Masters Of The Universe
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Masters Of The Universe

Eine Liebeserklärung an die Samstagvormittage meiner Kindheit!

Von Stefan Geisler

Bereits 2007 machte zum ersten Mal das Gerücht die Runde, dass sich eine neue He-Man-Realverfilmung in Entwicklung befinde. Fast 20 Jahre später ist es endlich so weit: Der Kultheld aus Eternia darf – nach dem sehr trashigen ersten Anlauf mit Dolph Lundgren aus dem Jahr 1987 – endlich wieder auf der großen Leinwand die Muskeln spielen lassen. Unter der Regie von „Bumblebee“-Regisseur Travis Knight und mit den finanziellen Mitteln der Amazon MGM Studios im Rücken zieht sich die Spielzeugmarke nach all den Jahren aus der Produktionshölle.

Mit „Masters Of The Universe“ ist dabei eine unverhohlene Liebeserklärung an die Zeit der Samstagmorgen-Cartoons herausgekommen. Beim Anblick der kunterbunten Welten und skurrilen Figuren möchte man es sich am liebsten gleich mit einer Schüssel Cornflakes gemütlich machen. Dass „Masters Of The Universe“ trotz seines treibenden Rock-Scores nicht vollends überzeugen kann, liegt zum einen an der äußerst vorhersehbaren Geschichte und zum anderen an zu vielen Meta-Humor-Einschüben, die gerade emotionale Momente immer wieder vorzeitig ersticken.

Prinz Adam (Nicholas Galitzine) und seine Freunde müssen Eternia retten. Amazon MGM
Prinz Adam (Nicholas Galitzine) und seine Freunde müssen Eternia retten.

Der zehnjährige Prinz Adam (Artie Wilkinson-Hunt) lebt mit seiner Familie auf dem fantastischen Planeten Eternia. Entgegen den Vorstellungen seines Vaters scheint Adam allerdings kein geborener Krieger zu sein. Stattdessen präsentiert er sich als sensibler und verspielter Tagträumer, der lieber herumalbert, als das Schwert zu schwingen. Als der skrupellose Skeletor (Jared Leto) mit seinen Schergen angreift und die hauptstadt Eternos in Schutt und Asche legt, ist es jedoch schlagartig vorbei mit der kindlichen Unbeschwertheit.

Erst im letzten Moment gelingt Adam die Flucht durch ein Portal zur Erde. Auf der Reise zwischen den Welten geht jedoch das legendäre Zauberschwert verloren – der einzige Schlüssel zur Rückkehr nach Eternia. So ist der geflüchtete Prinz gezwungen, sich ein neues Leben auf der Erde aufzubauen. Fast 20 Jahre später arbeitet Adam (jetzt: Nicholas Galitzine) als mäßig erfolgreicher HR-Manager – und sucht nebenher noch immer einen Weg zurück. Doch alles ändert sich, als das verschwundene Schwert – ausgerechnet in einem Spielzeuggeschäft – plötzlich wieder auftaucht ...

Der Auftakt knallt gut rein!

Der Einstieg in „Masters of the Universe“ setzt die Messlatte hoch. Zu einem knallenden Rock-Score, der von der unverwechselbaren E-Gitarre von Brian May getragen wird, erhalten wir eine Einführung in die strahlende Welt von Eternia. Das ist pure Glam-Rock-Fantasy-Energie – und weckt sofort Erinnerungen an das legendäre B-Movie „Flash Gordon“, zu dem übrigens ebenfalls Queen den Soundtrack beisteuerte. Ohnehin ist die Welt von Eternia das eigentliche Herzstück des Abenteuerfilms. Bunt, verspielt und mit viel Liebe zum Detail gestaltet, vermittelt sie in jeder Einstellung die ehrliche Begeisterung, mit der Travis Knight und sein Team die Kultreihe wieder zum Leben erweckt haben. Zwar stammt hier viel aus dem Computer, aber die Effekte sind sichtbar von der Cartoonvorlage inspiriert – und so fügt sich der künstliche Look überraschend harmonisch ins Gesamtbild ein.

Ähnliches gilt für die Gestaltung der Figuren, die nicht großartig modernisiert wurden, sondern sich klar an den Spielzeug-Vorlagen orientieren. Diese Entscheidung geht auf; dem unverwechselbaren Retro-Charme wird sich kaum ein Fan entziehen können. Schurken und Helden wie Fisto, Mekaneck oder Trap-Jaw wirken in ihrem Design einfach so herrlich aus der Zeit gefallen, dass sich „Masters Of The Universe“ schon dadurch angenehm von vergleichbaren, aber angestrengt auf düster-modern getrimmten Produktionen abhebt. Da ist es direkt bedauerlich, dass wir nach dem epischen Prolog erst einmal auf der Erde landen. Zwar ist es durchaus amüsant, den späteren He-Man als HR-Manager zu erleben – dennoch bremst dieser Einschub die Handlung erst einmal gehörig aus.

Gerade Figuren wie Trap-Jaw überzeugen durch ihr Retro-Design. Amazon MGM
Gerade Figuren wie Trap-Jaw überzeugen durch ihr Retro-Design.

Während die visuelle Gestaltung voll auf die Historie der Reihe vertraut, fehlt dieses Selbstbewusstsein an anderer Stelle jedoch spürbar. Mit reichlich Meta-Humor nehmen die Verantwortlichen immer wieder die Eigenarten ihrer über 40 Jahre alten Fantasy-Welt aufs Korn. Das betrifft nicht nur die Namen der Figuren (und ja, vermutlich würde heute kein Held mehr Fisto heißen), sondern auch erzählerische Besonderheiten. Ist die Identität von He-Man – dessen Name ebenfalls mit einer hochgezogenen Augenbraue kommentiert wird – in den Cartoons noch ein streng gehütetes Geheimnis, verkommt dieses Mysterium hier zum bloßen Gag. Denn obwohl Adam selbst die Scharade durchzieht, weiß doch jeder, wer wirklich hinter He-Man steckt.

Darüber hinaus wirkt der Humor stellenweise wie ein Sicherheitsnetz, um zu demonstrieren, dass man die eigene Vorlage selbst nicht zu ernst nimmt. Aber das schwächt die Wirkung einiger Szenen massiv ab. So wird beispielsweise eine gelungene Slow-Motion-Sequenz nach einem erfolgreichen Gefängnisausbruch durch einen plötzlichen Hustenanfall unterbrochen. An anderer Stelle wird der emotionale Höhepunkt zwischen Teela (Camila Mendes) und ihrem Ziehvater Duncan (Idris Elba) durch einen unpassend in die Szene platzenden Adam abrupt beendet.

Zu viel beim MCU abgeschaut

Solche Momente wecken Erinnerungen an die Comic-Blockbuster „Thor 3 + 4“ – auch wenn die humoristischen Einschübe hier glücklicherweise längst nicht mit derselben Penetranz eingesetzt werden. Vielleicht handelt es sich auch schlicht um eine Übersättigungserscheinung der inzwischen reichlich strapazierten Marvel-Formel, auf deren Versatzstücke auch in „Masters Of The Universe“ zurückgegriffen wird. Ein wenig mehr Vertrauen in die Kraft der eigenen Marke und die Emotionalität der Szenen hätte dem Film jedenfalls gutgetan.

Für die größten Fragezeichen im Vorfeld sorgte vor allem die Besetzung. Wie würden sich Netflix-Star Nicholas Galitzine („Royal Blue“) und der in den vergangenen Jahren häufig gescholtene Jared Leto („Morbius“) als He-Man und Skeletor schlagen? Doch allen Unkenrufen zum Trotz liefern beide bemerkenswert starke Leistungen ab. Während Nicholas Galitzine mühelos zwischen beeindruckender Körperlichkeit und charmantem Humor wechselt, zeigt Jared Leto eine seiner besten Darbietungen der letzten Jahre – und das, obwohl sein Gesicht im Film gar nicht zu sehen ist. Sein Skeletor ist keine gebrochene Figur mit tragischer Vergangenheit, sondern ein herrlich altmodischer Antagonist, der aus ganzem Herzen böse ist – und gerade durch seine Schlichtheit funktioniert.

Jared Leto liefert als Skeletor eine seiner besten Leistungen seit langer Zeit Amazon MGM
Jared Leto liefert als Skeletor eine seiner besten Leistungen seit langer Zeit

Immer wieder wandelt Jared Leto zwischen skurriler Witzfigur und grausamem Tyrannen – und trifft damit den Geist der Vorlage erstaunlich präzise, ohne sie einfach nur zu kopieren. Neben den beiden überzeugenden Hauptdarstellern sorgen vor allem die stark inszenierten Action-Sequenzen dafür, dass sich in die 140-minütige Laufzeit nur selten Längen einschleichen. Und das, obwohl die eigentliche Geschichte kaum einen Fantasy-Fan überraschen dürfte.

Egal ob ein an „Star Wars“ erinnerndes Luftgefecht, die Belagerung der Hauptstadt Eternos oder ein randalierender Beast Man in einer amerikanischen Großstadt – die Action bleibt durchweg kurzweilig. Besonders heftig kracht es jedoch in der finalen Konfrontation zwischen Skeletor und He-Man. Hier gleicht jeder Treffer einem Erdbeben, während der Wechsel zwischen Zeitlupe und Zeitraffer der Auseinandersetzung eine dynamische Wucht verleiht.

Fazit: „Masters Of The Universe“ präsentiert sich visuell erfreulich unangepasst und zelebriert den liebenswerten Wahnsinn seiner Vorlage. Gleichzeitig folgt die Erzählung jedoch häufig bekannten und mittlerweile reichlich ausgetretenen Marvel-Pfaden – und erstickt gelungen Szenen zu oft mit einem Sicherheitsnetz aus selbstironischem Meta-Humor. Dennoch dürften Fans der Vorlage den Kinosaal kaum schlecht gelaunt verlassen. Dafür sorgen die rasante Action, die kreative Gestaltung der Fantasy-Welt und ein hervorragend aufgelegter Jared Leto als Knochenfürst Skeletor.

PS: Mit dem Einsetzen des Abspanns sollte man unbedingt noch etwas sitzen bleiben – schließlich gibt es gleich zwei nachgeschobene Szenen. Während uns in der ersten ein bislang durch Abwesenheit glänzender Fanliebling noch einmal die Moral von der Geschichte präsentiert, dürfte insbesondere die zweite Sequenz bei Fans für echte Jubelstürme sorgen.

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