Umsetzung der Vorlage erwarten, denn das Kinoabenteuer passt die komplexe Geschichte um eine vergessene US-Militärbasis seinem jungen Zielpublikum an. Dass der Film dennoch über weite Strecken Spaß macht, ist vor allem seinen überzeugenden Hauptdarstellern Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl zu verdanken, die hier (erstmals) als echte Einheit auftreten. Es wäre deshalb auch jammerschade, wenn dies tatsächlich der letzte spezialgelagerte Sonderfall für die Detektive sein sollte.

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