Diese Rückkehr macht mächtig Laune!
Von Pascal ReisDas muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Mit einem zusammengerechneten Gesamtbudget von nicht einmal 160 Millionen US-Dollar spielte die „Scary Movie“-Reihe weltweit beeindruckende 900 Millionen US-Dollar an den Kinokassen ein. Umso verblüffender wirkt es auf den ersten Blick, dass zwischen „Scary Movie 5“ und dem offiziell nur „Scary Movie“ betitelten „Scary Movie 6“ ganze 13 (!) Jahre liegen. Die Gründe für diese lange Pause sind jedoch schnell erklärt: „Scary Movie 5“ wurde trotz solider Einnahmen von der Kritik zerfetzt – aber das ist im Parodie-Genre ja nichts Neues.
Viel schwerer wog hingegen der Skandal um Harvey Weinstein, der zum Zusammenbruch der Weinstein Company führte. Da die Rechte an der Reihe über Dimension Films und das Weinstein-Imperium verwaltet wurden, mussten die Besitzverhältnisse anschließend neu geordnet werden. Gleichzeitig befand sich das Spoof-Movie-Genre aufgrund liebloser Schnellschuss-Parodien à la „Date Movie“ sowie der rasanten Meme-Kultur des Internets grundsätzlich im freien Fall. Aber das ist alles Schnee von gestern, denn „Scary Movie 6“ macht tatsächlich wieder richtig Spaß!
Paramount Pictures
Dass bereits zwischen „Scary Movie 4“ und „Scary Movie 5“ satte sieben Jahre ins Land gingen, erklärte David Zucker, der seit „Scary Movie 3“ als Regisseur, Produzent und Autor zu den maßgeblichen Köpfen der Reihe zählte, denkbar simpel: Es habe schlicht an prägenden Horrorfilmen gefehlt. Mit diesem Problem hatten die Rückkehrer Marlon Wayans und Shawn Wayans sowie Regisseur Michael Tiddes („Ghost Movie“) diesmal allerdings nicht zu kämpfen. Dank „Blood & Sinners“, „The Substance“, „Weapons“, der „Terrifier“-Reihe und zahlreichen weiteren modernen Genre-Marksteinen mangelte es nicht an Vorlagen, die geradezu nach einer respektlosen „Scary Movie“-Verballhornung schrien.
Aber haben die Macher von „Scary Movie 6“ aus den zahllosen Hypes, Trends und Phänomenen des (Horror-)Kinos der vergangenen Jahre auch die richtigen (sprich: lustigen) Schlüsse gezogen? Die Antwort liefert bereits die Eröffnung, die bei „Scary Movie“ traditionell als zwerchfellerschütternder Lackmustest für den Rest des Films dient: In einer an „Scream 5“ angelehnten Sequenz darf „One Battle After Another“-Star Teyana Taylor als stolzeste Schwarze von ganz New York die weiße Oberschicht im piekfeinen Restaurant derart erschrecken, dass sie glatt ihre Perlenketten verschluckt. Auch Ghostface bekommt sein Fett weg – und muss lernen, dass es selbst dann ziemliche Kopfschmerzen bereitet, wenn man anstatt der Oscar-Statue „nur“ eine Golden-Globe-Trophäe über den Schädel gezogen bekommt!
Diese Mischung aus klassischen Situationsalbernheiten und im Stakkato abgefeuerten Meta-Kommentaren zu Politik, Gesellschaft und Filmindustrie definiert die gesamte Humormechanik von „Scary Movie 6“. In bester „Die nackte Kanone“-Manier reiht sich etwa in einem nach der „Final Destination“-Reihe benannten Freizeitpark im Hintergrund eine Karussellkatastrophe an die nächste, während die Figuren im Vordergrund immer wieder genüsslich über dröge Plot-Elemente und dramaturgische Offensichtlichkeiten sinnieren – oder mit all jenen überstrapazierten (Kampf-)Begriffen jonglieren, die moderne gesellschaftspolitische Debatten dominieren.
Vom Gaslighting übers Mansplaining bis hin zum Slut-Shaming weiß die Gen Z bestens Bescheid, während sie im selben Moment aber „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ und „Der Sommer, als ich schön wurde“ nicht auseinanderhalten kann. Tatsächlich gelingt es „Scary Movie 6“ gut, trotz der extrem hohen Gag-Dichte nie zu einer ermüdenden Kompilation aus bloß willkürlich anmutenden Referenzen und Verweisen zu verkommen. Zugegeben, die Cameos von Jon Abrahams als Bobby aus dem ersten „Scary Movie“ sowie Chris Elliott, der in einer „Longlegs“-Anlehnung erneut sein „starkes Händchen“ aus „Scary Movie 2“ präsentieren darf, wirken wie überflüssiges, den Rhythmus bremsendes Beiwerk.
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Insgesamt aber zeichnen sich die komödiantischen Einfälle von „Scary Movie 6“ durch ihr Tempo sowie ihren liebevollen Ideenreichtum aus! Zu den Höhepunkten des Films zählt etwa auch eine ausgedehnte „Get Out“-Parodie, die in bester „Scary Movie“-Tradition erklärt, was es eigentlich mit dem nackten Mann auf sich hat, der wie völlig fremdgesteuert durch den Garten sprintet. Darüber hinaus lässt sich Shorty (Marlon Wayans) nämlich auch noch von einem teetrinkenden Ghostface hypnotisieren und intoniert anschließend animiert mit größtem Charme und maximaler Schieflage eine Hommage an den Megahit „Golden“ aus „KPop Demon Hunters“, dem erfolgreichsten Netflix-Film aller Zeiten. Nur, dass es hier erwartungsgemäß möglichst hedonistisch um Sex und Drogen geht.
Hinzu kommt, dass „Scary Movie 6“ deutlich mehr Schamlosigkeit beweist als die meisten anderen R-Rated-Komödien der vergangenen Jahre: So muss sich Ghostface vor einem schwarzen Opfer dafür rechtfertigen, warum seine Mordmethoden eigentlich so verdammt stark an „12 Years A Slave“ erinnern, während an den Schulen Schwarze Geschichte inzwischen offenbar nach den Lehren Kanye Wests unterrichtet wird. Gail Hailstorm (Cheri Oteri) erklärt derweil mit jenseitiger Selbstverständlichkeit, dass sie nach #MeToo von Blow- auf Handjobs umgestiegen sei, um weiterhin an ihre Schlagzeilen zu kommen. Und was bei einer ebenfalls ziemlich grandiosen „The Substance“-Verballhornung aus dem Rücken einer Patientin gezogen wird, soll an dieser Stelle unerwähnt bleiben, sorgte im voll besetzten Kinosaal jedoch für beinahe hysterische Lachanfälle.
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Ein weiterer großer Pluspunkt, der die Freude an „Scary Movie 6“ durchweg auf einem hohen Niveau hält, ist die Nostalgie. Anna Faris als Cindy, Regina Hall als Brenda, Marlon Wayans als Shorty, Shawn Wayans als Ray und auch Dave Sheridan als Doofy erneut gemeinsam vor der Kamera zu sehen, macht schlichtweg Spaß, weil man den Schauspieler*innen in jeder Szene anmerkt, wie viel Freude es ihnen bereitet, wieder gemeinsam den größtmöglichen, aggressiv-vulgären Nonsens zu treiben! Dagegen bleiben die neuen Figuren wie Sara (Olivia Rose Keegan) und Jack (Cameron Scott Roberts) blass.
Ein deutliches Problem, mit dem „Scary Movie 6“ zu kämpfen hat, ist neben einigen offensichtlich nachträglich eingefügten Gags (etwa zu „Michael“) allerdings das Finale. Hier will der Film nicht nur noch einmal in sämtliche Richtungen austeilen (auch wortwörtlich: denn er führt vor Augen, wie es aussehen würde, wenn John Wick nicht nur mit Schusswaffen, sondern auch mit zwei riesigen Gummidildos in die Schlacht zieht). Zugleich soll die „Scary Movie“-Vergangenheit selbstreflexiv aufgearbeitet und durch den Kakao gezogen werden. Dabei verläuft sich der Film jedoch in ziemlich lahmen Comebacks längst vergessener Figuren und bemüht ausgerechnet die naheliegendsten sowie flachsten Witze – auch wenn die letzte Szene dann doch noch angenehm böse ausfällt.
Fazit: Der wiederholte Szenenapplaus im Kinosaal macht deutlich, wie sehr eine Rückkehr von „Scary Movie“ gefehlt hat. Zwar geht Teil 6 auf der Zielgeraden spürbar die Puste aus und auch zuvor zündet nicht jeder Gag. Aber als schambefreites Feuerwerk aus Geschmacklosigkeit fährt der Film einige der lustigsten Einfälle der gesamten Reihe auf.
PS: Ihr müsst unbedingt sitzenbleiben, denn im Abspann erwartet euch noch ein ordentlicher Lacher!
PPS: In den drei Wochen vor dem Kinostart von „Scary Movie 6“ sind in den USA die Horrorfilme „Obsession“ und „Backrooms“ völlig durch die Decke gegangen. Mehr als genug Stoff also, um uns nicht noch mal 13 Jahre auf „Scary Movie 7“ warten zu lassen!