Predator: Badlands
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Predator: Badlands

Weltraummonster mit Herz

Von Pascal Reis

Zwischen 1987 und 2018 war der Predator ganze sechs Mal auf der Kinoleinwand zu sehen, doch keinem Regisseur wurde in dieser Zeit die Ehre zuteil, den außerirdischen Trophäenjäger mehr als ein einziges Mal in Szene zu setzen. Erst 2022 sollte sich dieser Umstand ändern: Mit „Prey“ gelang Dan Trachtenberg nämlich nicht nur ein starker Eintrag in das kultige Sci-Fi-Action-Franchise, es war auch der Beginn einer neuen Ära – denn der „10 Cloverfield Lane“-Macher ist eindeutig gekommen, um zu bleiben.

Nachdem Trachtenberg in „Prey“ eine junge Komantschin im Nordamerika des 18. Jahrhunderts gegen den Predator antreten ließ, setzte er im Juni dieses Jahres mit dem animierten Episodenfilm „Predator: Killer Of Killers“ exklusiv auf Disney+ nach – und das auf ebenso abwechslungsreiche wie äußerst unterhaltsame Weise. Mit „Predator: Badlands“ legt Trachtenberg nun bereits seine dritte Arbeit innerhalb der Reihe vor – und die Frage, ob er als wahrer Architekt des „Predator“-Universums taugt, lässt sich inzwischen wohl eindeutig mit Ja beantworten!

Dek (Dimitrius Schuster-Kolomatangi) macht sich bereit für die Jagd. Disney und seine verbundenen Unternehmen
Dek (Dimitrius Schuster-Kolomatangi) macht sich bereit für die Jagd.

Als Yautja (so nennt sich jene außerirdische Spezies, die in den Filmen meist schlicht als Predator bezeichnet wird) hat man es wahrlich nicht leicht. Um in den Clan aufgenommen zu werden, muss man seine Stärke unter Beweis stellen und sich auf die Jagd begeben. Der junge Dek (Dimitrius Schuster-Kolomatangi) jedoch wird von seinem Vater als das schwächste Glied der Familie angesehen und soll von seinem eigenen Bruder Kwei aus dem Weg geräumt werden. Doch als Kwei sich schützend vor Dek stellt, wendet sich das Blatt tragisch – der Vater tötet Kwei, und Dek bleibt nur die Flucht auf den fernen Planeten Genna.

Von Wut getrieben, will Dek seinem Vater beweisen, dass auch in ihm das Blut eines wahren Jägers fließt. Sein Ziel: der legendäre Kalisk – eine mythische Bestie, die auf Genna haust und bereits zahllosen Yautja das Leben genommen hat. Auf seiner gefährlichen Odyssee begegnet Dek der synthetischen Einheit Thia (Elle Fanning), die von der Weyland-Yutani Corporation zu Forschungszwecken entsandt wurde. Nach einem verhängnisvollen Aufeinandertreffen mit dem Kalisk ist Thia nun auf der Suche nach der unteren Hälfte ihres Körpers. Gemeinsam begibt sich das Duo auf eine abenteuerliche Reise...

Richtig schönes Abenteuerkino

Nachdem die dramaturgischen Weichen für Deks Heldenreise gestellt sind, zeigt Dan Trachtenberg eindrucksvoll auf, warum er der ideale Regisseur für das „Predator“-Franchise ist: Er besitzt einfach diese herrlich nerdige Fabulierlust. Sobald Dek auf dem Planeten Genna landet, verwandelt sich „Predator: Badlands“ in seiner Erforschung der außergewöhnlichen Flora und Fauna beinahe in eine CGI-getränkte Liebeserklärung an das fantastische Kino von Spezialeffekt-Pionier Ray Harryhausen („Sindbads 7. Reise“).

Auf Genna herrscht eine simple, gnadenlose Regel: Fressen oder gefressen werden. Trachtenberg entfesselt eine fast kindlich ungebremste Freude an der Erkundung dieses sogenannten „Todesplaneten“, die unmittelbar ansteckend wirkt. Es ist ein Vergnügen, Seite an Seite mit dem Predator in diese gefährliche Welt einzutauchen: Explodierende Maden, stachelschießende Pflanzen, drachenähnliche Flugbestien, Knochenbisons, Klingengras und zahllose weitere exotische Lebensformen – mal winzig und hinterhältig, mal so gigantisch, dass der Boden erzittert – bevölkern die Leinwand mit einer überwältigenden Fülle an Ideen.

Auf Genna erwarten den jungen Predator gigantische Gefahren. Disney und seine verbundenen Unternehmen
Auf Genna erwarten den jungen Predator gigantische Gefahren.

So gelingt es Trachtenberg, mit „Predator: Badlands“ ein klassisches, zugleich aber auch erfrischend vitales Survival-Abenteuer zu inszenieren, das dem Geist der Reihe neues Leben einhaucht – und genau diese Energie trägt den Film auch im weiteren Verlauf. Mit dem Auftritt von „Like A Complete Unknown“-Star Elle Fanning als gefühlsbegabte Androidin Thia erhält die Geschichte zudem eine weitere, sehr charmante Note: Zwischen ihr und dem Predator entspinnt sich ein spritziges Wortgefecht voller Witz und Wärme, das den einst wortlosen Jäger als Figur auf stimmige Weise reifen und greifbarer werden lässt. Schließlich handelt es sich bei „Predator: Badlands“ um den ersten Film der Reihe, der den Predator selbst zum Protagonisten erhebt – und das bisweilen mit erstaunlicher Sensibilität.

Das Wechselspiel aus Deks unbeirrbarer, zweckgerichteter Vehemenz und Thias neugierig-plappernder Unbekümmertheit wirkt dabei zum Glück zu keiner Zeit erzwungen. Im Gegenteil: Die entwaffnende Offenherzigkeit der Androidin verleiht ihrer Beziehung eine berührende Erdung. Dementsprechend mitreißend ist es, dem ungleichen Duo dabei zuzusehen, wie es sich durch eine Welt kämpft, die hinter jeder Ecke neue, tödliche Gefahren birgt – und wie sich die beiden mithilfe kleiner Gesten, etwa dem Angebot von Nahrung, Stück für Stück näher kommen und quasi zu ihrem eigenen Clan werden.

Nicht alles funktioniert

Im schematischen letzten Drittel verliert „Predator: Badlands“ allerdings merklich an Esprit. Der Einbau der aus dem „Alien“-Franchise bekannten Weyland-Yutani Corp. führt dazu, dass der Sci-Fi-Actioner zunehmend vorhersehbare Entscheidungen trifft, die der Film dann jedoch zu gerne als große Wendungen verkaufen möchte. Das generisch gehaltene Action-Finale in einem Laborhangar liefert zwar einige cool choreografierte Predator-Kampfeinlagen und lässt mit dem legendären Power Loader aus „Aliens – Die Rückkehr“ (inklusive einer an „Pacific Rim“ erinnernden Klopp-Sequenz) ein ikonisches Element zurückkehren. Dennoch ist der Showdown viel zu dunkel geraten, wodurch nicht nur das CGI matschig wirkt, sondern auch Dan Trachtenbergs eigentlich starke und ideenreiche Action-Vision einen Teil ihrer Wucht verliert.

Hinzu kommt, dass die Einbindung eines affenähnlichen Aliens, das niedlich schnalzt, rollt, spuckt und gluckst, stark nach Marketing-Mitspracherecht riecht. „Predator“ bewegt sich dadurch in Regionen, in denen kindgerechtes Merchandise eine Rolle spielen könnte – und genau dieser Versuch, einem bestialischen Krieger einen niedlichen Sidekick an die Seite zu stellen, wirkt nicht zuletzt durch die Popularität von Produktionen wie „The Mandalorian“ inzwischen schlicht abgedroschen und lahm.

Gemeinsam stark: Thia (Elle Fanning) und Dek. Disney und seine verbundenen Unternehmen
Gemeinsam stark: Thia (Elle Fanning) und Dek.

Aber ist „Predator: Badlands“ nun wirklich der „Predator für die ganze Familie“? Nein, so drastisch sollte man es nicht formulieren, auch wenn es sich um den ersten Teil der Reihe handelt, der in den USA ein PG-13-Rating (also ab 13 Jahren freigegeben) erhalten hat, während alle anderen Teile das härtere R-Rating bekamen. Selbst in „Badlands“ werden Köpfe abgetrennt, Extremitäten durch die Luft geschleudert, Körper explodieren oder werden durchbohrt – nur eben nicht von Menschen, sondern von Androiden oder Kreaturen. Grünes, weißes und orangenes Blut darf jedoch reichlich spritzen, wenn der Predator sein Plasmaschwert auspackt!

Fazit: Der Predator kann auch Protagonist! Dan Trachtenberg beweist zum dritten Mal, dass er der richtige Mann für die Zukunft des Sci-Fi-Franchise ist. Gerade als klassisches Survival-Abenteuer mit charmanter Buddy-Dynamik funktioniert „Predator: Badlands“ extrem gut. Das letzte Drittel lässt dann zwar merklich nach, nichtsdestotrotz steht fest: Trachtenbergs „Alien Vs. Predator“ darf gerne kommen!

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